Vampire haben ein Imageproblem. Zwischen Hochglanz-Serien und Halloween-Deko ist von ihrer einstigen düsteren Faszination oft nicht mehr viel übrig. ‘Moonspell’ scheinen genau hier ansetzen zu wollen: Mit „Far From God“, das am 3. Juli 2026 über Napalm Records erscheint, kündigt die Band nicht nur ihr inzwischen 13. Studioalbum an, sondern auch eine Rückkehr zu genau jener dunklen, romantischen Bildsprache, die man im Genre zuletzt eher selten ernsthaft zu sehen bekam. Dass hinter dem Album mehr steckt als ein routinierter Release, zeigt schon die Entstehungsgeschichte. Fünf Jahre lang suchte die Band nach einer klaren Richtung, rang mit Unsicherheiten und stellte sich offenbar auch die unangenehme Frage, ob man überhaupt noch etwas Relevantes zu sagen hat. Kein klassischer Schnellschuss also, sondern eher ein Prozess, bei dem am Ende entschieden wurde: weitermachen – aber bewusst anders.
Die erste Single, der Titeltrack „Far From God“, liefert bereits einen vorsichtigen Eindruck davon, wohin die Reise gehen könnte. Inhaltlich dreht sich vieles um tragische, vampirische Liebe – und diesmal ist das kein bloßes Stilmittel: Frontmann Fernando Ribeiro ließ sich unter anderem vom Film Nosferatu inspirieren. Heißt im Klartext: weniger dekorativer Gothic, mehr klassische Dunkelromantik mit einem gewissen Anspruch. Klanglich wirkt das Ganze dicht, getragen und bewusst dramatisch, ohne sich direkt an aktuellen Trends zu orientieren. Auch die weiteren angekündigten Songs lassen erkennen, dass ‘Moonspell’ ihr eigenes Spielfeld klar abstecken. Titel wie „Cross Your Heart“, „Biblical“ oder „The Great Wolf in the Sky“ deuten auf jene Mischung aus Pathos, Melancholie und thematischer Schwere hin, die die Band seit jeher prägt. Gerade letzterer Track, unterstützt durch Streicher von Alicia Nuhro, könnte dabei einen der epischeren Momente markieren.
Produziert wurde das Album von Jaime Gomez Arellano, der bereits mit ‘Paradise Lost’, ‘Sólstafir’ und ‘Ghost’ gearbeitet hat – also jemand, der genau weiß, wie man Atmosphäre und Gewicht austariert. Gleichzeitig betonen ‘Moonspell’, dass sie bewusst keine Trends bedienen wollen, sondern ihre eigene DNA in den Mittelpunkt stellen. Ein Ansatz, der im Jahr 2026 fast schon wieder eigenständig wirkt. Und dann bleibt noch der selbstbewusste Unterton, der über allem schwebt: Die Band sieht „Far From God“ als Beitrag, Gothic Metal wieder aus seiner Komfortzone zu holen. Ob das am Ende tatsächlich gelingt, wird sich zeigen müssen. Aber allein dieser Anspruch sorgt dafür, dass man genauer hinhört.
Bis dahin bleibt „Far From God“ vor allem eines: ein Album, das seine Erwartungen nicht versteckt, sondern ziemlich offensiv formuliert. Ob daraus mehr wird als ein stimmiges Statement, entscheidet sich im Juli – neugierig machen ‘Moonspell’ mit den bisherigen Einblicken aber schon jetzt.
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