Eine weitere Ladung Achtziger liefern Blank and Jones zum Jahreswechsel ab. Wie gewohnt gibt es viele Schätze aus den bekannten Eighties, aber diesmal kommen noch einige unerwartete und teilweise auch unbekannte Tracks hinzu. So ist auch der Fokus diesmal weniger auf New Romantics/Electronica sondern schielt eher in Richtung Italo-Disco und bringt sogar Stock Aitken und Waterman mit ins Spiel. Sich breiter zu orientieren ist ok, schließlich war Den Harrow genauso Achtziger wie Soft Cell. Und trotzdem hoffen wir ‚The Final Countdown’ nie auf dieser Compilation-Reihe zu finden, ein Gruselwerk das eben auch den Achtzigern entstammt… Klassische Vertreter wie Alphaville, Howard Jones und OMD haben es wieder auf die CD geschafft, Tears for Fears und The Cure sogar mit Versionen, die vorher noch nicht auf CD verfügbar waren. Heimliche ZTT-Fans scheinen Piet Blank und Jaspa Jones übrigens auch zu sein, denn mit drei Tracks stellt das Londoner Kultlabel gleich eine halbe Stunde Spielzeit. Das legendäre ‚Dr Mabuse’ und ‚Welcome to The Pleasuredome’ im ‚Fruitness Mix’ sind bekannte Klassiker, Act’s ‚Snobbery and Decay’ könnte dem ein oder anderen Hörer die Vocals von Claudia Brücken dann jedoch in einer neuen Facette vorstellen. Zwar wäre bei dieser Kooperation mit Thomas Leer die ‚Extended for Stephanie Beacham’ Maxi mein persönlicher Favourit gewesen, die ‚That’s Entertainment’ 12“ mit Cabaret-Samples hat aber auch ihren Charme… Dass ‚Book of Love’ mit ‚Boy’ einen Platz gefunden haben freut die Oldschool-Popper besonders und auch PIL mit ‚This Is Not A Love Song’ hat bei den ersten drei Teilen einfach gefehlt. Interessant anzuhören sind die Versuche von Peter Schilling mit englischem Synthpop Fuss zu fassen, die Parallelen zu ‚True Faith’ und ‚The Great Commandment’ sind allerdings schon ziemlich frech und machen den Song ziemlich überflüssig! Alison Moyet darf ihre Stimme bei ‚All Cried Out’ in voller Schönheit präsentieren und gewinnt den Oscar für den berührendsten Track auf CD3, während sich das schwarze Volk sicherlich eher zu neun Minuten ‚This Corrosion’, acht Minuten ‚Bedsitter’ und sieben Minuten ‚Close To Me’ im typischen Robert Smith Indie-Swing hingezogen fühlen. Aus der Italo-Riege macht ‚Ivan’ noch immer den besten Schnitt: ‚Fotonovela’ kann man am Strand genauso hören, wie auf der Silvesterparty schmacht. Überraschend gut auch Gazebos ‚ Masterpiece’, das im Vergleich zu seinem Überhit ‚I Like Chopin’ bestimmt die bessere Wahl ist und mit flüssigen Akkorden dazu animiert ein neunminütiges aus von der Welt da draussen zu nehmen. Den Harrow, das muskelbepackte Vorzeige-Schnuckelchen der italienischen Gigolos lässt sich ebenfalls gut hören und Mike Francis, der bis zu seinem Tod 2009 ein guter Freund der beiden DJs war, steuert mit ‚Survivor’ einen weiteren Herz-Schmerz-Italo-Kracher bei. Aus voller Brust singt schließlich Samantha Fox ‚Nothing’s Gonna Stop Me Now’ und erinnert damit an viele Page3-Shoots der englischen Sun – warum nicht! Auch diesmal eine fundierte Auswahl an Songs, was hier geboten wird, allerdings treffen die ersten drei Teile meinen Geschmack noch ein ganzes Stück besser. Klar darf man auch mal ausscheren, solange man dabei den Überblick behält, und dafür haben Blank and Jones auch diesmal wieder gesorgt.