Finnr's Cane Elegy

Nach fünfjähriger Abstinenz können Freunde weniger schwerer, als vielmehr schwermütiger Kost sich auf neues Material von Finnr's Cane freuen. Der Name der Band ist einigen sicherlich schon untergekommen, ihre Musik jedoch verhindert Begeisterungswellen in den breiten Massen – nicht, weil den drei Herren spielerische oder musikalische Kompetenz abgeht, nein, vielmehr ist ihre Spielart deutlich auf Ambient fokussiert, der durch begleitende Riffwände und Screams wie Metal erscheint. Und der Name des neuen Albums verspricht nicht unbedingt eine kompositorische Neuausrichtung.

Vielleicht weniger klagend als mehr sehnsüchtig erscheint die Elegie auf dem dritten Album der kanadischen Finnr's Cane. Hatte ich bereits auf den Vorgängeralben das Gefühl, dass man düsterer klingen will, als man es tut, so empfinde ich 'Elegy' erneut viel zu entspannt und verträumt um wirklich tragisch zu wirken. Haarspalterei, was hört man überhaupt und weiß 'Elegy' mehr zu gefallen als die Vorgänger? Irgendwo zwischen Ambient und Ambient Black Metal mit zahlreichen Folk-Parts treiben die meist eher langsamen Stücke dahin. Fast durchgehend von E-gitarren begleitet wird eine Härte suggeriert, die nur selten wirklich geliefert wird. Fast wie mit angezogener Handbremse deuten Finnr's Cane oft an, dass sie jederzeit loslegen könnten, um dann doch wieder in monotone Traumwelten abzugleiten. Am deutlichsten wird dies bei “Empty cities”, dass als Folkperle mit Akustikgitarren und Flöten beginnt, dann wie schon oft gehört einen dramatischen Wechseln erlebt, indem E-Gitarren, härteres Drumming und Screams einsetzen um dann, wenn andere Bands ihre Songs erst richtig beginnen lassen, quasi auszu-faden (oder zumindest nicht wirklich etwas folgen zu lassen). Als Hörer bin ich erst einmal vor den Kopf gestoßen, mir stellt sich schnell die Frage: Warum musizieren die Herren? Was ist ihr Ziel? Ein wenig A Forest of stars ohne die Dramatik, etwas Agalloch ohne die Härte oder konsequente Folkausrichtung und an einigen Stellen z.B. bei “A sky of violet and pearl” recht viel Drudkh – jedoch jederzeit mehr um den Effekt, bzw. die Stimmung bemüht als um wirkliche Melodiereigen.

Ich kann mich mit 'Elegy' wohl anfreunden, eine heiße Liebe kann jedoch auch aus diesem Werk nicht entstehen. Weder gibt es melodisch wirklich Mitreißendes auf die Ohren um von Ohrwürmern sprechen zu können, noch gelingt es Finnr's Cane die einzelnen Elemente ihrer Musik so zusammenzuführen, dass eine hypnotische Stimmung konsequent aufrecht gehalten wird. Ein schönes Album, sicherlich und auch eine deutliche Entwicklung, aber dennoch krankt die Musik der Kanadier auch im zehnten Jahr ihres Bestehens daran, dass ihre Alben wenig innehalten, dass sich in der Flut der Veröffentlichungen wirklich abzusetzen weiß.

Facts:

Label:
Prophecy Productions

Mediatype:
CD

Genre:
Rock / Metal / Punk

Review-Datum:
17.07.2018

VÖ-Datum:
20.07.2018

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Autor:
Horrschd

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Horrschd hat bereits 644 Reviews für den Medienkonverter verfasst und die Durschnittsbewertung beträgt 3,5 Sterne.Das Fazit von Horrschd zu diesem Review lautet: Ein deutlicher Schritt nach vorne, aber weiterhin fehlt das gewisse Etwas 2018-07-17 0 2,5

Tracklist:

01. Willow
02. Elegy
03. Strange Sun
04. Empty City
05. Earthsong
06. Lacuna
07. A Sky Of Violet And Pearl

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