10 Jahre Rome: "Anthology 2005-2015"

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Ein Mann und seine Gitarre. Eine leere Bühne, blauer Zigarettendunst, ein einsamer Spot. Einem Bild wie diesem entströmt eine zeitlose Ästhetik. Eine Ästhetik der Einsamkeit, der Versunkenheit, die sich konsequent durch die letzten Jahrzehnte der Musikgeschichte zieht. Jerome Reuter lebt diese Ästhetik. Atmet sie, nährt sie und wird von ihr genährt. Er ist ein Getriebener, ein Suchender, der sich seit 2005 mit seinem Projekt Rome musikalisch ausdrückt und auf bislang zehn Alben und unzähligen weiteren Veröffentlichungen versucht hat, sein Innenleben und die Welt um ihn herum zu verstehen. Jerome Reuter steht in einer langen Tradition. Melancholisch, mit einer Mentalität irgendwo zwischen Exilant und Lonesome Cowboy, zogen diese Outsider mit ihrer Gitarre von Ort zu Ort, verfolgt von ihren Träumen und Dämonen, sehr oft auch von ihrer Vergangenheit. Jacques Brel, Johnny Cash, Townes Van Zandt, Tom Waits, Leonard Cohen, Michael Gira, Nick Cave – Architekten der Melancholie wie diese sind es, die ihre Spuren in Jerome Reuters künstlerischem Ausdruck hinterlassen haben. Seine Musik vereint amerikanische Folklore mit Chanson und der getriebenen Tristesse des englischen Post Punk, ‚Chanson Noir‘ nannte er es mal. Und über allem thront diese unverkennbare, tiefe Stimme. Eine Stimme, der man beruhigt und erwartungsvoll lauscht und von der man glauben will, sie wisse um die Art und die Bestimmung der Menschen. Die Texte seiner Konzeptalben – in denen ein einzelner Song trotz eingängiger Melodie immer auch ein Diskursfragment und keine Analyse historischer Wirklichkeit ist - können sich um die Werke von William S. Burroughs oder Bertolt Brecht drehen, oder lassen einen in literaturgetränkte Welten wie die Paul Bowles oder Jack Londons eintauchen, gesellschaftliche und geschichtliche Hintergründe aufgreifen oder die Freiheit der Kunst verteidigen, immer aber sind sie ein Ausdruck von Freiheit. Besonders angetan haben es ihm die Outsider der Menschheitsgeschichte, die Underdogs, insbesondere des 20. Jahrhunderts. Das können anarchistische Rebellen sein (wie auf „Flowers From Exile“ von 2009), der französische Widerstand („Nos Chants Perdus“ von 2010), der Freiheitskampf im südlichen Afrika („A Passage to Rhodesia“ aus dem Jahre 2014) oder Revolutionäre und Untergrundkämpfer wie in Romes ambitionierter Trilogie „Die Aesthetik Der Herrschaftsfreiheit“ (2011), welche an die Werke u.a. von Peter Weiss und Pablo Neruda angelegt ist. Romes Protagonisten sind Menschen, die alles für ihre Ideale geben und würdevoll durch das Fegefeuer schreiten, das ihnen das Leben entgegenwirft. Doch dem Werk des Luxemburgers liegt immer die Idee der Völkerverständigung zugrunde. Es geht um das Freilegen der verschütteten Verbindungsgräben zwischen den Nationen. Deshalb die ambitionierten Konzeptalben, deshalb die mehrsprachigen Texte und die halsbrecherischen Konzertreisen von Jerusalem bis Saigon. „Bewegung entsteht durch Haltung“ – dieser auf der ersten Veröffentlichung, der „Berlin“ EP aus dem Jahre 2005, postulierte Slogan beweist auch heute noch seine Gültigkeit. Jerome Reuter selbst verkörpert dieses Ideal der standhaften Rastlosigkeit – als Preis der inneren Freiheit – nur zu gut: Treu seiner künstlerischen Vision ergeben, ein Botschafter der Melancholie, der elegischen gleichsam an Protest-Songs erinnernden Hymnen, - Manifeste, niemals aufzugeben. In diesem selbstgebotenen Auftrag bereist er die ganze Welt, der Mann mit seiner Gitarre, trägt seine Stücke mit Inbrunst, Ehrlichkeit und tief empfundener Empathie vor. Bei Rome gibt es keine Provokation, keine Effekthascherei durch Schocks irgendwelcher Natur, keine Frivolität des Zweideutigen, keinen phraseologischen Donner. Anlässlich des zehnjährigen Bandbestehens begibt sich Jerome Reuter nicht nur auf eine ausgedehnte Tournee mit Auftritten in Tel Aviv, Berlin, Athen, Los Angeles, Moskau, Kiew, Rom, Madrid, London, Wien, Zürich, Brüssel, Köln, Stockholm, Bukarest, Prag und viele weitere Städte; parallel dazu erscheint auch eine umfassende Werkschau des Künstlers: Die „Anthology 2005-2015“, welche seine Botschaft konzise auf den Punkt bringt: Songs voll schaurig schöner Melodien, die nie der politischen Gunst in die Falle gehen. Sie bewegen sich in den Grenzlanden zwischen Wahrheit und Mythos, sprechen von den großen Zusammenhängen ebenso wie mit dem Herzen. Das bleibt nicht unbemerkt: Wie Johnny Cash, Nick Cave oder Leonard Cohen vor ihm, vereint sich auch unter seinen Stücken eine illustre Hörerschar, die sich durch alle Altersklassen, alle Musikgenres und alle Gesellschaftsschichten zieht. Das hat große Kunst immer schon ausgezeichnet. Ein Mann und seine Gitarre. Eine leere Bühne, blauer Zigarettendunst, ein einsamer Spot... und es beginnt von vorn.
Facts:
Thema:
Rome

Quelle:
Trisol

News-Datum:
20.09.2015

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Autor:
Bert

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