Sinners's Day 2010 - what a great day - ein kleiner Rückblick

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Achtung! Diese News stammen vom 02.11.2010. Die auf dieser Seite veröffentlichten Informationen und Links sind unter Umständen nicht mehr aktuell.
Sinner's Day Festival präsentiert von Studio Brussel 31.10.2010 Hasselt, Belgien Was war Halloween dieses Jahr doch schön! Keine Kürbisfratzen, keine Geister, keine Zombies, kein Blut, dafür aber eine lange Liste sensationeller Bands sowie Tausende sympathische Besucher aus Belgien, Niederlande, Frankreich, England und Deutschland. Trotz mittelgroßem Wermutstropfen – Peter Murphy und The Damned hatten ihre Show im Vorfeld absagen müssen, für The Damned sprangen aber die belgischen Lokal-Punk-Matadore The Kids ein – war das Mega-Festival in der riesigen Ethias Arena im belgischen Hasselt ein voller Erfolg! „Red Lorry Yellow Lorry“ – man sieht ihnen das Alter noch immer nicht wirklich an, lieferten zur schönsten Mittagszeit auf der Club Stage ein treibendes, die Stimmung anheizendes Set und übergaben ihr Zepter dann an Poesie Noire, die auf der riesigen Main Stage ein beatlastiges Techno-Set lieferten, dass einem warm ums Herz wurde. Department 5 übernahmen anschließend wieder auf der Club Stage – leider waren nun schon rund 15-minütige Überschneidungen im Line-up einprogrammiert, was den Nachmittag, Abend und die Nacht dann zwangsläufig zu einer kleinen Rennerei werden ließ, wollte man „das volle Programm“ mitnehmen. Auf der Main Stage sorgten etwas später die UK Subs mit ihrem derben, ungestümen Punk Rock für Begeisterung und Gelegenheit zum Warmlaufen, denn nach dem Auftritt von Jah Wobble im Club war Marky Ramone mit seinen Blitzkrieg-Leuten an der Reihe. Ich weiß nicht mehr, wie viele Lieder in deren einstündigem Set gespielt wurden, es müssen viele, viele, viele gewesen sein, denn es wurde mit einer Blitzgeschwindigkeit durchgespielt, dass die Funken flogen. Unglaublich! Die Schweizer The Young Gods sorgten derweil mit ihrem experimentellen Ambient-Electro-Rock für entspanntere Momente. Aufgefrischt warteten dann schon die skurrilen belgischen Punk-Waver von Arbeid adelt,! die ein freakiges, erfrischendes Live-Set mit spannenden Visuals boten. Wer noch immer traurig über die Absage von The Damned war, durfte sich trotzdem ein wenig freuen, denn die Veteranen von The Kids, Punk-Urgesteine mit Heimvorteil, taten alles, um Schwung und Schmiss auf die Bühne und ins Publikum zu bringen – das hat funktioniert, denn die Belgier (und auch das Ausland!) lieben ihre Jungs einfach. Auf der Mainstage war dann wieder Kontrastprogramm angesagt: Heaven 17 – Legende für alle Ewigkeit - zelebrierten ihren glamourösen Pop mit sichtlicher Freude und Dankbarkeit dem Publikum gegenüber, welches seinerseits dankbar mit auf eine nostalgische Zeitreise durch die Dekaden ging. Während The Fall spielten, war für mich endlich die Pausenzeit gekommen und die Gelegenheit, den Camden Market und die Food Area zu besuchen. Der Market bot alles, was das Musik- und Fashion-Herz begehrte, Geld ausgeben fiel hier nicht schwer. Harter Tobak waren allerdings die Preise in der Food Area. Es mussten Bons gekauft werden, die dann gegen Getränke und Essen „eingetauscht“ werden konnten. Ich startete mit vier Bons für zehn Euro und stellte hungrig fest, dass ich für ein Schälchen Bami oder Nasi Goreng alle vier Bons hätte abgeben müssen, was mich zornig in die Fänge der leidigen, aber leckeren Pizzaschnitte für 2 Marken trieb. 1,50 Marken verballerte ich anschließend für einen sehr guten Latte Macchiato, um anschließend mit einer restlichen halben Marke dumm dazustehen und nochmals zehn Euro für weitere minimal erwerbbare vier Bons hinzublättern. Irgendwie war es dann auch egal – mit rund 60 Euro war das Festivalticket an sich wenigstens nicht teuer. Unwesentlich gestärkt erlag ich anschließend voller Euphorie dem Zauber von Marc Almonds varietéeählicher, zauberhaft poppig-farbenprächtiger Show. Ein wunderbarer Mann, der heute nichts, rein gar nichts von seiner Sympathie und seinem Charme – und natürlich seiner Stimme - verloren hat. The Selecter entgingen mir dann wieder, denn meine Finger wühlten sich derweil wie besessen durch das Angebot am de luidspreker-Stand, um ohne Fang wieder von dannen zu ziehen, bereit für Nina Hagen und ihre Band. Ich müsste mich schon sehr täuschen, wenn die liebenswerte, immer noch verdammt gut gestylte Schreckschraube der deutschen Nation nicht SEHR polarisiert hätte. Ihre Präsenz mag einigen ein wenig zu shocking gewesen sein, doch um zu entertainen, braucht man einfach Präsenz. Und die hatte sie – auf ganzer Linie und mit Erfolg. Ein verrücktes, durchgeknalltes und spaßiges Set mit Klassikern und Kuriosem, das ich für die Psychedelic Furs trotzdem vorzeitig verließ. Während ich es noch bis in die vordersten Reihen in der Club Stage schaffte, mussten schon wenig später die Tore wegen hoffnungsloser Überfüllung geschlossen werden. Es wurde nur noch herausgelassen, ein Herein war nicht mehr möglich – und hunderte Leute standen mit langen, enttäuschten Gesichtern davor. Im Gegensatz zu den – vermutlich hauptsächlich belgischen – wartenden Fans wurde ich mit dem saxofonlastigen Rock der Furs überhaupt nicht warm und flüchtete via den nach draußen geöffneten Toren durch die Menge, um auf der Tribüne einen ordentlichen Sitzplatz für meine Lieblinge Echo and The Bunnymen zu ergattern. Sie waren Helden, sie sind Helden und sie werden es für alle Ewigkeit bleiben. Ian McCulloch war in Bestform, erzählfreudig, humorvoll und verzauberte die inzwischen zum Bersten gefüllte Main Hall mit dem unverwechselbaren düsteren Wave, der sie zu Wegbereitern und Vorbildern für viele Künstler machte. Es regnete Zugabenrufe, die dankbar erfüllt wurden, um anschließend an das Ambient-House-Projekt The Orb für das große Finale zu übergeben. Völlig in den Bunnymen-Sphären verschollen, wankte ich von der Tribüne in die inzwischen merklich geleerte Arena, um durch einen gigantischen Friedhof kaputter Trinkbecher und Essenabfälle zu stolpern und um mich herum lauter wankende, zappelnde, heftig tanzende oder nur stumm dastehende Besucher zu sehen, die gebannt auf die grausam bunten 3-D-Grafik-Animationen auf der Leinwand starrten. Das Ganze wirkte zu grotesk, um es noch länger auszuhalten, zumal ich mit dem Sound von The Orb nie viel anfangen konnte. So ließ ich mich mit zahllosen anderen Festivalbesuchern, denen es sichtlich so ging wie mir, hinaus in die kalte Nacht treiben, um nach einigen kurvenreichen Minuten endlich aus dem riesigen Festivalparkplatz herauszufinden und eiligst davonzubrausen. See you next year, Sinner’s Day!

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