Das Leben vor der Haustür scheint gerade verdammt düster zu sein. Aber was ist mit all jenen, die nicht mal mehr diesen Schritt vor die Tür schaffen, weil sie gegen ihre eigenen Dämonen nicht mehr ankommen - wenn da jemand ist, der nicht mal mehr weiß, was er träumen soll, der nur die Einsamkeit kennt und das „Draußen“, das so anders ist, als das was der Dämon zeigt? Bereits 2013 erschien auf dem Album „Pain, Love & Poetry“ der Titel „Life Hates You“ und gerade jetzt war es an der Zeit, diesem Titel ein neues Gewand und eine „neue“ Interpretation zu geben.

Blicken wir auf das Cover, erinnert uns das zarte Abbild dessen, was wir sehen, an das schwache, zurückgebliebene „Etwas“ eines einst starken Löwenzahns – voller Leben, voller „Saft“. Doch was zurückgeblieben ist, lässt sich von jedem noch so kleinen Wind aus der „Verankerung“ reißen. Und ebenso fällt die Seele tiefer in sich selbst und kann einfach nicht wieder selbst heraus. Was bleibt ist Schwäche und doch gehört zur Schwäche auch Stärke.

Akustisch verträumt, tiefmelancholisch führt dich die Gitarre hinein in den Song. Das Schlagzeug schlägt stetig, mäßig und spiegelt den tristen Alltag und die Leere wider. Die Stimme des Sängers erhebt sich und sie trägt Wehmut und zeugt vom „Verloren sein“, vom Irgendwo im Nirgendwo – allein. „…seven seconds like seven days… time doesn´t pass at all, it´s all the same…“

Stimme und Sound gewinnen an Kraft, denn es muss hinaus, was die Seele erdrückt. „…when love has gone the fear remains…nowhere to lay your head down when it rains…“ Sanft und sphärisch wird der Refrain begleitet.  „…life hates you… but you hate this life too…“ Fast tritt der Gesang schließlich hinter dem Sound zurück, der an Fülle zunimmt und emotional weiter ins Innere führen will. Doch noch einmal erhebt sich die Stimme in der Inbrunst des eigenen Kummers. „… a picture frame full of deceit… an empty bed, an empty scene…“ Und da ist einfach niemand, an dessen Schulter du dich zum Weinen legen kannst. „…and you wait for the daylight… and you feel incomplete…“ Leicht rasselnd unterstützt das Schlagzeug - stetig, lethargisch. Und schließlich ist es die E-Gitarre, die schräg auftrumpft, um ihr Lied zu spielen und allem noch mehr Tragik zu verleihen. „…you're so alone… love has gone, the flavor stayed… the flavor of a life and all those brighter days…“ Und mit dem Abschwellen des Sounds zeigt die Stimme nun ihre ganze erdrückende, tiefschwarze Leidenschaft – wirkt wie ein Schrei, der gehört werden will. „… and you read all those poems… they describe what you feel… oh, you wish you'd be stronger… Yeah, you wish you'd be healed…“ Es ist das Leben, das du hasst – dein Leben. Die Gitarre führt schicksalhaft, vom Klavier begleitet, aus dem Song hinaus.

Und doch lassen sich der Titel und das dazu veröffentlichte Video nicht voneinander trennen, denn dieses enthält durchaus positive Akzente. Denn ist da nicht jemand – jemand, der durch kleine „Zeichen“ ein bisschen Licht in den Alltag bringt, der gemeinsam die Dämonen bekämpfen will? Ja, er ist da und gemeinsam schafft man den Schritt – hinaus vor die Tür und zurück ins Leben. Denn das Leben ist immer da, auch wenn man es nicht immer klar und deutlich sieht. Gemeinsam, nicht einsam…

 

17.11.2020

 

NoCut

 

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01. Life Hates You (Black Version)