‘Leaether Strip’ spielt „Strangelove“ von ‘Depeche Mode’ – und trifft den Nerv

‘Leaether Strip’ spielt Strangelove von...

„Strangelove“ ist so ein Song, bei dem man sich zweimal überlegt, ob man ihn überhaupt anfassen sollte. Seit dem Release am 13. April 1987 steht der Track von Depeche Mode wie ein Denkmal im Raum – unangetastet, ikonisch, fast schon unantastbar. Und genau deshalb wirkt es zunächst wie eine gewagte Idee, dass Leaether Strip sich ausgerechnet daran versucht. Unsere erste Reaktion? Skepsis! Und zwar nicht zu knapp. Zu oft sind genau solche Coverversionen entweder übervorsichtig und damit langweilig – oder sie wollen mit Gewalt alles anders machen und verlieren dabei komplett den Kern des Originals. Beides hätte hier ziemlich leicht passieren können.

Doch schon nach den ersten Sekunden wird klar: ‘Leaether Strip’ entscheidet sich für einen dritten Weg. Und der ist überraschend stark. Statt den Song komplett umzubauen oder in ein hartes Industrial-Korsett zu zwängen, bleibt die Interpretation erstaunlich nah am Original. Die melodische Struktur, die charakteristische Stimmung – all das bleibt erhalten. Gleichzeitig schleicht sich ganz subtil dieser leicht rauere, direktere Sound ein, der das Projekt seit jeher auszeichnet. Gerade diese Balance macht den Reiz aus. Depeche Mode lieferten damals eine Mischung aus kühler Eleganz und emotionaler Tiefe – und genau dieses Spannungsfeld wird hier nicht zerstört, sondern vorsichtig verschoben. ‘Leaether Strip’ fügt dem Ganzen eine leicht kantigere Note hinzu, ohne den Song seiner Identität zu berauben.

Man hört deutlich: Hier geht es nicht darum, das Original zu übertreffen oder sich daran zu profilieren. Es geht vielmehr um Respekt. Um das Verstehen eines Songs, der seit Jahrzehnten funktioniert – und darum, ihn mit den eigenen Mitteln neu zu beleuchten. Das Ergebnis ist keine Revolution, sondern eine Art Parallelversion: vertraut und doch leicht verändert. Am Ende bleibt vor allem eines hängen: Diese Version funktioniert gerade deshalb so gut, weil sie sich nicht in den Vordergrund drängt. Eine überraschend starke, angenehm zurückhaltende Interpretation, die meine anfängliche Skepsis ziemlich schnell pulverisiert hat – und die zeigt, dass man selbst an einem Denkmal noch arbeiten kann, ohne es einzureißen. Nice!

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