Star Industry - Velvet

Star Industry - Velvet

Sie haben sich ordentlich Zeit gelassen, die Jungs von Star Industry. Eigentlich sollte „Velvet“ bereits im vergangenen Sommer erscheinen, doch der Veröffentlichungstermin wurde immer wieder verschoben. Um es gleich vorwegzunehmen: Das Warten hat sich gelohnt. Wie kaum anders zu erwarten, klingt auch dieses Album wieder verdächtig nach den Sisters Of Mercy. Dieses Mal habe ich allerdings den Eindruck, dass Star Industry langsam, aber sicher aus deren übergroßem Schatten heraustreten und einen eigenen Stil entwickeln. Eine musikalische Revolution sollte man zwar nicht erwarten, aber zumindest wirkt die Band zunehmend weniger wie eine reine Sisters-Kopie.

Geboten wird klassischer Gothic Rock mit treibenden Rhythmen, herrlich wavigen Gitarren und eingängigen Melodien und Refrains, die sich bereits nach kurzer Zeit hartnäckig im Gehörgang festsetzen. Besonders „Heart Man Angel“ und „Faith“ zeigen, wie kraftvoll und mitreißend Gothic Rock der alten Schule auch im neuen Jahrtausend noch klingen kann. Dass hier nicht unbedingt das Rad neu erfunden wird, stört dabei kaum. Warum auch? Für Kinder der Achtziger wie mich ist „Velvet“ eine höchst willkommene Auffrischung alter Erinnerungen – nur eben ohne Staubschicht.

Für eine kleine Überraschung sorgt die Coverversion von Roxettes „The Look“. Es ist schon erstaunlich, was dieser Popklassiker hergibt, wenn man ihn mit dunklen Gitarren, druckvollen Beats und einer ordentlichen Portion Gothic versieht. Das funktioniert sogar ausgesprochen gut. Wenn da bloß nicht dieser megaschlechte weibliche Hintergrundgesang wäre, der einem die Nackenhaare leider aus den falschen Gründen aufstellt. Na ja, Schwamm drüber – der Rest kann sich wirklich hören lassen. Wer zu Hause sämtliche alten Scheiben der Sisters stehen hat und sie noch immer regelmäßig aus dem Regal zieht, kommt an „Velvet“ eigentlich kaum vorbei. Wenn von den Originalen schon nichts Neues erscheint, muss man sich eben woanders bedienen – und bei Star Industry wird man bestens versorgt.

Vielleicht sogar besser? Gut, das ist vermutlich Gotteslästerung im schwarzen Tempel. Aber Songs mit der Wucht von „This Corrosion“ oder „Temple Of Love“ liefert „Velvet“ beinahe am laufenden Band. Und wenn wir ehrlich sind: Auch bei den Sisters war zwischen all den großen Klassikern nicht immer alles pures schwarzes Gold. ;-)

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