Wohin mit dem Schmerz, wenn er raus muss? Wie wäre es mit einer Balladensammlung? Und diese ergreifende Zusammenstellung sollte man nur hören, wenn man „stabil“ ist oder einfach mal alles rauslassen will. Mit „Melodies in Black“ vereinen Mono Inc. die ergreifendsten Balladen ihrer Musikgeschichte und liefern Songs, die in ihren melancholisch packenden Versionen, die Seele schreien lassen. Ist es nicht das, wofür sie stehen – die Stimmen des Schicksals? Die „Voices of Doom“ bündeln sich auf dieser Compilation – tieftraurig, fesselnd, sehnsüchtig, zurückblickend und doch irgendwie auch ein Stück Kraft spendend. So erwarten uns zwei Cd´s mit ganzen 34 Tracks, wobei der Titel „Scared“, der gerade nicht besser passen könnte, zum neuen Highlight gehört.

Und so macht der bereits als zweite Single veröffentlichte Track „Life Hates You“ in der Black Version den Anfang und ist wie ein „Verstehen“ des tiefsten Schmerzes, mit dem man sich nicht mehr ganz so alleine fühlen will. Der ursprünglich auf dem Album „Pain, Love & Poetry“ erschienene Song hüllt sich in sein tiefschwarzes Gewand und ist eine Symphonie des Kummers, melodisch und akustisch. Und trotz der Offenlegung des schmerzlichen Offensichtlichen fühlt sich die Seele eine Zeit lang gestreichelt. Sound und Stimme lassen die innerliche Tragik ansteigen und doch lässt dich der Track dahingleiten. „…time doesn´t pass at all, it´s all the same…when love has gone the fear remains…“

Melodisch melancholisch zeugt „In the End“ in der Pianoversion von schmerzerfüllter Leere – zart, leicht rasselnd umspielt. Gemeinsam erheben sich Martin und Katha  und der Sound gewinnt an Kraft. Es folgt „Time to Go“. Die Gitarre trägt die Trauer und Erinnerung, die Stimme ihren Schmerz, zart begleitet. Lauernd zeigt sich im Anschluss das bekannte „A Love That Never Dies“. Trommelschläge führen verheißungsvoll hinein in den Song. „…across the mountain range of fate… through a thunderstorm of letdown…“

Traumhaft schön folgt das Klavierstück, das Duett von Martin und Katha Mia – „In My Darkest Hours“ und zeugt von Liebe und Dankbarkeit. Mehrstimmig erhebt sich das Klavier und es spielen die hohen mit den tiefen Tönen, erzeugen Leidenschaft und Harmonie. „…be with me when I'm breaking down and warm me for a while…“

Der nächste Titel wurde zur ersten Single auserkoren und erhielt nicht nur musikalisch eine ergreifende Neuinterpretation. „Just Because I Love You“ zeigt sich schicksalhaft und ergreifend. Wer liebt, dem wächst die Liebe über alles hinaus, selbst über seine eigenen Wünsche. Streichend umspielt, melodisch – der Sound wächst an, wie die Tragik des Mannes, der mit sich kämpft und einen Abschluss finden will. Mehrstimmig spiegelt auch in „My Songs Wear Black“ das Klavier  die Melancholie wider. Anerkennen und es irgendwie annehmen, wie es ist – deine Songs tragen halt Schwarz.

Wie lange ist sie her, die eindrucksvolle Symphonic Tour der vier Hamburger? „Risk It All“ versetzt zurück – und was haben wir nicht alles auf uns genommen? Klavier, Streicher und Stimmleidenschaft vereinen sich zum betörenden Spiel. „…holy rain…kindered souls…take this heart and make it whole again…“ Zart und wehledig schließt sich „When All My Cards Are Played“ an.

Welche Hürden hat die Band genommen und welche gibt es noch zu nehmen? „The Tide“ führt dich zurück. Hörst du das Rauschen der Wellen? Siehst du das Schiff, auf dessen Flagge der Rabe thront? Hymnisch und zurückblickend erhebt sich der Männerchor. Und du lauscht deiner innerlichen Mundharmonika, die nach mehr von deiner Luft schreit.

