Und wieder ein Release aus dem Hause Thirteenth Planet Records, dem Label des Kopfes der eben erst zu Grabe getragenen Industrial Metal Kult-Krach-Kapelle Ministry. Die Rede ist hier also vom Label-Owner Alain Jourgensen, der zusammen mit Tommy Victor, Mastermind der Alternativ-Metaller von Prong, Remix-Aufträge an nam – und weniger namhafte Klang-Künstler, DJs und Mitglieder anderer Bands vergeben hat. Nach sorgfältiger Prüfung durch den Prong-Chef wurde schließlich jeweils ein Mix für einen Song des letzen regulären Studio-Releases „Power of the Damager“ der ursprünglich aus New York stammenden Band ausgewählt. Einzige Ausnahme bildet das Stück „Banishment“, das hier gleich in zwei Remix-Versionen vorgelegt wird. Kein Wunder, handelt sich doch bei dem Track sicher um denjenigen mit dem größten Club-Hit-Potenzial des letzten Prongschen kreativen Lebenszeichens in Album-Länge. Apropos Club. Gemeint ist hier natürlich kein abgeleckter Stylomatenclub mit drei Türstehern, housigen Uftata-Beatz und Girls, die die Nase bis zur Decke halten, wenn sie mal zwischendurch nicht mit ihrer ach so besten Freundin auf Toilette zum Nachschminken und Quasseln sind. Im Hinterkopf habe ich – und sicher auch etliche Remixer bei ihrer Arbeit – eher coole alternative Tanzschuppen, die die Nacht unter Einsatz heftigerer Klänge übergangslos in den Morgen übergehen lassen. Und Futter für dieses Vorgehen wird auf „Power of the Damn Mixxxer“ mehr als reichlich zur Verfügung gestellt. Gleich der Opener „Worst of it“, von keinem Geringeren als von Jon Clayden, Frontman der superben Industrial-Breakbeat Metaller von Pitch Shifter, neu in Szene gesetzt, unterstreicht den häufig zum Tanzen animierenden Charakter der dargebotenen Remixe. Hier geht es auf knapp über vier Minuten kompakt zu Sache. Die heftigen Gitarrenspuren wurden etwa nicht gekillt, sondern mit frischem und fettem Beatgetöse, interessanten Samples und reichlich andickenden Effekten unterlegt und überstreut. Heraus gekommen ist ein groovendes Industrial Metal Etwas, das kein Ohr trocken und kein Tanzbein still stehen lassen sollte. Hört man sich diese handwerklich sehr gut gemachte Neukonstruktion im Vergleich zum Original an, wird man quasi mit den Zaunpfahl auf den Sinn dieses Projektes gestoßen. Denn das ursprüngliche Material vom letzten Studio-Album war für Prongsche Verhältnisse schon sehr „ungroovend“. Denn es ging auf dem Release vom Herbst 2007 schon eher brutal – und dabei sehr in den Hardcore Metal-Bereich gehend – zu. Mit dem soeben vom Stapel gelassenen Remix-Album wird gerade diese bei den Jungs schon immer vorhandene groovige Seite wieder mehr hervorgeholt. Mich freuts; und viele andere hoffentlich auch. Etwaige konservative Kritiker kann ich gleich noch einmal daran erinnern, dass es gerade Tommy Victor war, der sich als Erster unter den die Metal-Klampfe Schwingenden von Elektro-Lurchies und Remix-Künstlern hat kreativ durch den Fleischwolf drehen lassen. Und das z.B. schon 1992 von keinem Geringeren als der Industrial Legende Jim „Foetus“ Thirlwell (nämlich auf der damaligen E.P. „Whose fist is this anyway“.) Hervorzuheben ist u.a. auch der Remix von Ampedelic. Einem Künstler, den ich eigentlich gar nicht kenne bzw. jetzt erst kennen gelernt habe. Er hat in seinem „Abandoned Structures Mix“ von „Changing ending troubling times“ die heftigen Gitarren-Parts ebenfalls nicht eliminiert. Arbeitet eher mit einem recht einfach konstruierten, aber schnellem Hip Hop Beat sowie schönen tranceartigen Flächen im Hintergrund. Würde man das Original nicht kennen, könnte man das Remix-Stück selbst glatt als ein gelungenes Original bezeichnen. Das Remix-Werk bietet außer Tanzbarem aber auch Experimentelles an. So macht Greg Puciato von The Dillinger Escape Plan aus „Bad Fall“ einen ganz schön abgefahrenen Titel, der mit langsamen Breakbeats und eingestreuten Piano-Sprengseln beginnt, um dann in eine geloopte Sound-Kakophonie mit sich ständig wiederholenden, verzerrten Wortfetzen aus dem Munde des Gitarristen, Sängers und Remixauftragebers Mr. Victor überzugehen. Krass! Und mit der Tracknummer 13 als Abschluss des tollen Remix-Terrors geradezu ideal platziert. Der Prong-Chef sowie sein Label-Vorgesetzter Jourgensen haben also auf jeden Fall gut daran getan, die Originale in kreative Remixer-Hände zu geben. Die drei „X“ in seinem Namen hat sich das Werk aufgrund seiner überzeugenden Qualität und des gelungenen Facelifts auf jeden Fall verdient. Darüber hinaus auch viereinhalb mehr als solide Punkte beim Medienkonverter. Was will man mehr?