Get Well Soon Vexations

Florian Gropper ist wieder da, wobei er eigentlich nie weg war in den letzten zwei Jahren, die ziemlich genau zwischen der Veröffentlichung seines Debüts und dem neuen Album ‚Vexations’ liegen. So nutze er die Zeit, die vielen Anfragen für Filmprojekte - unter anderem von Wim Wenders - zu bedienen und spendierte seinem eigenen neuen Werk nur vergleichsweise wenig Zeit.

Wäre dieser Fakt nicht bekannt, man würde das Gegenteil glauben! ‚Vexations’ ist um vieles runder aber auch bedeutend organischer als das Erstlingswerk. Echte Streicher, echte Bläser und die Verwendung von Xylophon und Marimbaphon erschaffen etwas Erhabenes. Oppulent ausgestattete Passagen bieten sich einfach an auch live in großen Häusern mit Orchesterunterstützung aufgeführt zu werden. Trotz alledem verliert Gropper nicht die Leichtigkeit und den Unterhaltungswert für die er auch steht. Kein bisschen verkopft klingen die Songs, im Gegenteil, ‚We Are Free’ bspw. überrascht mit Easy-Listening Background Allüren und weicht somit jeden Ansatz von Strenge auf. ‚Vexations’ ist ein Konzeptwerk geworden, und so ist es auch musikalsch aufgebaut: Gesprochenes Intro vor Natur-Ambiente, eine sphärisch schwebende Interlude und Glockengeläut zum Ausklang im mitreißend traurigen ‚We are the Roman Empire’. Dazwischen Zerbrechliches, Symphonisches und kleine durch steigende Dynamik nie langweilig werdende musikalisch autarke Universen. Gesanglich bewegt sich Get Well Soon 2010 weniger wie noch 2008 bei Radiohead und Konsorten sondern steuert selbstbewusst in die Walhalla der abgeklärten Geschichtenerzähler und Crooner zwischen Cave und Cohen ohne dabei tragische Pop-Titanen wie Damon Albarn oder Jarvis Cocker aus den Augen zu lassen. Noch immer ist ein osteuropäischer Einschlag bei den Bläser-Arrangements zu hören, der die Stimmung der Songs hervorragend ergänzt.

Die Hoffnung vor zwei Jahren, dass Gropper nicht nur ein Glückstreffer gelungen war, der die internationale Presse nur kurzzeitig in Verzückung versetzen konnte, wird mit ‚Vexations’ erfüllt. Intensive, diesmal von der Elektronik weitab verortete Songs für Herz, Kopf vor allem aber für dieses wohlig-warme Gefühl in der Bauchgegend, strahlen das angenehme Selbstbewusstsein eines jungen Künstlers aus, der bereits zur Riege der großen Komponisten seines Genres gezählt werden kann!

Die limitierte Version des Albums bietet zusätzlich ein Buchformat mit Notizen zur Produktion sowie eine zweite CD ‚Music For/From Films’, die unter anderem die beiden Titel des Wenders Film ‚Palermo Shooting’ neben sechs weiteren Tracks enthält.

Facts:

Label:
City Slang

Mediatype:
CD

Genre:
Pop / Wave / Minimal

Review-Datum:
23.01.2010

VÖ-Datum:
22.01.2010

Leserwertungen:
2

Bewertung:
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Autor:
Ralf

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Ralf hat bereits 797 Reviews für den Medienkonverter verfasst und die Durschnittsbewertung beträgt 4,5 Sterne. 2010-01-23 2 4,2

Tracklist:

01. Nausea
02. Seneca's Silence
03. We Are Free
04. Red Nose Day
05. 5 Steps / 7 Swords
06. We Are Still...
07. A Voice In The Louvre
08. Werner Herzog Gets Shot
09. That Love
10. Aureate!
11. We Are Ghosts
12. A Burial At Sea
13. Angry Young Man
14. We Are The Roman Empire

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