Evo-lution Changing Memories

Freunde des tanzbaren Synthpops dürfen jetzt schleunigst die Hand von der linken Maustaste nehmen und die folgenden Sekunden nutzen, einen echten Geheimtipp der wie auch immer definierten „Szene“ kennenzulernen. Die Band „Evo-lution“, bestehend aus Frank Hammermüller und Klaus Schwarz, produziert eingängige, melodiöse, rein elektronische Songs mit klaren Beats und einem guten Schuss Melancholie. Soweit die Kurzzusammenfassung der wesentlichen musikalischen Merkmale, die jedoch – dies sei an dieser Stelle zugestanden – auf so ziemlich jede bessere Synthiekombo zutreffen. Doch die noch junge Band aus Nordhessen bietet neben den Grundvoraussetzungen für das Erschließen breiterer Fankreise weitaus mehr. Zum Einen wechseln sich Klaus und Frank am Mikro ab und bringen dabei ihre jeweils eigenen Stärken zum Tragen. Denn während Klaus druckvoller intoniert und dank der immanenten Tendenz zum Stakkatogesang für die Lieder mit EBM-Anleihen (wie bspw. „Im Himmel“) die Idealbesetzung ist, kommt Franks weichere, charakterstarke Stimme den zurückhaltenden Synthpopnummern wie „Träume“ zugute. Zum Anderen bietet das Debütalbum dank deutscher und englischer Texte sowie einem mutigen Stilmix, in dem bei „Terminator“ EBM und Industrial mit dem S.P.O.C.K.-schen Space-Pop verschmelzen, genug Anknüpfungspunkte, um dem in Eigenregie produziert und vertriebenen knapp 40-minütigen Erstling mehr als nur einen Durchlauf zu gönnen.

Damit der Leser vor Bestellung des Albums aber keinen virtuellen Luftschlössern hinterher sinniert und die große Innovationsoffensive erwartet, muss natürlich auch bei dieser Veröffentlichung auf die Grenzen der Euphorie verwiesen werden. Wer seit Depeche Mode jede Band aus diesem Sektor mit den Genrekönigen vergleicht und anschließend enttäuscht, teilweise gar persönlich beleidigt, auf die „mangelnde Weiterentwicklung“ verweist, wird hier neues Futter bekommen und sollte just JETZT diese Rezension verlassen. „Evo-lution“ tischen ein klassisches synthetisches Electromenü auf, welches ganz und gar nicht nicht nervt und mir allemal lieber ist als unter dem Vorwand besonderer Coolness eingestreute Gitarren, die in der Regel nichts weiter machen, als den Sound zumindest in Teilen zu zerstören. Nein, hier wird rein elektronisch hantiert und das mit einer – in diesem Falle positiv konnotierten – Naivität, die es dann auch erlaubt, mal ganz entspannt ein paar bekannte Sounds in neue Gewänder zu packen und daraus unaufgeregte Songs zum zwanglosen Mitträllern („Stuck On Love“) zu produzieren. Einzige Kritik sind in diesem Zusammenhang die leichten Schwächen im Englischen, bzw. die zu stark auf Reim getrimmten Texte, die allerdings trotz dieses Mankos ausdrucksstark sind und vom üblichen „Bla bla“ abweichen.

Bei mir hat das Album den „Test of time“ bestanden und langweilt auch nach einigen Wochen nicht. Wer dies persönlich auf der heimischen Anlage ebenfalls testen möchte, kann die CD für äußerst faire 7 € (inklusive Porto!!!) direkt bei der Band ordern. evolution.music@gmx.de ist die Adresse für alle Synthpop-Fans, die ihre CD-Sammlung um ein wirklich hörenswertes Debüt erweitern sollten.

Facts:

Label:
Eigenvertrieb

Mediatype:
CD

Genre:
Pop / Wave / Minimal

Review-Datum:
05.03.2012

VÖ-Datum:
01.04.2011

Leserwertungen:
7

Bewertung:
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Autor:
Daniel V.

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Daniel V. hat bereits 106 Reviews für den Medienkonverter verfasst und die Durschnittsbewertung beträgt 4,5 Sterne.Das Fazit von Daniel V. zu diesem Review lautet: Nordhessischer Synthpop für die Tanzfläche 2012-03-05 7 3,3

Tracklist:

01. The Beginning
02. Lies
03. Im Himmel
04. Society Of Today
05. Träume
06. Terminator
07. Unendlichkeit
08. Absolving Me
09. Für Dich Und Mich
10. Black Day
11. Stuck On Love

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