Cryo Hidden Aggression

Cryo ist die neue Macht im Bereich der dunkel angehauchten, trotzdem tanzbaren und vielseitigen Elektronik. Macht man einen Fehler, wenn man das schon im 1. Satz schreibt und es nicht etwas spannender macht im Verlauf des Textes ? In diesem Falle bin ich nicht der Meinung, warum um den heissen Brei herumreden ? Damit könnte man den Bericht hier auch abrechen 5 oder 5.5 Punkte geben - fertig. Aber der Leser will ja doch ein paar mehr Infos haben vermute ich ?

Cryo - 1 Mann Projekt aus Schweden - hat bisher 1 Album und 1 EP dem Volke zum Fraß vorgeworfen. Diese wurden willig verschlungen. Auch von den MK Redakteuren (siehe die beiden älteren Reviews). Ob das "gemeine" Volk (wozu wir als Elite natürlich nicht gehören wollen, nein, nein, nein :D) dieses auch so sah, ist nicht bekannt. Waren beim Volke doch eher Mädchen in Uniformen, junge Herren in Gasmasken oder willig dreinblickende Damen in bunter Unterwäsche (nicht mal mehr schwarz?) gefragt. Sicher kann ich letzten Punkt nachvollziehen, besonders wo es nun Frühling wird. Aber dieses Thema soll dem Leser doch erspart werden, so dass er nicht direkt seinen Browser entsetzt schließt und vom PC (und damit unserer tollen Seite) flüchtet. Das wollen wir nicht, nein, kommen stattdessen wieder darauf, worum es doch gehen sollte: Um die Musik, denn Herr Cryo hat keine Gasmasken, Messer, Pistolen, Kunstblut oder junge Damen um auf sich aufmerksam zu machen. Er hat nur Noten, Töne und seine Stimme.

Waren die beiden vorhergehenden Platten schon stark, wird hier nocheinmal eins draufgesetzt vom Intro "Waves Of Sin" bis "Forgotten" keine großartige Schwäche zu finden. Überall allerdings findet man Referenzen an andere bekannte Bands, "I Tune In" ist schwer covenantesk und lässt einen erstmal an "Bullet" denken, aber auch an die schlagkräftigeren Sachen von Depeche Mode. Schlimm ? Nö, wenn das Lied gut ist. Weitergehen... eine Referenz an "Im Rythmus bleiben" ? Musikalisch nicht unbedingt, aber ein genauso guter Aufmacher für Konzerte in Deutschland zum Mitbrüllen: "don´t stop, got to push forward never enough, I´m goin´ crazy but never give up... weitergehen, weitergehen... start to move on". Passender Titel - "Substance" hat definitiv Substanz, harte Beats&Bässe plus einige EBM shouts, das scheint einer der oldschooligen Titel zu sein. Die Voice Samples lassen diesesmal an Velvet Acid Christ denken. Dann die Aufforderung "Hit me one more time", gerne doch Herr Cryo, auf die linke oder rechte Backe ? Auch recht EBM lastiger Titel, die Bassline zeigt es schon wo die Fahrt hingeht. Aber nicht unter meinen Faves. Hach, dann wieder technolastiger Melodic Electro (Anhaltspunkte Covenant "Figurehead", "Stalker" etc.) aber hier lässt der Herr Musiker sich nur im Refrain herab seine wohlige Stimme erklingen zu lassen. Dafür ein Weiblein, was dem Verlauten nach seine Schwester ist. Ich will auch eine Schwester die singen kann - nice. Passend zur Anklage gegen Guantanamo Bay, werden nun wieder härtere Töne angeschlagen, zusammengemixt mit einigen Sounds die an Prodigy errinnern. Auch hier saubere Bässe bemerkenswert, die man mit einem gutem Kopfhörer schön gemixt heraushört. Mister Cryo ist auch ein Auftragskiller, so enthüllt er uns im folgenden Liedchen, dieses in dunkler Stimmung mit leicht schleppendem Rythmus gehalten. Frontline Assembly geht mir durch den Kopf, wobei das wohl eher der Effektbearbeitung der Stimme zu verdanken ist. Danach up and down Arpeggios der Synths die nicht sonders innovativ sind, aber einen Rythmus spielen wo ich immer mit muss, dem jenigen der bei besseren, härteren Techtrance Stücken zum Einsatz kommt nämlich. Als letztes noch was eher melancholisches, das aber auch etwas futurepoppig rüberkommt. Gegen Ende des Titels noch ein gutes Sprachsample, sowie tolle Flächenklänge. Diese reissen das Stück, was verglichen mit dem restlichen Material erst etwas beliebig rüberkam, wieder raus. Zum Abschluss dann noch ein paar Noises im hidden track.

Gut geklaut ist besser als schlecht selbst gemacht ? Stimmt hier aber nur halb, denn das Projekt Cryo besitzt genug eigenen Charakter. Und wenn schon, Hauptsache die Musik macht Spaß und das tut sie ganz gewaltig. Die technoide Kälte und Futuristic die hier oftmals auftblitzt, sollte Fans von Bands wie Headscan, Icon Of Coil, Haujobb oder Liquid Divine hellhörig machen. Ansonsten alle EBMler oder Leute die einfach gute Elektronik mögen. Um es nochmal klar zu sagen, das Rad wird hier nicht neu erfunden, wen das stört Finger weg. Sonstige Gegenargumente fallen mir nicht ein, die Produktion ist erstklassig, Sounds top, Gesang super, als Soundtrack für Science Fiction Filme geeignet :)

Facts:

Label:
Progress Productions

Mediatype:
CD-Album

Genre:
Electronic / Industrial / Noise

Review-Datum:
08.04.2010

VÖ-Datum:
24.03.2010

Leserwertungen:
5

Bewertung:
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Autor:
Frank W.

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Frank W. hat bereits 235 Reviews für den Medienkonverter verfasst und die Durschnittsbewertung beträgt 4 Sterne. 2010-04-08 5 4,2

Tracklist:

01. Prelude – Waves Of Sin
02. I Tune In
03. Weitergehen
04. Substance
05. Hit Me Once
06. Counting Down Again
07. Guantanamo Bay
08. Contract Killer
09. I Die Every Day
10. Forgotten
11. Rewind (hidden Track)

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