Bullet For My Valentine - Hand Of Blood

Bullet For My Valentine -...

Was höre ich da eigentlich gerade? Iron Maiden? Papa Roach? Oder läuft irgendwo heimlich ein Best-Of der frühen 2000er im Hintergrund? Ein kurzer Blick auf das CD-Cover bringt Klarheit: Nein, das sind tatsächlich die wilden Nu-Metal-Engländer von Bullet For My Valentine, die nach Jahren intensiver Livearbeit endlich ihren ersten offiziellen Tonträger auf den Markt werfen. „Hand Of Blood“ nennt sich die kleine EP, die mit fünf Songs und einem Bonus-Videoclip für den heimischen PC daherkommt – also genau die Art Release, mit der sich junge Bands damals gerne erstmals ins Rampenlicht spielen wollten.

Und tatsächlich: Handwerklich kann man dieser Truppe kaum etwas vorwerfen. Die Gitarren sägen ordentlich, die Riffs sitzen, und irgendwo zwischen Metalcore-Härte und charttauglichem Alternative-Rock lugen immer wieder Ansätze hervor, die durchaus Hitpotenzial besitzen. Kein Wunder also, dass vielerorts begeistert über die „frischen Riffs“ und die angeblich so zwingenden Hymnen der Band gesprochen wird. Nur leider bleibt beim Hören ein leicht bitterer Nachgeschmack.

Denn so solide das Ganze technisch auch sein mag – wirklich Eigenständiges oder gar Überraschendes findet man auf „Hand Of Blood“ kaum. Nette Hymnen und ordentliches Handwerk allein reichen eben noch nicht, um wirklich gute Musik zu machen. Irgendwo zwischen den Strophen und Refrains scheint der eigentliche kreative Funke verloren gegangen zu sein. Man hat das Gefühl, dass hier weniger musikalische Ideen als vielmehr ein möglichst massenkompatibles Konzept verfolgt wird. Das zeigt sich besonders im Songwriting: Während die Strophen noch mit aggressivem Geschrei und ordentlich Druck beginnen, kippt das Ganze im Refrain plötzlich in harmonische, fast schon radiotaugliche „Schwiegersohn-Melodien“. Man möchte offenbar niemanden verschrecken – schon gar nicht den Musikfernseh-Redakteur, der vielleicht irgendwann den Videoclip rotieren lassen soll. Das Ergebnis wirkt stellenweise wie ein Kompromiss zwischen Härte und Chartambition, der beiden Seiten nicht wirklich gerecht wird.

Ähnlich verhält es sich mit den Songs selbst: Kaum hat sich ein ordentliches Riff aufgebaut, wird es nach gefühlten dreißig Sekunden wieder abgesägt, damit die Stücke schön kompakt und möglichst unter fünf Minuten bleiben. Natürlich ist das kein Verbrechen – aber es verstärkt den Eindruck, dass hier eher nach Format als nach musikalischer Dynamik gearbeitet wurde. Und so bleibt am Ende eine EP, die zwar ordentlich kracht und durchaus ein paar eingängige Momente besitzt, aber letztlich erschreckend austauschbar wirkt. Würde morgen Papa Roach eine EP namens „Hand Of Blood“ veröffentlichen, würden vermutlich nicht wenige Hörer erst beim zweiten Blick merken, dass es sich um eine andere Band handelt.

Das ist besonders schade, weil Potenzial durchaus vorhanden wäre. Die Jungs können spielen, sie haben Energie, und sie wissen offensichtlich, wie man eingängige Hooks schreibt. Doch anstatt daraus etwas wirklich Eigenständiges zu formen, scheint der Drang nach Massenmedien-Kompatibilität das kreative Risiko im Keim erstickt zu haben. Am Ende bleibt deshalb leider nur ein ernüchterndes Fazit: Ganz nett, technisch solide – aber letztlich eine dieser Veröffentlichungen, die man einmal hört und dann genauso schnell wieder vergisst. Prädikat: Unbrauchbar.

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