Mitreißend folgt das bereits im Jahr 2013 veröffentlichte „Nimmermehr“ und noch immer bleibt dieser Abschied der besonderen Art ergreifend. Der nächste Titel zeigt sich in seiner Urversion – in traumhaft schöner Begleitung von Lisa Middelhauve. Akustisch führt dich die Gitarre, mehrstimmig, irgendwie beschwingt und doch schicksalhaft. Gemeinsam erwächst die Kraft auseinander. „…if you teach me to love…I promise you´ll be stronger then…and I´ll burn you with a love that never shades…“

Sind wir nicht Kämpfer und haben schon so viele Kämpfe ausgefochten? Zunächst sanft und dann gänzlich im Chor ausbrechend, folgt unsere Hymne „Warriors“: „… warriors walk on…nothing ventured, nothing gained…warriors never lose your way…“ Die dunklen Orte finden im anschließenden „Potter´s Field“ ihr Heim, „flötend“, tragisch, ehrend. Und auch die Unplugged Version von „Kein Weg Zu Weit“ mit Joachim Witt darf hier nicht fehlen, denn sie ist „Meilenstein“. „…gemeinsam segeln wir… bis die Sonne wieder strahlt…“ Tragisch und doch anklagend führt „A Vagabond´s Life“ noch einmal zurück und spricht für die, die nicht mehr sprechen können.

Was tun, wenn man sich gleichgültig zeigen will und doch eigentlich nicht „gleichgültig“ leben kann - wenn etwas fehlt und man nicht beieinander sein kann? Der neue Titel „Scared“ ist keine Antwort, doch eine ergreifende Momentaufnahme – sich selbst gegenüber sarkastisch und doch gesanglich tiefmelancholisch. Mehrstimmig führt das Klavier die klare, mit „sich kämpfende“ Stimme. „..I don´t care that you´re leaving…but who will be watching my sleep?...“ Schwach zart umspielt werden Stimme und Klavier, steigern sich leidenschaftlich, ehe man gedanklich zu seinen eigenen „Konsequenzen“ zurückkehrt. „…it´s not that you´re not there, it´s not the word I´m spoken….it´s too much we share we say…“

CD 2 startet noch düsterer mit „Nemesis“. Das Kirchengeläut führt dich ins Unfassbares, ehe in „Trail of Thorn“ die frechen, hohen Töne auf ihr Aufbegehren warten und schließlich vom melancholischen Klavier geführt werden. Wenn man selbst nur Kummer erfahren hat, was kann man tun – es selbst besser machen!? Und doch bleibt der Schmerz rund um Dankbarkeit und Liebe und Erleben, davon zeugt „Unconditionally“. Leicht bearbeitet zeigt sich die Stimme im nachfolgenden „Alles Was Bleibt“. Flinke Klaviertöne treten einzelnen, schreitenden gegenüber – dem noch „lebenden“ Ton. Der Sound nimmt an Fülle zu und lässt die Sterne funkeln. „… oh ich sehe dich noch immer hier, ein Schmerz der nie vergeht… Das ist alles, was bleibt…“ Zunächst bedrohlich pulsierend, steigt dann „The Heart of The Raven“ ein. Du hörst Töne, wie von einer frechen Nachtmusik, wavig dunkel umspielt. Tragisch erzählend erhebt sich die Stimme, ehe der Sound mit ihr gänzlich voll ausbricht. „…you´re here in the raven´s heart…no matter where you´ve gone…“

Die Zeit lässt vergesssen, die Zeit heilt Wunden – aber manchmal auch nicht und manchmal ist die Zeit das, was das Alleinsein unerträglich macht. Wieviel Nähe braucht ein Mensch? Es folgt das neu arrangierte „An Klaren Tagen“ und es trägt tiefen Kummer. Klar und zart finden sich Martin und Katha zu ihrem Duett zusammen und dieses Zusammenspiel der Stimmen und tragischen Inhalte erzeugt eine Dynamik, die ergreift.

