God Module Seance

Himmelherrschaftszeiten. Ich könnte mich in den Hintern beißen, so sehr ärgere ich mich. Denn ich Hirsel bin mal wieder auf eine Verpackung hereingefallen. Ja, die neue God Module CD "Seance" sieht sehr schnicke aus und die Bilder und Songtitel rund um das Thema übersinnliche Kontakte zu Geistern um uns herum versprachen wieder jede Menge witzige Momente des Hellectro. Denn in meinen Ohren klingen immernoch die letzten Töne des Vorgängeralbums "Let's go dark" nach. Ja, ich bin Fan eines Elektroprojektes aus den USA, das es meiner Ansicht nach geschafft hatte, einfach mal ein (klein) wenig anders zu klingen. Statt stumpf auf Terror zu schalten wurde mit witzigen Texten und morbiden Sounds eher eine 50er Gruselfilm Stimmung erzeugt.

Aber da ich hiermit meine "Enttäuschung 2011" in Sachen Musik vorstelle ist es der Band wohl nicht gelungen, an alte Taten anzuknüpfen. Mitnichten. Denn hinter dem wirklich tollen Einband versteckt sich ein Album, das wohl als Universaldefinition für "Uninspirierter Standartelektro, wie er trauriger nicht sein könnte" herhalten kann. Oh mein God Module, was ist denn nur geschehen? Das fängt damit an, dass nicht ein Song irgendwie aufhorchen lässt. Die ganze morbide und augenzwinkernd gruselige Stimmung wird plump niederge'bass't. Würd' ichs net wissen, ich wäre mir sicher, dass ich da ein neues Neon-Outfit-is-wichtiger-als-Inhalt Projekt anhöre, die das letzte Album von Suicide Commando kopieren wollen. Charm? Fehlanzeige. God Module typische Musik? Nicht im Mindesten. Dann ist da der gelunge Frauengesang auf den Vorgängeralben, der .... leider nur noch ganz selten eingesetzt wird. Das Geisterfauchen von Bandkopf Jasyn Bangert wird auch viel zu oft durch plumpen (Gast)gesang oder andere Soundeinstellungen ersetzt. Ja gut, Abwechslung, ich weiß... aber in Verbindung zur Abkehr vom typischen Sound haben wir es nicht mehr mit God Module sondern mit einer langweiligen Elektroband zu tun, die sich in einer God Module Verpackung verschanzt hat. Größte Stimmungskiller? "Plasic" setzt neue Maßstäbe in Sachen Gesichtslosigkeit, "Doppelgänger" zeigt, dass man eine morbid-nette Melodie in einen langweiligen Track verwandeln kann und schließlich ist "M.D.K." textlich wohl stumpfsinniger als Herrn Krauses "10 nackte Friseusen". Respekt.

Der geneigte Hörer wird mir sicherlich unrecht geben. "So schlimm isses doch nicht" und "Klingt doch schon noch wie früher" bzw. "Naja, sie haben auch schon auf der Viscera mit viel Bass gearbeitet". Das stimmt auch alles. Aber jegliche Liebenswürdigkeit ist abhanden gekommen und das ist wie ein Schlag ins Gesicht. Und auf der Viscera haben die Dame und Herren wenigstens gut ge'bass't und konnten so mitreißen. Aber Seance ist einfach nur traurig und spielt qualitativ in einer ähnlichen Liga wie der letzte Wumpsschrott "Schrekk und Graus" - wobei bei der Scheibe ja schon fast klar war, dass sie mies wird. Ich werde weitere Produkte der Amerikaner wohl von nun an mit der Kneifzange vorsichtig anheben und von allen Seiten beäugen, bevor ich den Geldbeutel zücke. Hört rein, wenn ihr wollt – ich nutze die CD als Stütze fürs CD Regal, denn das kippelt etwas.

Facts:

Label:
Out Of Line

Mediatype:
CD

Genre:
Electronic / Industrial / Noise

Review-Datum:
16.10.2011

VÖ-Datum:
16.09.2011

Leserwertungen:
4

Bewertung:
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Autor:
Horrschd

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Horrschd hat bereits 644 Reviews für den Medienkonverter verfasst und die Durschnittsbewertung beträgt 3,5 Sterne.Das Fazit von Horrschd zu diesem Review lautet: Es geht abwärts mit God Module 2011-10-16 4 1,7

Tracklist:

01. Ouija
02. Devil's Night
03. Plastic
04. Doppelgänger
05. M.d.k.
06. Extinct
07. Rituals
08. Into The Outside
09. Video
10. Remember
11. Fake Fame
12. Afraid Of The Light

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