Wer Musik am liebsten mit Klarnamen, Kreditkarte und lückenlos gepflegtem Spotify-Profil serviert bekommt, muss jetzt kurz stark sein: Das anonyme iranische Trio 'Mousecunt' veröffentlicht am Freitag, den 25. September 2026, sein neun Stücke umfassendes Album „Orgasmic Mouse“. Gleichzeitig handelt es sich um die erste Veröffentlichung des ebenfalls neuen und ausgesprochen verschwiegenen Labels Infibulate Records.
Nach Angaben der Plattenfirma arbeitet 'Mousecunt' seit 2022 im Verborgenen. Auf private Aufnahmen und unangekündigte Auftritte folgte 2026 eine zweiwöchige Studiosession an einem nicht näher genannten Ort in Aserbaidschan. Eine Frau übernimmt Nord-Synthesizer und Gesang, ihre beiden Mitstreiter kümmern sich um Gibson-Gitarre, Höfner-Bass, Tama-Schlagzeug und weitere Stimmen. Abgemischt und gemastert wurde das Material von einem ebenfalls anonym bleibenden Toningenieur in den USA. Unauffälliger lässt sich ein Waschzettel kaum mit Personalien füllen. Musikalisch soll „Orgasmic Mouse“ zwischen Industrial, Hard Rock, Metal, Gothic Electronics, Samples und kargeren Synthesizer-Percussion-Passagen pendeln. Ebenso wenig bequem fallen die Texte aus: Sexualität, Religion, Demütigung, familiäre Gewalt und Verlassenwerden begegnen einem unzuverlässigen Erzähler, der fortlaufend Identität, Alter und Perspektive wechselt. Mal wird angeklagt, mal zurückgeschlagen und zwischendurch verwandelt sich ein Gebet in etwas erheblich Unheilvolleres.
Dass sich 'Mousecunt' bedeckt halten, dürfte deshalb mehr als ein Marketingkniff sein. Weiblicher Sologesang vor gemischtem Publikum unterliegt im Iran weiterhin starken Einschränkungen. Bei Texten über Sex, Religion und häusliche Gewalt könnte eine offengelegte Identität daher vermutlich ein erhebliches persönliches Risiko bedeuten – ob dies tatsächlich der konkrete Grund für die Anonymität der Band ist, lässt sich allerdings nicht unabhängig bestätigen. Der zentrale Titel „The Orgasming“ kann bereits kostenlos gestreamt und als MP3 heruntergeladen werden. Für die analoge Untergrundversorgung entstehen außerdem nur 30 handnummerierte schwarze Kassetten, deren Gehäuse jeweils eine eigene handgezeichnete Gestaltung erhalten. Der Preis beträgt 35 US-Dollar, bezahlt wird allerdings ausschließlich in der Kryptowährung Monero. „Orgasmic Mouse“ erscheint ohne Bandcamp, Spotify oder gewöhnlichen Onlineshop – hier bleibt sogar der Vertriebsweg konsequent im Schatten.
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