Kurz vor Weihnachten, wenn alles auf Wiederholung läuft, Lichterketten flackern und „Driving Home For Christmas“ wie jedes Jahr ganz selbstverständlich durch Radios und Supermärkte gleitet, erreicht uns eine Nachricht, die den Song schlagartig anders färbt: Chris Rea ist tot. Er starb im Alter von 74 Jahren nach kurzer Krankheit. Und plötzlich wirkt diese vertraute Stimme nicht mehr nur warm, sondern endgültig. Chris Rea war nie ein Künstler, der laut um Aufmerksamkeit bat. Während andere sich im Rockstar-Glamour verloren, entschied er sich bewusst für den Rückzug, für Reduktion, für Substanz. Blues, Rock, Folk – alles bei ihm frei von Pose, frei von zeitgeistiger Überhöhung. Seine Songs lebten von Zurückhaltung, von einer Melancholie, die nicht dramatisierte, sondern akzeptierte. Vielleicht ist es genau diese Haltung, die ihn heute für eine Indie-Seite relevanter macht als viele seiner lauteren Zeitgenossen.
„Driving Home For Christmas“ war nie nur ein Weihnachtslied. Es war immer schon ein Song über Übergänge, über Heimkehr, über das Dazwischen. Über Straßen, die man kennt, und Gedanken, die man nicht abschütteln kann. In diesem Jahr klingt er weniger nach Vorfreude als nach Rückblick. Nach einem Innehalten, das man sonst gern überspringt. Chris Rea hinterlässt kein Vermächtnis der großen Gesten. Er hinterlässt Songs, die bleiben, weil sie sich nie aufdrängten. Und vielleicht ist das die stillste, aber nachhaltigste Form von Relevanz. Gerade jetzt, kurz vor Weihnachten, fühlt sich sein Abschied nicht spektakulär an – sondern leise, nachdenklich und merkwürdig passend.
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