Faun Eden

Über Jahre hinweg haben Faun mit ihren Alben und mit unzähligen Auftritten auf Mittelalter-, Fantasy-und anderen Festivals eine riesige Fangemeinde geschaffen. Der von Bandkopf Oliver s. Tyr unters begeisterte Volk gebrachte Begriff Pagan Folk steht für einen Stil, der fern des Neo Folk oder der klassischen Spielweise nicht ganz authentisch vor allem auf eine Stimmung und Wirkung abzielt, die zum tanzen und träumen einladen soll. Und wenn ich an die diversen Festivalauftritte zurückdenke, bei denen ich Faun in der Vergangenheit erlebt habe, so entfaltete sich genau diese Wirkung in den Reihen der Fans.

Doch kann ich die Begeisterung für die Münchner Band nicht so wie die Mehrheit auch auf die Alben übertragen. Denn lebt die Show vom Zusammenspiel einer enthusiastischen Band und einer Hörerschaft, die zusammengekommen ist um sich in eine ferne, weit zurückliegende und stark idealisierte Welt zu träumen, so muss die Musik auf den Alben für sich alleine stehen. Die ersten 3 Alben hatte ich noch miterlebt, schließlich aber nach "Totem" aufgegeben. Fast 5 Jahre später gehe ich mit hochgezogener Augenbraue an das neue Opus "Eden" heran. Und ... oh ja, Faun spielen und programmieren auf einem erstaunlich hohem Level, die Aufnahme ist professionell – da hat man sich mächtig Mühe gegeben. Den Käufer erwarten 70 Minuten Musik und 70 Seiten ausführlicher Booklet-Begleit-Literatur (die mir leider nicht zur Verfügung stand). Und ich bin mir sicher, dass Freunde von Faun mich für die kommenden Zeilen verdammen werden. Deswegen vorweg: Kauft das Album und genießt, denn es ist sicherlich all das, was Pagan Folk ausmacht.

70 lange Minuten dauert die Reise durch den Garten "Eden". 70 Minuten voller Engelsgesang und sanften männlchen Beiträgen. 70 Minuten und gewiß beinah genauso viele Spuren, die zu einem opulenten Sound beitragen. 70 Minuten voller Texte in allerlei Sprachen (bei denen die deutschen und englischen am schlechtesten abschneiden, da man hier Betonung und Lyrik durchschnaut, die so gar nicht zum perfekten Sound passen wollen). "Eden" will wie so viele andere andere Alben aus dem Genre in erster Linie schön sein. Man achtet nicht auf Stiltreue oder Inhaltliche Richtigkeit, man will verzaubern. Man geht über Grenzen, vereint die meist dominierenden Sound der Highlands mit orientalischen Parts, dezentem Synthie-Basseinsatz und klassischen und poppigen Versatzstücken. Der Lack des Gesamtpaketes ist entscheident, Dank der Opulenz der vielen Spuren fallen kleine Unstimmigkeiten nicht auf. Auch wenn Faun inzwischen instrumetal viele andere Bands in den Schatten stellen ist "Eden" letztendlich eine riesige, hübsch anzusehende und zu sehr in die Länge gezogene Zuckerstange. Alles ist so lieb, alles stimmt einen froh. Ein Best-of Celtic Sounds, das zu jeder Reisereportage oder als Hintergrundmusik in entsprechenden Restaurants toll passt und nicht zu sehr vom eigentlichen Inhalt ablenkt.

Um wirklich selbstständig eine Daseinsberechtigung genießen zu können brauch Musik aber mehr. Und auf "Eden" wird jeder noch so kleine Ausbrecher aus dem Melodie- und Instrumentierungsstandartprogramm durch die Masse an Spuren komplett fortgespült. Die immergleichen Schemen, die immergleiche Atmosphäre – keines der Lieder bricht aus dem Reigen aus, alles klingt gleich: schön, fröhlich, verträumt, .... Somit hat der Käufer mehr einen Soundtrack für Rollenspielabende oder um sich beim Nähen der Kostüme auf ein Festival einzustimmen. Ein musikalisch ernstzunehmendes Album ist "Eden" aber nicht.

Was bleibt also am Ende: Ich habe mit "Eden" eine Band wiedergefunden, die sich zweifelsfrei in den Jahren enorm entwickelt haben. Sicherlich werden die 70 Minuten für Fans wie im Fluge vergehen. Ich bin aber kein Fan, ich brauche nach dem Konsum eher Insulin weil ich viel zu viel süßen Kleister erleben durfte. Auf Festivals werde ich mir die Band auf jeden Fall wieder anschauen und die schöne und ausgelassene Stimmung im Publikum genießen. Doch trotz all der Mühe und des Herzblutes, die in der Produktion des Albums stecken – ich rate zu einem eingehenden Hördurchlauf, bevor man Geld investiert. Denn was ihr in den ersten 2 Minuten hört, werdet ihr auch in den folgenden 68 bekommen.

Facts:

Label:
Alive

Mediatype:
CD

Genre:
Ambient / Classical / Folk

Review-Datum:
17.09.2011

VÖ-Datum:
24.06.2011

Leserwertungen:
2

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Autor:
Horrschd

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Horrschd hat bereits 622 Reviews für den Medienkonverter verfasst und die Durschnittsbewertung beträgt 3,5 Sterne.Das Fazit von Horrschd zu diesem Review lautet: Wunderschön, kitschig, opulent, kantenlos, verträumt, langatmig... 2011-09-17 2 2,5

Tracklist:

01. Lvpercalia
02. Zeitgeist
03. Iduna
04. The Butterfly
05. Adam Lay Ybounden
06. Hymn To Pan
07. Pearl
08. Oyneng Yar
09. Polska Fran Anderson
10. Alba
11. Ynis Avalach
12. Arcadia
13. The Market Song
14. Golden Apples

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