Amduscia From Abuse To Apostasy

Knapp drei Jahre nach Veröffentlichung ihres beeindruckenden Debüt-Longplayers „Melodies for the devil“ meldet sich das Trio infernale Amduscia mit dem nicht weniger Unheil verkündenden Nachfolge-Album „From abuse to apostasy“ zurück. Nicht dass sich die Mexikaner in dieser Zeit etwa auf den geernteten Lorbeeren für ihren Erstling ausgeruht hätten. Nein, es wurden nicht nur die zwei großartigen EPs „Dead or alive“ und „Impulso Biomecànico“ veröffentlicht, sondern auch neue Aufnahmegeräte mit dem ersten verdienten Geld gekauft und kontinuierlich und akribisch an der Weiterentwicklung des eigenen Sounds gefeilt. Schließlich wollte man sich nicht länger mit den überaus erfolgreichen Landsleuten Hocico in einen Topf werfen und verkochen lassen. Darüber hinaus arbeiteten Sänger Polo und seine beiden Kollegen Edgar und Raul fleißig an ihrem Bekanntheitsgrad und Image, indem sie auf Tour gingen und ihre aggressiven, kritischen Songs einem begeisterten Publikum live präsentierten. Im Juni letzten Jahres griffen Amduscia dann wieder zur Feder bzw. in die Tasten und begannen mit dem Songwriting. Von November bis Februar 2006 schlossen sie sich in ihr eigenes Studio ein und nahmen das zweite Album auf.

Ihrem unverkennbaren Stil, düsteren, aggressiven Electro mit martialischen Beats und brachialen Shouts, mit ausgesprochen melodieverliebten, fast sanft-weichen Trance- und Techno-Sound-Elementen zu verschmelzen, bleiben Amduscia auch auf „From abuse to apostasy“ treu. Trotz des dominierenden Anteiles an extrem eingängigen Synth-Passagen, die man so ohne weiteres auch auf einer Tunnel Trance Party mit DJ Dean in Hamburg hören könnte, verlieren Amduscia nichts von ihrer kompromisslosen Härte und Ernsthaftigkeit – denn mit fröhlichem, aber stupide vor sich hinwummerndem Bassgeplänkel haben die Mexikaner rein gar nichts am Hut. Die neuen Songs erwecken vielmehr den Eindruck, als hätten sie mit einem „Servus und Grüß Gott!“ dem Teufel erst kürzlich wieder mal persönlich die Hand geschüttelt. Gnadenlos und rasend schnell peitschen sie ihre vertonten Botschaften in die verdorbene, schmutzige Welt hinaus, die sie mit all ihren tragischen Verfehlungen, Irrtümern, Ungerechtigkeit und Lügen Tag für Tag aufs neue quält, aber auch inspiriert und herausfordert.

Anders als bei „Melodies for the devil“ sind Amduscia diesmal mit einem konzeptionellen Gedanken an die Arbeit gegangen. So symbolisiert der religiös geprägte Titel „From abuse to apostasy“ den schmerzhaften Leidensweg eines Menschen vom Missbrauch (abuse; im Sinne von ungefragt „aufgezwungener“ Taufe) hin zum finalen, schlussendlich frei machenden Abfall (apostasy) vom Glauben – in ein Leben ohne Zwänge und konstante Indoktrination irrsinniger, verstörender Lehren und Ansichten. Jeder der elf Album-Tracks markiert einen neuen Schritt eines deformierten Geistes, sich von der ihm aufgezwungenen Religion loszulösen und den letzten Schritt in Richtung Hölle zu tun, wobei der Begriff der Hölle hier nicht unbedingt entsprechend dem Verständnis der katholischen Kirche als Hort alles Bösen und aller Sünden interpretiert werden muss. Vielmehr strebt dieser Geist eine umfassende Freiheit und Selbstbestimmung in friedvoller Existenz an. Dass dies allerdings leider alles andere als eine kollektive Realität ist, beweist der stetig stärker werdende Zulauf zu Glaubensgemeinschaften jeglicher Art, die den orientierungslosen Menschen von heute und morgen mit erstaunlichen, bisweilen gar unfassbaren Angeboten von Lebensentwürfen und Heilslehren Sicherheit und Schutz bieten wollen. Diese Tatsache an sich ist aber gar nicht einmal der kritische Punkt. Gefährlich wird es für den Menschen dann, wenn er nicht mehr selbst bestimmen darf oder dazu in der Lage ist, inwieweit und individuell er diese Lehren und Entwurfsangebote für sich persönlich umsetzen kann.

Bei aller Ernsthaftigkeit will „From abuse to apostasy“ aber nicht nur unmissverständlich Kritik üben – für all jene, die längst ihren Frieden gefunden haben oder noch nicht wissen wo die Reise hingeht, stecken Amduscia mit ihrem pushenden Dark Electro schon mal die Tanzfläche mit ihrem Höllenfeuer in Brand. Wer sich da nicht gehörig die Füße verbrennen will, sollte einiges an Energie und Ausdauer mitbringen, denn Stillstehen kann tödlich sein!

Wie so oft erscheint ein solch begehrtes musikalisches Werk zusätzlich zur regulären CD in einem streng limitierten 2CD-Box-Set, das mit aufwändigem Artwork und jeder Menge Bonusmaterial und Extras aufwartet. Die Zusatz-CD „Mùsica de Ambientaciòn Demencial“ enthält Presseinformationen zufolge neue, bisher unveröffentlichte Stücke, in denen Amuscia „ ... den tanzbaren Geist der Achtziger mit knallharten Industrial-Beats und Trance-Elementen zu einem Disco-Trip für Psychopathen vermischen“, oder, wie Edgar es in einem Presse-Interview ausdrückt, die „ ... das tiefer gehende seelische Bewusstsein, welches zu dieser Entscheidung (den bewussten Glaubensabfall, Anm. der Verf.) führt ...“ behandeln. Das hört sich zugegeben mehr als reizvoll an – deshalb: Wo immer die limited edition noch zu haben ist, sofort zugreifen und abtauchen in die Hölle!

Facts:

Label:
Out Of Line

Mediatype:
CD-Album

Genre:
Electronic / Industrial / Noise

Review-Datum:
23.04.2006

VÖ-Datum:
03.03.2006

Leserwertungen:
4

Bewertung:
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Autor:
Susanne

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Susanne hat bereits 348 Reviews für den Medienkonverter verfasst und die Durschnittsbewertung beträgt 4,5 Sterne.Das Fazit von Susanne zu diesem Review lautet: Düsterer aggressiven Electro mit martialischen Beats und brachialen Shouts 2006-04-23 4 4,2

Tracklist:

01. Absolution
02. Seal You In Red
03. Incitatiòn Pagana
04. Touch That (kill Your Thoughts)
05. Heresy
06. Aberraciòn En Tu Voz
07. Easy Way To Hell
08. Shattered Mind
09. Freak Knowledge
10. Impulso Biomecànico
11. Placeres Negros

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