Es folgt ein Titel, der einer der ersten der Band war, die ich in meinem Leben hören durfte: „If I Fail“. Dunkel und schwach steigt er ein, steigt an. Gedämpft hörst du das Schlagzeug, herannahend. Das Klavier führt dich in den Song. „…if I range or if I crawl… I will shelter you my love…“ Ein für mich sehr ergreifender Titel schließt sich an und zeigt sich in trüben Bildern der Sehnsucht, die das Klavier traurig trägt, das mit der Stimme „atmet“ – „Ghost Town Gates“: „…I will breathe you in and I won´t breathe you out… until we hear the calm again of this long forgotten place…“

Es folgt „A Better Way To Die“ – die Gitarre schillert zunächst gedämpft, voll und melodisch bündelt sich der Sound, auf dem sich die Stimme fast chillig sarkastisch bewegt. Geheimnisvoll verzaubernd, leicht windig und zart rasselnd folgt „118“. Verträumt bewegst du dich auf der Straße deiner Zeit, während dich die Gitarre sanft begleitet, eine Einheit wird mit den metallischen Schlägen des Schlagzeugs. „Twice in Life“ erinnert dich akustisch beschwingt daran, worauf es wirklich ankommt – frech, klatschend und doch schon ein bisschen zuversichtlich. „…close your eyes and the book of doubt and come closer to me…“ Nach diesem Höhenflug erinnern wir uns an all das, was wir in unser Herz geschlossen haben. Die Klavierversion von „The Best Of You“ trägt empor.

Wie alt ist er der Titel „Superman“? Dieser besondere Track hat es mit auf die Compilation geschafft. Mehrstimmig führt dich erneut das Klavier und doch klagt die Stimme provokant an – voller Hingabe und Schmerz. Wem bis jetzt kein Tränchen geflossen ist, der kann übergehen zu „When Love´s Gone“ und sich der Stimme als „erzählendem Freund“ unterwerfen. Verträumt, verspielt und gleitend zeigt sich der Titel. Stimme und Klavier werden eine Einheit. Melodisch vereinen sich die Vocals.

Wie ein musikalisch verzauberndes Märchen steigt „Never Say Die“ ein. Du hast deinen innerlichen Höhepunkt des Ausbrechens noch nicht erreicht? Folge der Piano-Version von „Pain Machine“ – aufkeimend, irgendwie sarkastisch dir selbst gegenüber. Du sinkst in deine eigene Ekstase des Kummers und gibst dich ihr im schließlich aufbrausenden Sound hin.

Wo ist dein Platz, dein Platz, der dir jetzt noch Frieden geben kann? „Study Butte“ macht den emotionalen Abschluss, steigt wavig neblig ein. Und irgendwie hast du das Gefühl, die Stimme ist nicht nur gesanglich einen Schritt zurückgetreten. Windig ist die Landschaft, windig wie dein Inneres – doch dein Kummer füllt die Leere.

Mono Inc. beweisen mit ihrer Balladen-Sammlung, dass Musik die Sprache der Gefühle ist – und so ist sie uns Ventil, Trost und Balsam – wenn denn alle Tränen getrocknet sind. „Melodies in Black“ zeugt wahrlich von Melodien in Schwarz, die eintauchen und davongleiten lassen. Setzen wir uns auf das Schiff, schauen hinauf zu der Flagge des Raben und versuchen, im ungestümen Meer nicht unterzugehen - bis das rettende Land sich durch Sonnenschein am Festland bemerkbar macht…. – denn: „…it´s not there you´re not here…“

 

27.11.2020

 

NoCut

 

https://www.mono-inc.com

 

CD 1

01. Life Hates You (Black Version)
02. In The End
03. Time To Go
04. A Love That Never Dies
05. In My Darkest Hours
06. Just Because I Love You (Black Version)
07. My Songs Wear Black
08. Risk It All (Symphonic Version)
09. When All My Cards Are Played
10. The Tide
11. Nimmermehr
12. Teach Me To Love
13. Warriors
14. Potter`s Field
15. Kein Weg Zu Weit (Unplugged) (feat. Joachim Witt)
16. A Vagabond´s Life (feat. Eric Fish)
17. Scared

 

CD 2

01. Nemesis
02. Trail Of Thorns
03. Unconditionally
04. Alles Was Bleibt
05. The Heart of The Raven
06. An Klaren Tagen (Black Version)
07. If I Fail
08. Ghost Town Gates
09. A Better Way To Die
10. 118
11. Twice in Life
12. The Best of You (Piano Version)
13. Superman
14. When Love´s Gone
15. Never Say Die
16. Pain Machine (Piano Version)
17. Study Butte