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19.04.2013
In Concert
Überzeugendes Live-Dokument mit sattem Klang und fast allen Lieder der Setlist

Dead Can Dance Anastasis

Als Dead Can Dance 2005 auf Tour gingen, gab es sicherlich viele, die ob dieser, wenn auch zeitlich begrenzten, Reunion in schiere Euphorie verfielen. Lagen doch das letzte Dead-Can-Dance-Album "Spiritchaser" und die damit einhergehende Welttournee bereits neun Jahre zurück. Da Lisa Gerrard und Brendan Perry auf der 2005er-Tour auch neue Songs präsentierten, machten sofort Gerüchte von einem neuen Album die Runde. Doch dazu kam es nicht. Schlimmer noch, die Gerüchte wurden von Lisa Gerrard sogar dementiert. Insgeheim sprach das Duo aber bereits über die Realisierung eines neuen Albums, jedoch verging eine geraume Zeit, bis sich Lisa Gerrard und Brendan Perry im Oktober 2011 für die Aufnahmen in den Quivvy Church Studios trafen.

Seit der Gründung von Dead Can Dance 1981 in Melbourne als Künstlerkollektiv, das sich später zum Duo mit verschiedenen Gastmusikern wandelte (weil Lisa Gerrard die einzige Musikerin war, die Brendan Perrys Ansprüchen gerecht werden konnte), hat die Musik dieser außergewöhnlichen Formation nicht nur viele Transformationen erlebt, sondern wurde auch durch weitreichende, kulturelle Einflüsse geprägt und hat mit jedem Album eine immer größere Hörerschaft erreicht. Die Ankündigung eines neuen Albums nach 16(!) Jahren ließ die Erwartungen dementsprechend ins Unermessliche steigen. Da eine Reunion in dieser langen Zeit undenkbar schien, wurde das neue Album nicht umsonst mit dem griechischen Wort für Wiedergeburt, "Anastasis", betitelt. Die verdorrten Sonnenblumen auf dem Cover sollen diese Wiedergeburt symbolisieren, erblühen sie doch jedes Jahr aufs Neue.

Der griechische Titel steht aber auch sinnbildlich für die griechischen, türkischen und nordafrikanischen Einflüsse, welche die Musik des Albums hörbar geformt haben. Trotz der langen Pause ist es ein charakteristisches Dead Can Dance Album geworden. Ein sehr ruhiges zwar, aber eines, auf dem sich die Musiker der Musik hingeben und auf dem wieder ein besonderes Augenmerk auf die Instrumentierung gelegt wurde. So kommen Hang (Mischung aus westindischer Steel Drum und Gamelan-Gong) und Daf (persische Rahmentrommel) zum Einsatz, aber auch chinesisches Hackbrett, Akustikgitarre und Keybords für die orchestrale Untermalung mit Streichern und Bläsern.

"Anastasis" wird von Brendan Perry mit "Children Of The Sun" eröffnet, das ein wenig an die "Toward The Within"-Zeit erinnert, auch wenn es alte und neue Elemente wie Hackbrett und Schlagzeug, das dezent den Rhythmus vorgibt, verbindet. In "Anabasis" ist das bereits angesprochene Hang zu hören und Lisa Gerrard singt melancholisch in ihrer bekannten Phantasie- bzw. Ausdruckssprache. Den erwähnten türkischen Einfluss hört man vor allem in "Agape" heraus, weil er durch die orientalisch klingenden Streicher und Lisas Gesang besonders hervorgehoben wird. Das bereits im Vorfeld des Albums kostenlos veröffentlichte "Amnesia" sticht insofern etwas heraus, weil es ein für Dead-Can-Dance -Verhältnisse fast gewöhnlicher Song ist. Dafür sind wir mit "Kiko" mitten im Orient und Lisa Gerrard überzeugt einmal mehr mit ihrer außergewöhnlichen Stimme. Imposant ist auch das Gitarrenspiel am Ende des Songs. Im folgenden "Opium" glänzen die Musiker mit einem ausgefeilten Perkussion-Set in marokkanischem Sufi 6/8 Rhythmus und einem grandios singenden Brendan Perry. Der Song ist eines der Highlights des Albums. Das zur Abwechslung mal keltisch klingende "Return Of The She-King", eine wunderschönen Ballade mit Posaunen und Trommelwirbeln, lebt von Lisa Gerrards sakralem Gesang, der später von Brendan Perry ergänzt wird. Zum Abschluss entlässt "All In Good Time" den Hörer sanft, melancholisch und hoffnungsvoll.

Nach dem ersten Durchlauf von "Anastasis" hält sich die Begeisterung noch in Grenzen, da die Songs doch sehr beschaulich klingen, Dead Can Dance ihre Musik regelrecht zelebrieren und die Spielzeit dementsprechend ausufern lassen. Aber die Begeisterung stellt sich sehr schnell ein und bei all denjenigen, die Dead Can Dance im Herbst auf der schnell ausverkauften Tour live erleben werden, dürfte diese Begeisterung dann noch einmal neu entfacht werden, zumal neben dem gesamten Album "Anastasis" dort auch erstmalig "The Host Of Seraphim" live präsentiert werden soll. Und natürlich machen jetzt schon erste Gerüchte von einem weiteren Album die Runde. Bleibt zu hoffen, dass sie auch diesmal stimmen…

Facts:

Label:
PIAS

Mediatype:
CD-Album

Genre:
Gothic / Medieval / Darkwave

Review-Datum:
30.08.2012

VÖ-Datum:
10.08.2012

Leserwertungen:
17

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Autor:
Veit

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Veit hat bereits 945 Reviews für den Medienkonverter verfasst und die Durschnittsbewertung beträgt 4,5 Sterne.Das Fazit von Veit zu diesem Review lautet: Grandioses Comeback eines grandiosen Duos 2012-08-30 17 4,2

Tracklist:

01. Children Of The Sun
02. Anabasis
03. Agape
04. Amnesia
05. Kiko
06. Opium
07. Return Of The She-king
08. All In Good Time

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