Interview mit Mortal Void


Reviews zu Mortal Void:
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12.08.2011
The Great Pretending
Gelungener Electro/Industrial ohne plakative Tanzflächensounds.

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12.10.2007
One Frame Left
Seit der Zusammenarbeit mit Marcel Gamp und dem Ergebnis "Adopted Child Vs. Mortal Void" 2...

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Achtung! Dieses Interview stammt vom 29.09.2011. Die auf dieser Seite veröffentlichten Informationen und Links sind unter Umständen nicht mehr aktuell.
Tobias, dein aktuelles Album, The Great Pretending, beschäftigt sich zentral mit dem Thema, sich selbst oder anderen etwas vorzumachen, vielleicht auch hin und wieder zu lügen. Kannst du dich daran erinnern, wann du zuletzt gelogen hast und in welcher Situation?


Das kann ich in der Tat nicht. Das kann nun zweierlei bedeuten: Entweder es war eine unbedeutende Situation, in der das, was wir eine Notlüge nennen, zum Tragen kam, oder aber ich lüge tatsächlich so viel, dass ich da gar keine Übersicht mehr habe. Da ich aber an sich ein Verfechter der Ehrlichkeit bin, wird es wohl in keiner allzu ernsten Situation gewesen sein und damit kein Potenzial für größere Schäden geboten haben.


Wird Ehrlichkeit nicht überbewertet?


Ich denke nicht. Viel eher ist es so, dass viel zu schnell und leichtfertig Lügen ausgesprochen werden, die einem später doch irgendwann auf den Fuß fallen. Zudem besteht die Möglichkeit, durch diesen Akt der Täuschung auch andere Menschen zu verletzen - und zu guter Letzt eben sich selbst. Gibt es nun also Menschen, die sich gerne täuschen und verletzen lassen? Eher nicht. Es gibt aber sicherlich Menschen, die zu feige sind die Wahrheit zu sagen, weil sie die Konsequenzen fürchten und sich nicht der Tatsache bewusst sind, dass eine aufgeflogene Lüge oftmals zu viel drastischeren Konsequenzen führt. Daher bin ich der Ansicht, dass die Wahrheit in den allermeisten Fällen einen sehr viel höheren Wert hat.


Täuscht der Eindruck oder ist "The Great Pretending" ein viel ernsteres und dunkleres Album als seine Vorgänger?


Ich würde nicht unbedingt sagen, dass das Album ernster ist - das würde ja gleichzeitig vorherige Thematiken etwas herabstufen. Es ist aber sicherlich so, dass dies mein persönlichstes Album ist. Ob es nun dunkler geworden ist oder nicht, ist für mich relativ schwer einzuschätzen. Beabsichtigt war das keinesfalls, aber es ist schon gut möglich, dass gerade wegen der Thematik ein eher pessimistisches Gesamtbild entsteht. Wobei mir nicht bewusst wäre, dass die letzten Veröffentlichungen sonderlich optimistisch oder fröhlich gewesen wären. ;)


Fröhlicher nicht. Aber gerade die Titel der ersten Hälfte fallen unter anderem dadurch auf, dass sie ziemlich düster, aggressiv und auch schwer zugänglich sind.


Ja das stimmt. Das mag wohl daran liegen, dass diese Songs der ersten Hälfte der CD überwiegend noch in einer anderen, vielleicht auch für mich persönlich düstereren Phase entstanden sind. Dazu kommen noch die verschiedenen Einflüsse, die vielleicht zu dieser Zeit auch eher düster und schwer zugänglich waren.


Ist "The Great Pretending" eine Art Abrechnung mit Menschen, die dir einmal wichtig waren und nahe standen?


Ja, definitiv! Nicht unbedingt um es diesen Leuten noch einmal zu zeigen, sondern viel mehr um bestimmte Geschichten für mich selbst zu verarbeiten und meine Schlüsse daraus zu ziehen, also eher eine Art Therapie.


