Edge Of Dawn Borderline Black Heart

Vor etwa einem halben Jahr rückten "Edge Of Dawn" mit einem Album heraus, dass es in sich hatte. "Enjoy The Fall" hieß das gute Stück und auf diesem Album wurde nicht nur musikalisch Hochwertiges geboten, auch inhaltlich ging es zu 100% in die Tiefe. Es drehte sich alles um das Thema Borderline. Diese Thematik wurde aber nicht einfach aus der Luft gegriffen, sondern die Musik war hier in Auseinandersetzung mit eigenen Erlebnissen Ventil und Ausdrucksform für den Künstler, welches im Ergebnis dann auch überzeugender nicht sein konnte. Nicht ohne Grund waren "Edge Of Dawn" Dauergast in den DAC und GEWC Charts. Für mich war und ist "Enjoy The Fall" ebenfalls ein kleines Gesamtkunstwerk, welches aus der Masse echt hervorsticht. Nun gibt es Nachschlag in Form einer EP. "Borderline Black Heart" lautet der Titel und es ist nicht schwer zu erkennen, dass es sich um eine Art Weiterführung des Albums handelt. Was erwartet uns also auf dieser EP? Drei Stücke des vorangegangenen Albums, nämlich "Black Heart", "Descent" und "The Nightmare I am", wurden in die Hände einiger Musikerkollegen gegeben. Diese haben den Stücken ein gehöriges Lifting verpasst und sie werden hier in neuem Gewand präsentiert. Dann gibt es auch drei neue Werke zu hören, die einen Vorgeschmack auf ein nächstes Album geben.

Beginnen wir mit dem Song "Black Heart". Dieses Stück begegnet uns auf dieser EP mehrfach. Einmal nahm sich Olaf Wollschläger dieses Songs an und trimmte ihn clubtauglich. Das Ergebnis wirkt rund und gelungen und dürfte auf der einen oder anderen Playlist seinen Platz finden. Wer also bislang diesen Song nur daheim konsumierte um sich ggf. mit eigenen Borderlineanteilen auseinanderzusetzten, darf dies demnächst auch tanzend im Club tun. In der Coeur Triste Version von "Black Heart" hat der Ex-KMFDM Sänger En Esch Hand angelegt. Ambientiges Geblubber mit soulig, experimentellem Touch trifft auf aggressiven, drückenden Gesang des Herrn Spinath. Auch nach mehrmaligem Hören wirkt das Ergebnis auf mich irgendwie beunruhigend. Die chillige Dramatik will sich so gar nicht in meinen Synapsen festsetzen und wirkt ein wenig fremd. Es ist definitiv eine völlig neue Interpretation des Songs, das Original schaut nur noch ab und zu durch. Und genau dies scheint beabsichtigt zu sein, denn auch "Descent" schlägt eine ganz neue Richtung ein. Im Original ist es ein melancholisch, schwerer Song. In der Fractured Version wurde dem Song durch den Wechsel von lieblichen Klaviermelodien mit einem tiefen basslastigen Sound etwas von dieser Schwere genommen. Die Dramatik und Eindringlichkeit des Songs bleibt dadurch aber wunderbar erhalten. Es scheint fast so, also wäre Rob Ds Nummer "Clubbed To Death" hier musikalisches Vorbild gewesen. Letztlich wirkt das Ergebnis wirkt aber eigenständig und absolut gelungen. "The Nightmare I Am" kommt in der Stromkern Variante recht trancig daher. Das Original ist hier vergleichsweise noch stark herauszuhören.

Die erste Gänsehaut bekam ich dann bei "Second Split", einem neuen Stück. Im Vergleich zu den älteren Werken ist dieser Song poppiger und harmonisch-eingängiger. Die melancholische Tiefe, welche durch den Text und auch durch dunkle Melodien erreicht wird, macht aus diesem Stück aber keine leichte Popballade, sondern eine Nummer, die emotional berührt und unter die Haut geht. "Edge Of Dawn" haben dafür scheinbar riesiges Talent. Das Pendant "Split Second" treibt durch eine düstere, aber eingängig-fließende Melodie, gepaart mit reichlich Bass und dunklen-druckvollen Vocals, absolut voran. Die Stimme ist verzerrt, kommt aber nicht aggressiv rüber. Für beide Stücke gehen meine beiden Daumen ganz weit hoch!! Dann wären wir auch schon beim letzten neue Stück angekommen. "Kiss or Kill" ist der Titel und für diesen Song wurde sich weibliche Verstärkung dazu geholt. Zusammen mit Charlene April ist ein liebliches Stückchen Pop entstanden, welches sich fast schon an der Grenze zum Kitschigen bewegt, wenn da nicht auch wieder ein wenig Dramatik und Schwere um die Ecke schauen würde, was die ganze Sache durchaus zu einem schönen Song macht.

Die drei neuen Stücke machen Lust auf mehr! Definitiv! Obwohl die Stücke wesentlich lieblicher sind als die Mehrzahl der bereits bekannten Songs, sind sie für meinen Geschmack absolut eindringlich und auf jeden Fall mit einer großen Portion Gänsehautfaktor ausgestattet. Ob eine neue Platte qualitativ an diese hohe Messlatte von "Enjoy the Fall" herankommen kann, wird sich zeigen. Es lässt aber schon jetzt vermuten, dass "Edge Of Dawn" noch eine ganze Weile ganz weit vorn mitspielen werden. Dann war es zwar interessant zu hören, wie die Stücke "Black Heart", "Descent" und "The Nightmare I Am" durch andere Musiker neu interpretiert wurden. Die Ergebnisse waren auch durch die Bank qualitativ sehr hochwertig. Vom Hocker haben sie mich allerdings nicht zu 100% gerissen, vielleicht weil ich einfach vom echten "Edge Of Dawn" nicht genug bekommen kann: Also Jungs, beeilt euch bitte mit einem neuen Album!!! Insgesamt ist diese EP aber für Fans eine lohnende Bereicherung fürs CD-Regal!

Facts:

Label:
Dependent

Mediatype:
EP

Genre:
Electronic / Industrial / Noise

Review-Datum:
28.09.2007

VÖ-Datum:
28.09.2007

Leserwertungen:
10

Bewertung:
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Autor:
Kerstin

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Kerstin hat bereits 8 Reviews für den Medienkonverter verfasst und die Durschnittsbewertung beträgt 4,5 Sterne. 2007-09-28 10 4,2

Tracklist:

01. Black Heart (alpha)
02. Split Second (undertow)
03. Descent (fractured Remix)
04. Second Split (the Party Girl)
05. Black Heart (coeur Triste)
06. Kiss Or Kill (feat. Charlene April)
07. The Nightmare I Am (stromkern Remix)
08. Black Heart (beta)

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