Was ist aus dem guten alten Sound der frühen Achtziger geworden, als Künstler wie Fad Gadget oder Gary Numan das Arbeiten mit Elektronik als wilde, anarchistische Spielwiese begriffen haben? Fad Gadget ist mittlerweile leider tot und Meister Numan bewegt sich eher in dunklen, harten Gefilden.

Es ist also klar: neue Verrückte braucht das Land! Wer wäre für diese Rolle besser geeignet als Don Goldmann und Sancho Schirner, die schon seit einigen Jahren mit der verwaisten Kirchenorgel Lola und dem verschrobensten Electro-Pop aller Zeiten gegen die Windmühlen des Establishments anreiten? Auf ihrem neuen Album „Viva La Lola“ gehen die beiden Irren, um ein paar zeternde Ballerinas erleichtert und um eine echte live-Band verstärkt, nun den nächsten Schritt in Richtung Weltherrschaft, indem sie sich den Eingangs erwähnten Spirit der Frühachtziger-Pioniere zu eigen machen und mit Lola den wildesten elektronischen Jahrmarkts-Sound der letzten Jahre auf die Menschheit loslassen. „Viva La Lola“ ist Anti-Pop der subversivsten Art, mit unberechenbaren Melodiebögen aus schwurbelnden Analogkisten auf stampfenden Rhythmen, sowie einer gesunden Dosis von unbändigen und frischen Gesangseskapaden.

Lola Angst geben einen feuchten Kehricht auf Konventionen und bereichern ihren ausnahmslos tanzbaren Sound mit vielen kleinen Schrägheiten und Klangexperimenten. Fans der Achtziger werden darüber hinaus einen Heidenspaß dabei haben, all die kleinen Zitate und Anspielungen auf bekannte Songs dieser Ära zu erkennen und zuzuordnen. Das Hit-Potential dieser kreativen Achterbahnfahrt erschließt sich dabei zwar nicht immer auf Anhieb, aber zünden die Songs dann einmal, bleiben sie dafür aber umso nachhaltiger im Ohr hängen. Und Lola Angst lassen es sich nicht nehmen, ausgerechnet den eingängigsten Song provokant „Blood And Honour“ zu betiteln, nur um dann im Text eben jenen, auf die ein solcher Titel anziehend wirken könnte, genussvoll in den Allerwertesten zu treten. Als Bonus liegt der Erstauflage des Albums die Scheibe „Live In Germania“ bei, die einen guten Eindruck vom Live-Wahnsinn dieser Ausnahme-Truppe gibt. Zynischer Anarcho-Pop aus dem Electro-Labor… das hätten die Pioniere von Anno Dazumal auch nicht besser hinbekommen!

Quelle: Out Of Line