In dem Titel "The Last Lie" lautet eine Zeile, dass es in deinem Kopf einen besonderen Ort gibt, an dem alle die Personen versammelt sind, die für dich „gestorben“ sind. Wie anstrengend ist es, diese Last jeden Tag mit sich rumzuschleppen?


Es ist nicht allzu schwer. Dadurch, dass ich diese Entscheidung für mich gefällt habe, komme ich auch gut damit zurecht. Die Personen selbst zuweilen weniger gut. Wenn ich nun entscheide, dass jemand aus diesem oder jenem Grund für mich „gestorben“ ist, dann hat das auch seine guten Gründe und dann bin ich der festen Überzeugung, dass dieser Freundschaft, Beziehung oder was auch immer, keine positive Zukunft bevorsteht. Somit fällt es mir entsprechend leicht, mich für eine positive(re) Zukunft ohne diese Menschen zu entscheiden.


Ist Loslassen etwas, was dir schwer fällt?


Nicht grundsätzlich. Viel mehr ist es so, dass ich verstehen will, warum etwas so oder so kam. Dann ist das auch relativ problemlos. Wenn das Verständnis nicht gegeben ist, fällt es natürlich schwer, sich mit einer Situation abzufinden und sich nicht ständig die "Was wäre gewesen, wenn..."-Fragen zu stellen. Letztendlich ist es also nicht das Loslassen per se sondern vielmehr die offen gebliebenen Fragen, die mir zu schaffen machen.


Du hast das mit der Therapie angesprochen. Ist Musik machen für dich generell so eine Art Ventil, etwas, dass dir hilft Situationen besser zu verarbeiten?


Genau so ist es!


Wie entstehen deine Songs? Schließt du dich mit einer Idee oder einer Melodie in ein Studio ein?


Das weniger. Tatsächlich ist es recht unterschiedlich. Manchmal bastel ich einfach ein wenig herum und habe dann so allmählich ein paar Songs fertig, die dann noch keinen Text haben. Meistens, und das ist glücklicherweise einfacher für mich, schreibe ich erst einen Text und versuche dann den Song der Stimmung des Textes gerecht werden zu lassen. Ich habe zum Beispiel die Texte für "The Great Pretending" zum Teil in 2007 geschrieben, der Großteil der Songs entstand jedoch erst in 2008. So kommt es auch, dass ich aktuell schon wieder mehr als genügend Texte für ein nächstes Album habe - und das schon seit 2009. Vermutlich werde ich aber vor 2012 nicht dazu kommen, auch die Klänge dazu zu erschaffen. Das ist einerseits oft sehr unbefriedigend, weil man immer irgendwo das Gefühl hat, noch etwas "unfertig" rumliegen zu haben, andererseits kann man in dieser Zeit viele neue Einflüsse und Ideen sammeln und somit der Intention des Textes vielleicht viel eher gerecht werden. Es ist also in jedem Fall ein längerer Prozess.


Gibt es jemanden, mit dem du diesen Entstehungsprozess teilst, oder ist das etwas, das du eher allein durchziehst und erst am Ende präsentierst?


Allgemein präsentiere ich Songs meist erst, wenn sie so gut wie fertig sind. Ich ziehe das also ziemlich allein durch und hole mir dann zu guter Letzt eher ein Feedback für den Fall, dass ich doch noch sehr große negative Auffälligkeiten in den Songs habe, die mir gar nicht so bewusst waren.


2004 hast du zusammen mit adoptedCHILD eine Remix-CD herausgebracht. Wird es so ein Projekt in naher Zukunft wieder einmal geben und würdest du dabei an einen ganz bestimmten Kollegen denken, mit dem das umzusetzen wäre?


