Lights Of Euphoria - Future Unknown

Lights Of Euphoria - Future...

Früher klangen 'Lights Of Euphoria' für mich so, als hätte man eine schlecht gelaunte Industriemaschine mit mehreren Metern Kabel und einem Stapel Zoth-Ommog-Platten in einen Keller gesperrt. Das Ergebnis stampfte, knurrte und hielt Gefühle vermutlich für einen Produktionsfehler. Mehr als drei Jahrzehnte später sind die Maschinen noch immer da – inzwischen wurden sie allerdings poliert und scheinbar irgendwie mit großen Melodien ausgestattet. Was 1992 als beinahe einmaliges Projekt rund um 'Subjection' begann, entwickelte sich zu einer erstaunlich langlebigen Reise durch Dark Electro, EBM, Futurepop, Trance und Synthpop. 'Future Unknown', veröffentlicht am 28. August 2026 über - klar - Infacted Recordings setzt diese Reise nun fort. Diesmal haben die Melodien jedoch eindeutig den Betriebsrat übernommen - soviel sei schon einmal verraten.

Wer also 'Lights Of Euphoria' vor allem mit 'Voices', 'Krieg Gegen Die Maschinen' oder dem harten Comeback-Album 'Traumatized' verbindet, dürfte zunächst überrascht sein. Aggressive Sequenzen und EBM-Ausbrüche stehen hier nicht mehr im Mittelpunkt. 'Future Unknown' möchte scheinbar niemanden gegen eine Betonwand treiben. Das Album führt den Hörer lieber unter die Discokugel und erklärt ihm, dass Melancholie mit dem richtigen Beat durchaus Spaß machen kann. Und ja - verdammt, das funktioniert. Torben Schmidt, Thomas Gaarn und Jimmy Machon präsentieren sich hier als ausgesprochen melodische und emotional aufgeladene Electro- und Futurepop-Band. Pulsierende Sequenzen, warme Flächen und druckvolle Beats greifen so sauber ineinander, dass selbst ein schwedisches Möbelhaus neidisch auf die Passgenauigkeit werden könnte. Jimmy Machons markante Stimme sorgt dafür, dass die Songs trotz aller Eingängigkeit nicht versehentlich zwischen Wohlfühlpop und Staumeldung landen.

Die frühere Härte ist nicht vollständig verschwunden, sondern wurde ins Fundament verlegt. Unter den großen Refrains arbeiten weiterhin kräftige Bassläufe und Rhythmen aus der schwarzen Clubszene. Nur wird diesmal nicht mehr jede Tür eingetreten. Häufig reicht ein freundliches Klingeln. Allerdings sollte man nichts beschönigen: 'Future Unknown' klingt von vorne bis hinten ziemlich seicht und schmachtig. Große Gefühle werden nicht in homöopathischen Dosen verabreicht, sondern mit der elektronischen Gießkanne verteilt. Ecken, Kanten und hässliche Geräusche wurden offenbar bereits beim Einlass aussortiert. Normalerweise könnte eine solche Dauerbeschallung mit Sehnsucht, Liebe, Geistern und verlorenen Träumen schnell zur Fahrt im Herzchenkarussell werden. Hier gehört sie jedoch zum Konzept – und vor allem beherrschen 'Lights Of Euphoria' diese schwelgerische Disziplin ausgesprochen gut. Die Band klingt nicht, als wolle sie sich zwanghaft bei einem größeren Publikum einschmeicheln. Sie klingt eher wie jemand, der selbstbewusst zugibt, dass ein großer Refrain manchmal mehr Spaß macht als ein rostiges Stahlrohr.

Angenehm ist zudem, dass die Stücke ihre Begrüßung nicht mit einer vollständigen Lebensgeschichte verwechseln. Die meisten bewegen sich zwischen drei und vier Minuten. Die digitale Fassung kommt mit zwölf Titeln auf kompakte 44:41 Minuten. Kein Song muss noch zwei Minuten ziellos im Nebel herumstehen, nur weil der Synthesizer gerade so schön leuchtet. Refrain da, Gefühl da, Wirkung erzielt – weiter geht es. Mein erster Anspieltipp ist die schöne, ruhige Ballade 'Flames Of Passion'. Nach gerade einmal 2:54 Minuten ist sie schon wieder vorbei. Das Stück setzt auf Wärme und Melancholie und zeigt, dass 'Lights Of Euphoria' auch ohne körperbetonten Clubbeat überzeugen können. Wer bei Balladen normalerweise nervös nach dem Fluchtweg sucht, darf sitzen bleiben: Bevor es unangenehm klebrig werden könnte, ist bereits alles gesagt, geschmachtet und gefühlt. Wenn es etwas schneller werden soll, empfiehlt sich Electric Lover. Der Song pulsiert kräftiger, öffnet seine tranceartigen Flächen und liefert einen Refrain, der sich umgehend im Kopf einrichtet. Das ist eingängiger Electropop mit Gefühl, aber ohne akuten Zuckerschock – und einer jener Titel, bei denen die neue Ausrichtung besonders überzeugend aufgeht.

