Deadcibel Klondike

German Bass Machine Electro prangt auf der Startseite von [de:ad:cibel]. Auf ihrem offiziellen Debüt „Klondike“ wollen die beiden Protagonisten, wie so viele andere Musiker auch, Ihre Einflüsse aus den Neunzigern mit dem verbinden, was ihnen am heutigen Industrial gefällt. Und das ist in erster Linie ein fetter Bass. Die Herren Galda und Küster sind schon lange im Geschäft. Daniel Galda als Drummer bei Kalte Farben („Gotcha“), Armin Küster als Produzent unter anderem für Carlos Peron. Und beide waren bei Skorbut involviert.

Und „Klondike“ setzt da an, wo Skorbut zuletzt unterwegs war. Nicht nur weil auf dem letzten Skorbut Album „Firewall“ ein Track namens „De(Ad)Cibel“ zu finden ist, sondern insbesondere da „Jerusalem Syndrom“ in die gleiche Kerbe haut wie zum Beispiel der meiner Meinung nach beste Skorbut-Track „Hypostase“ aus dem Jahr 2005. Hier fällt die Musik unter das Banner EBM und geht gut nach vorne. Die gleichen Zutaten findet man auch bei „Selektionsfunktion“, allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau. Eher „kanadisch“ kommen Songs wie „One Of 47“, “Heteronomy”, “Human Project” oder „Nobody Hurts Me Like I Do“ daher. Oder präziser, hier klingen die beiden Herren wie andere deutsche Bands, die sich diesem Sound verschrieben haben und leicht verfremdeten Gesang einsetzten. Etwa Liquid Divine oder Individual Totem. Für mich der stärkste Part der CD. Gute Songs, da sehr atmosphärisch, denen nur der letzte Kick fehlt, um es aus dem heimischen CD-Playern in die Clubs zu schaffen. Gut gefällt mir auch „Too Tired To Consume“ mit dem zwischen Apathie und Verzweiflung pendelnden Gesang (Das „Oh nö“ ist sehr nett). Weniger glücklich machen mich die Stellen auf „Klondike“, in denen dem aktuellen Club-Industrial gefrönt wird oder der Bass alles plattwalzt. Bei „Between My Headphones“ wird es schon kritisch, bei „Monster Train“ geht es in die Hose. Dann geht jede musikalische Abgrenzung verloren.

Wer den Electro der Neunziger nicht aus den Knochen kriegt und mit Skorbut (der Band natürlich) etwas anfangen kann, sollte [de:ad:cibel] unbedingt eine Chance geben. Wer Skorbut nicht mochte und auf der Suche nach etwas völlig Neuem ist, wird hier nicht glücklich werden. Bei der Bewertung war ich lange unentschlossen. Die besten fünf Songs verdienen gute fünf Punkte, die schlechtesten drei was auf die Finger. Dass in Summe aber acht Tracks überdurchschnittlich gut sind und hängen bleiben, führt zu einer klaren Kaufempfehlung.

Facts:

Label:
Echozone

Mediatype:
CD

Genre:
Electronic / Industrial / Noise

Review-Datum:
07.11.2010

VÖ-Datum:
01.10.2010

Leserwertungen:
4

Bewertung:
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Autor:
Minne

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Minne hat bereits 153 Reviews für den Medienkonverter verfasst und die Durschnittsbewertung beträgt 4 Sterne.Das Fazit von Minne zu diesem Review lautet: Bekannte Zutaten. Aber der Großteil der aktuellen VÖs wird in die Tasche gesteckt. 2010-11-07 4 4,2

Tracklist:

01. Hotel Lux
02. Jerusalem Syndrom
03. One Of 47
04. Selektionsfunktion
05. B.i.i.d.
06. Nobody Hurts Me Like I Do
07. Too Tired To Consume
08. Architecture
09. Between My Headphones
10. Heteronomy
11. Monster Train
12. Geteert Und Gefedert
13. Human Product

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