Zeta Zero Null - Zeta Zero Null

Zeta Zero Null - Zeta...

Ein erstes Album ist oft ein vorsichtiges Austesten: Wie weit kann man gehen, ohne zu überfordern? 'Zeta Zero Null' interessiert sich für diese Frage offensichtlich nicht. Dieses Debüt wirkt eher wie ein Sprung ohne Sicherheitsnetz – roh, direkt und mit dem klaren Ziel, Eindruck zu hinterlassen, egal ob angenehm oder nicht. Andere Bands erzählen dir erstmal ausführlich, wer sie sind, wo sie herkommen und warum du sie jetzt bitte ganz dringend wichtig finden sollst. Und dann gibt es eben 'Zeta Zero Null'. Keine große Story, kaum greifbare Infos im Netz, kein aufpolierter Mythos – stattdessen: 15 Tracks, ein Albumtitel, der gleichzeitig auch der Projektname ist, und eine ziemlich klare Botschaft. Veröffentlicht am 21. März 2026 über 'Assur Anshar', wirkt dieses Debüt wie ein bewusst anonym gehaltener Angriff auf alles, was sich in der EBM zuletzt zu bequem eingerichtet hat. Oder anders gesagt: Während andere noch ihre Bio schreiben, hat 'Zeta Zero Null' längst den Strom angeschaltet – und dich mit angefasst.

Musikalisch wird schnell klar, wo die Reise hingeht – und wo eben nicht. Die Wurzeln liegen tief im klassischen EBM, und ja: Die Nähe zu 'DAF' ist in vielen Momenten deutlich hörbar. Diese reduzierte, körperliche Direktheit, das Spiel aus stoischem Beat und minimalistischem Aufbau – das sitzt. Aber: Und das ist für mich der entscheidende Punkt – der typische, fast schon hypnotisch nach vorne peitschende Druck, den man von den großen 'DAF'-Momenten kennt, fehlt hier stellenweise. Die Tracks marschieren, keine Frage – aber sie reißen einen nicht immer mit derselben kompromisslosen Wucht nach vorne. Das ist allerdings kein echtes Problem wie ich finde, sondern eher eine Richtungsentscheidung. Denn wo andere Releases sich komplett auf diesen einen, perfekt austarierten EBM-Groove verlassen, geht 'Zeta Zero Null' einen anderen Weg: mehr Kante, mehr Bruch, mehr Variation. Und genau da wird es spannend.

Denn dieses Album kann mehr, als es auf den ersten Blick vorgibt. Zwischen stoischer Körpermusik, harschen plötzlich Industrial-Flächen und Momenten, die fast schon in Richtung NDW kippen, entsteht auch eine Bandbreite, die man bei einem Debüt in dieser Szene so nicht unbedingt erwartet hätte. Das hier ist kein Ein-Trick-Pony, das stumpf durch den Maschinenpark läuft – das ist eher ein ganzes Werkgelände mit mehreren Hallen, in denen überall gleichzeitig etwas kaputtgeht. Was mir besonders gefällt: Diese stilistische Vielfalt wirkt nie beliebig. Es fühlt sich nicht so an, als würde hier jemand verzweifelt versuchen, möglichst viele Genres abzuhaken. Stattdessen entsteht der Eindruck, dass 'Zeta Zero Null' einfach ausprobiert, wie weit man dieses reduzierte EBM-Grundgerüst dehnen kann, ohne dass es auseinanderfällt. Und erstaunlicherweise: Es hält. Meistens sogar verdammt gut. Die Produktion bleibt dabei konsequent rau. Keine übertriebene Politur, kein moderner Hochglanz, der alles glattzieht. Stattdessen: trockene Beats, drückende Basslinien, karge Sequenzen. Viel Luft – aber keine Leichtigkeit. Diese Musik lässt Raum, aber nur, damit sich Spannung aufbauen kann. Und genau das funktioniert hervorragend.

Die Vocals setzen dem Ganzen die Krone auf – oder eher den Stahlhelm. Gebellt, gepresst, manchmal fast schon wie ein akustischer Schlag ins Gesicht. Hier wird nichts gesungen, hier wird kommuniziert wie in einem schlecht beleuchteten Verhörraum. Das passt perfekt zur Gesamtästhetik und sorgt dafür, dass das Album nie in Richtung „nett“ abrutscht. Und trotzdem – oder gerade deshalb – erwischt einen 'Zeta Zero Null' immer wieder auf dem falschen Fuß. Gerade wenn man denkt, jetzt hat man den Sound durchschaut, kommt ein Moment, der das Schema bricht. Ein Rhythmus, der anders funktioniert. Eine Stimmung, die kippt. Ein Ansatz, den man so nicht erwartet hätte. Das ist vielleicht die größte Stärke dieses Albums: Es bleibt nicht berechenbar.

Natürlich ist nicht alles perfekt. Die bereits erwähnte fehlende „DAF-typische Vorwärts-Eskalation“ sorgt dafür, dass manche Tracks eher drücken als treiben. Und über die gesamte Länge hätte dem Album an ein, zwei Stellen vielleicht ein noch klarerer Spannungsbogen gutgetan. Aber ganz ehrlich: Für ein Debüt auf diesem Level? Jammern auf erstaunlich hohem Niveau. Was am Ende bleibt, ist ein Album, das sich bewusst jeder Form von Gefälligkeit entzieht – und genau dadurch überzeugt. 'Zeta Zero Null' will dich nicht abholen. Es will, dass du mitgehst. Oder eben nicht. Und genau diese „Friss oder stirb“-Haltung steht diesem Release verdammt gut.

Im Fazit ist 'Zeta Zero Null' ein überraschend vielseitiges, angenehm unbequemes und für ein Debüt bemerkenswert starkes Album. Geeignet ist es für alle, die EBM nicht als Retro-Deko, sondern als lebendige, auch heute noch gefährliche Musikform verstehen – und die Lust darauf haben, auch mal aus ihrer Komfortzone geschubst zu werden. Ich persönlich hatte nicht erwartet, dass mich das Debüt so oft überrascht – und genau deshalb werde ich zu diesem Album definitiv zurückkehren. Nicht, weil es perfekt ist. Sondern weil es etwas wagt. Reinhören!

Zeta Zero Null - Zeta Zero Null
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