Im Moment gibt es keinerlei solcher Pläne. Ich mache zwar immer noch gerne Remixe aber größere Zusammenarbeiten finden dann eher als feste gemeinsame Projekte (zum Beispiel Plague Of Madness mit Arne von Trümmerwelten) statt. Andererseits wäre so eine Remix-CD auch mal wieder eine interessante Geschichte, wenn der Zeitplan es denn hergibt...aber die Idee wird ja nicht schlecht. :)


Ist dir in letzter Zeit Musik begegnet, die du richtig schlecht fandest? Gibt es Trends, die du merkwürdig findest?


Durchaus! Das ist vor allem der Trend zur puren Tanzmusik - ohne jegliche Tiefe dahinter.
Wenn nun schon der Text bzw. die einzeln eingeschmissenen Phrasen sich nur um das Thema Tanzen, Ärsche oder sonstiges drehen, kann ich damit nichts anfangen. Meistens ist es dann leider so, dass die Musik dazu ähnlich stumpf ist. Nun kann man darüber philosophieren, ob sie damit dann nicht ihren Zweck (die Leute zum Tanzen zu bringen) hervorragend erfüllt, aber meiner Ansicht nach sollten da schon noch ein paar Inhalte rüberkommen, die die Grenze zur Techno-Szene erkennen lassen. In der Praxis ist das zuletzt häufig sehr sehr schwierig geworden...


Wie wichtig sind dir das Internet und die breiten Angebote, die es gibt, um Musik "einfach" an eine große Masse zu bringen?


Das ist ein zweischneidiges Schwert. Zunächst habe ich natürlich die Möglichkeit, mich gegen relativ geringe Kosten in sämtliche großen MP3-Shops zu bringen und auch auf vielen Seiten kostenlos ein Band-Profil einzurichten, um meine Musik so quasi allgegenwärtig präsentieren zu können. Ohne diese Möglichkeiten würde es Mortal Void heute wahrscheinlich gar nicht geben. Leider steht das Internet aber zunehmend vor allem für Quantität und weniger für Qualität. Es gibt viele sehr sehr gute Bands, die nur eine Hand voll Leute kennen, weil die Bands nicht so recht wissen, wie sie zwischen all dem Gewühl auf sich aufmerksam machen sollen oder es eben wissen, aber keine Lust auf Technobeats und obszöne Phrasen oder ein allzu plakatives Äußeres haben (sehr gutes Beispiel hierzu: Needlewire). Das sorgt dann schon mal für Frustration.


Das könnte mitunter erklären, warum The Great Pretending ein Album geworden ist, das aus der Masse heraussticht. Du verzichtest ganz bewusst auf diese trendtypischen Dinge.


Ich kann mich natürlich nicht davon freisprechen, diese oder jene Einflüsse in Mortal Void einzubringen - ganz egal, ob Trend oder nicht. Es ist aber definitiv nicht so, dass ich sage "DAS ist jetzt aber hip und angesagt, DAS funktioniert bei anderen auch bestens, DAS mach ich jetzt auch!". Ich mache mein Ding, das was mir gefällt und hoffe einfach, dass es den Hörern auch gefällt. Wenn das dann noch positiv auffällt, freue ich mich umso mehr!


Die obligatorische Schlussfrage: Wie wird es mit Mortal Void weitergehen und welchen anderen musikalischen Plänen wirst du nachgehen?


Ich habe noch eine Menge Texte, die ich unbedingt vertonen möchte. Zunächst steht aber erst mal das Plague Of Madness Album an. Ich hoffe, dass wir das bis Frühjahr 2012 hinbekommen. Anschließend werde ich mich dann wieder Mortal Void widmen und darüber hinaus ist ein Projekt mit meinem Live-Kollegen Marty (alias Pseudokrupp Project) geplant.



Apropos - am 11. Dezember treten wir im Berliner K17 vor Aesthetic Perfection auf. Darauf freuen wir uns schon ganz besonders. Wer also für diesen Tag noch keine Pläne hat, sollte sich die Darbietung der Songs vom aktuellen Album nicht entgehen lassen!


Facts:
Interview mit:
Mortal Void

Interviewtitel:
The Great Pretending

Interviewer:
Sandra

Interview-Datum:
29.09.2011

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