Amnistia Neophyte

Ein Newcomer kann auf zwei Wegen auf sich aufmerksam machen. Durch originelle und gut platzierte Promotion oder auffallend gute Liveperformances. Amnistia haben sich durch die zweite Variante in mein Gedächtnis eingebrannt. Die diesjährige WGT-Eröffnungsparty war Zeitpunkt unserer ersten Begegnung. Unsere Wege kreuzten sich eher zufällig. Nach dem Painbastard-Gig hielt mich ein Gespräch mit einem Bekannten in der Moritzbastei fest, anschließend der Auftritt des Leipziger Duos. Ein Interview und die intensive Beschäftigung mit ihrem Debüt „Neophyte“ sind jetzt das Ergebnis.

„Neophyte“ ist also Wegweiser für das, was hinter Amnistia steckt. Und „Neophyte“ verspricht eine gelungene Kombination aus traditionellen elektronischen Klängen und moderner Tanzflächenmusik. Eine wunderbare Kombination aus düsteren Sounds mit harmonischen Melodien und treibenden Beats, die ihren Beginn in einem Intro findet, das direkt in „G.S.W. / Rage“ aufgeht und dort sein Finale in einem druckvollen Song findet, der mit rauen Vocals, anklagenden Lyrics und sorgfältig gewählten Sprachsamples fesselt. In ebenso dynamischer und clubtauglicher Manier folgen „Red Coloured Emotions“ und „Prosperity“. Mit „Headfake“ zeigen Aministia erstmals, dass sie weit mehr draufhaben als clubtaugliche Hau-Drauf-Sounds. Statt von Dynamik wird der Song von der Gesangsmelodie bestimmt, die „Headfake“ faszinierend über die 4,32 Minuten trägt. Das anschließende „Tempted“ kommt wenig schüchtern und fromm daher. Die Samples stammen aus „Hautnah“. Der Film läuft soeben auf Sat 1. Der Song fügt sich hier wie Filmmusik ein. Frivol und atmosphärisch. Eine minutiöse Kombination zu den Sprachsamples. „Self-Defence“ wird dagegen wieder von Beats und Bässen bestimmt. Straight und prägnant in Einklang gebracht mit einer sphärischen Melodiefläche. Düstere Sphären bestimmen auch „Fear“, das den Weg ebnet für das wohl stärkste Stück auf dem Debüt. „Untitled“ ist die Vertonung eines bisher unvertonten Textes Ian Curtis’. Die Faszination dieses Künstlers (Joy Division) führte zu diesem so einfach gehaltenen und zugleich so faszinierenden Stück. „Untitled“ kommt ganz ohne komplexe Melodieflächen aus, sondern baut fast ausschließlich auf die Vocals und Lyrics, was sehr gelungen ist. Das getragene Tempo bestimmt auch die letzten Stücke, von einem kurzen Aufbäumen in „However“ abgesehen.

„Neophyte“ hält auf eindrucksvolle Weise was mir der Liveauftritt versprochen hat. Es beeindruckt und macht Lust auf mehr. Für einen Anfänger (=Neophyte) ein bemerkenswertes Ergebnis. Auf dem schmalen Grad zwischen traditionellen, düsteren Elektroklängen und modernen Clubsounds fühlen sich Amnistia wohl und bewegen sich sicher wie eine Katze auf der Regenrinne. Die Musik wirkt ehrlich und überzeugt dadurch. Überzeugt ihr euch davon!

Facts:

Label:
Scanner

Mediatype:
CD-Album

Genre:
Electronic / Industrial / Noise

Review-Datum:
27.08.2007

VÖ-Datum:
15.06.2007

Leserwertungen:
12

Bewertung:
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Autor:
Susann

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Susann hat bereits 119 Reviews für den Medienkonverter verfasst und die Durschnittsbewertung beträgt 4,5 Sterne. 2007-08-27 12 4,2

Tracklist:

01. Init
02. G.s.w./rage
03. Red Coloured Emotions
04. Prosperity
05. Headfake
06. Tempted
07. Self-defence [steel-alloyed Edit]
08. Fear [v.2]
09. Untitled [1978]
10. Mindswitch
11. Y.c.b.l.
12. However [good-bye]

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