Auch das übrige Album bleibt sicher zwischen Tanzbarkeit und Melancholie. Titel wie 'Chasing Dreams', 'In Love With A Ghost', 'Lost At Sea' oder 'The Admiral Of Love' lassen bereits erkennen, dass hier niemand zum Betriebsausflug ins emotionale Niemandsland aufgebrochen ist. Bescheidenheit wäre bei diesen Namen ohnehin Etikettenschwindel. Ganz verschweigen sollte man nicht, dass 'Future Unknown' eher wie die sorgfältig zusammengestellte Summe der jüngsten Singles als wie ein geschlossen entwickeltes Album wirkt. Ein großer Teil des Materials erschien bereits 2025 digital. Im Lautsprecher wächst die Sammlung dennoch erstaunlich selbstverständlich zusammen. Produktion, Gesang und das konsequente Schwelgen ergeben ein stimmiges Ganzes. Etwas verwirrend sind lediglich die Fassungen: Die limitierte Splatter-LP enthält elf Stücke einschließlich 'My Confessions'. Digital gibt es zwölf Titel, dafür ohne 'My Confessions', aber mit 'No Romantics' und 'The Silent Dance'. Selbst 'Flame Of Passion' trägt dort ein zusätzliches „s“. Offenbar ist nicht nur die Zukunft unbekannt, sondern auch die endgültige Titelliste.

'Future Unknown' rasselt also nicht mit rostigen Ketten und muss niemandem beweisen, wie gefährlich elektronische Musik sein kann. Stattdessen liefern 'Lights Of Euphoria' ein warmes, kompaktes und beinahe verschwenderisch melodisches Album ab. Ja, es ist seicht und schmachtig. Ein paar zusätzliche Widerhaken hätten nicht geschadet. Aber wenn Melodien, Gesang und Produktion so überzeugend zusammenspielen, darf man sich auch einfach hineinfallen lassen. Die EBM-Muskulatur steckt noch unter der Oberfläche, darüber trägt 'Future Unknown' jedoch einen glänzenden Synthpop-Anzug. Der sitzt gelegentlich etwas zu perfekt – sieht aber verdammt gut aus. Die Zukunft mag unbekannt sein. Dass 'Lights Of Euphoria' darin hervorragend klingen, steht dagegen ziemlich eindeutig fest.

Lights Of Euphoria - Future Unknown
Eingebettete Inhalte nicht verfügbar
Dieser Inhalt kann nicht angezeigt werden, da du der Verwendung externer Cookies und Inhalte von Drittanbietern nicht zugestimmt hast. Um das Video/Bild/etc. zu sehen, kannst du deine Cookie-Einstellungen hier anpassen. Weitere Informationen zu den verwendeten Diensten und deren Datenschutzpraktiken findest du in unserer Datenschutzerklärung. Vielen Dank für dein Verständnis.
Lights Of Euphoria - Future Unknown
Kommentarfunktion nicht verfügbar!
Dieser Inhalt kann nicht angezeigt werden, da du der Verwendung externer Cookies und Inhalte von Drittanbietern nicht zugestimmt hast. Um die Kommentarfunktion zu nutzen, kannst du deine Cookie-Einstellungen hier anpassen. Weitere Informationen zu den verwendeten Diensten und deren Datenschutzpraktiken findest du in unserer Datenschutzerklärung. Vielen Dank für dein Verständnis.

Medienkonverter.de

Wir verwenden Cookies zur Optimierung unserer Webseite. Details und Einstellungen finden Sie in der Datenschutzerklärung und im Privacy Center. Ihre Einwilligung ist jederzeit widerrufbar. Soziale Netzwerke & Drittanbieter-Inhalte können angezeigt werden. Mit „Alle akzeptieren“ stimmen Sie (widerruflich) auch einer Datenverarbeitung außerhalb des EWR zu (Art. 49 (1) (a) DSGVO).