Sieben Jahre zwischen zwei Alben sind im Musikgeschäft entweder eine kreative Pause, eine kleine Ewigkeit oder der Beginn einer Vermisstensuche. Bei 'The Foreign Resort' trifft nichts davon so richtig zu. Die dänische Band war keineswegs verschwunden, sondern veröffentlichte mehrere Singles, schob die EP 'The Rabbit Hole' dazwischen und blieb vor allem auf den Bühnen aktiv. Der Titel 'Endurance' ist deshalb keine besonders geheimnisvolle Metapher, sondern schlicht eine passende Zustandsbeschreibung: Durchhalten können sie also, diese Dänen. 'Endurance' ist damit das erste vollständige Studioalbum seit 'Outnumbered' aus dem Jahr 2019 und zugleich das fünfte Album der Kopenhagener. Veröffentlicht wurde es am 19. Juni 2026 über 'Artoffact Records'; zehn Stücke bringen es auf knapp 48 Minuten. Ganz neu ist dabei nicht alles: Das bereits 2022 als Single veröffentlichte 'Overturn' kehrt in einer deutlich druckvolleren Fassung zurück. Das passt gut zu einer Platte, auf der das Trio um Sänger und Gitarrist 'Mikkel Borbjerg Jakobsen' insgesamt so unmittelbar klingt, als hätte man das Studio vorsichtshalber in einen kleinen Kellerclub verlegt.
Das echte Schlagzeug steht auffallend präsent im Raum, Bass und Gitarren erhalten mehr körperliche Wucht. Die elektronischen Elemente bleiben zwar erhalten, überlassen den Instrumenten diesmal aber häufiger die Führung. Sie kümmern sich um Atmosphäre, verdichten den Hintergrund oder schieben einzelne Stücke stärker in Richtung Tanzfläche. Darüber schneiden nervöse Gitarren durch den Nebel, während der Bass die Musik beharrlich vorantreibt. Das klingt weniger nach akkurat polierter Dunkelkammer und mehr nach drei Musikern, die gemeinsam testen, wie viel Belastung eine Studiowand verträgt Musikalisch bewegt sich 'Endurance' zwischen Post-Punk, Dark Wave, New Wave und flächigen Shoegaze-Momenten. Die Gitarren klirren, sirren und schäumen gelegentlich regelrecht auf, während die Rhythmusarbeit fast permanent für Bewegung sorgt. Selbst in den ruhigeren Passagen steht die Musik nie vollständig still. Irgendwo arbeitet immer ein Basslauf, wächst eine elektronische Fläche oder kratzt eine Gitarre am Nervenkostüm. Für mich liegt genau darin eine der größten Stärken des Albums: 'Endurance' ist melancholisch, klingt aber niemals schläfrig.
Über allem liegt die markante Stimme von 'Mikkel Borbjerg Jakobsen'. Der Vergleich mit 'Robert Smith' drängt sich weiterhin auf, denn auch Jakobsen besitzt diesen leicht zitternden, wehmütigen Tonfall, bei dem vermutlich selbst eine Getränkekarte nach gescheiterter Liebe klingen würde. Zur bloßen 'The Cure'-Kopie werden 'The Foreign Resort' dadurch jedoch nicht. Dafür ist ihre Musik zu druckvoll, zu kantig und zu rastlos. Wo andere Bands dieser Stilrichtung tief im Nebel versinken, rennen die Dänen lieber mit gesenktem Kopf hindurch. Inhaltlich wirkt 'Endurance' wie eine Auseinandersetzung mit persönlichen Krisen, Isolation und einer zunehmend schwer erträglichen politischen Gegenwart. Besonders deutlich wird das bei 'Everything Is A Lie', dessen Video Bilder des US-Kongresses mit Explosionen, brennenden Schiffen und weiteren Katastrophenszenarien verbindet. Dennoch suhlt sich das Album nicht im Untergang. Unter der düsteren Oberfläche steckt immer wieder der Wille, sich von Angst, Enttäuschung und gesellschaftlichem Irrsinn nicht vollständig unterkriegen zu lassen. Die Platte trägt ihr Herz offen auf der schwarzen Lederjacke, ohne gleich in pathetisches Selbstmitleid abzurutschen.
Besonders gut funktioniert die Musik, wenn sie ihre Spannung langsam aufbaut und schließlich in großen, emotionalen Refrains entlädt. Die überwiegend längeren Laufzeiten tun den Stücken gut: Ideen dürfen sich entwickeln, ohne dass die Band in endlose Instrumentalwanderungen aufbricht. Eingängige Melodien sind reichlich vorhanden, springen den Hörer aber nicht alle sofort beim ersten Durchlauf an. 'Endurance' verlangt etwas Aufmerksamkeit, belohnt diese dafür mit Details, die sich erst nach und nach festsetzen.
Ganz ohne Schwächen bleibt das Album dennoch nicht. 'The Foreign Resort' beherrschen ihren Klang inzwischen ausgesprochen souverän – manchmal vielleicht etwas zu souverän. Schneidende Gitarren, vorwärtsdrängender Bass, dunkle Flächen und Jakobsens Weltmüdigkeit ergeben eine wirksame Kombination, werden im Verlauf aber kaum grundsätzlich infrage gestellt. Dadurch kann die zweite Hälfte etwas gleichförmig erscheinen. Die Band kennt viele attraktive Abstufungen von Dunkelgrau, überrascht jedoch nur selten mit einer anderen Farbe. Etwas mehr Mut zum stilistischen Kontrollverlust hätte dem Album an einzelnen Stellen gutgetan.
Als erster Anspieltipp empfiehlt sich 'Resound'. Hier greifen der energische Rhythmus, die drahtigen Gitarren und der große Refrain besonders überzeugend ineinander. Das Stück bringt die zugängliche, treibende Seite des Albums auf den Punkt und dürfte live zuverlässig die ersten Reihen in Bewegung versetzen. Wer stattdessen die atmosphärische Tiefe der Band kennenlernen möchte, sollte 'Despair' wählen. Der über sechs Minuten langsam anwachsende Aufbau zeigt, wie wirkungsvoll 'The Foreign Resort' inzwischen mit Raum, Dynamik und kontrollierter Eskalation umgehen.
'Endurance' erfindet den modernen Post-Punk nicht neu – vermutlich wurde dieses Genre inzwischen ohnehin häufiger wiederbelebt als der Bösewicht einer durchschnittlichen Horrorfilmreihe. Doch 'The Foreign Resort' spielen ihn mit Energie, emotionaler Offenheit und einer erfreulich ungekünstelten Ernsthaftigkeit. Wer 'The Cure', 'Interpol', druckvollen Dark Wave und gitarrenbetonten Post-Punk schätzt, sollte hier unbedingt hineinhören. Für mich ist 'Endurance' kein makelloses Meisterwerk, aber ein starkes, geschlossenes Album – und wahrscheinlich die bislang überzeugendste Veröffentlichung von 'The Foreign Resort'.