Über 35 Jahre Bandgeschichte, 27 Studioalben und kein bisschen leiser geworden – 'Inkubus Sukkubus' sind der lebende Beweis dafür, dass Konstanz nichts mit Stillstand zu tun haben muss. Seit ihrer Gründung 1989 bewegen sie sich unbeirrt durch eine Welt aus Okkultismus, düsteren Legenden und folkloristischem Grusel – und haben sich dabei einen Sound erarbeitet, der sofort identifizierbar ist. Man könnte jetzt sagen: „Die machen ja immer das Gleiche.“ Und ja – tun sie. Aber auf eine Art, die so überzeugend ist, dass man sich eher fragt, warum andere Bands das nicht auch so gut hinbekommen. Denn während sich die Szene in Wellen bewegt, Trends aufpoppen und wieder verschwinden, stehen 'Inkubus Sukkubus' eben stoisch daneben und ziehen ihr Ding durch – mit einer Mischung aus Hingabe, Sturheit und erstaunlicher Treffsicherheit. Ihr Status? Irgendwo zwischen Kultband und Dauerinstitution. Eine dieser Gruppen, die vielleicht nie die ganz großen Schlagzeilen dominiert haben, dafür aber über Jahrzehnte hinweg eine treue Anhängerschaft aufgebaut haben, die genau weiß, warum sie immer wieder zurückkommt. Mit 'Eternal Monsters' liefern sie nun ihr nächstes Kapitel ab. Und die eigentliche Frage ist längst nicht mehr, ob sie sich neu erfinden – sondern ob sie es schaffen, ihre eigene Formel erneut so aufzuladen, dass sie nicht nur funktioniert, sondern mitreißt. Manche Bands entwickeln sich weiter – 'Inkubus Sukkubus' entwickeln Tiefe.
'Eternal Monsters' fühlt sich an wie das Öffnen einer vertrauten Tür – nur dass dahinter kein gewöhnlicher Raum wartet, sondern ein perfekt ausgeleuchtetes Schattenreich. Alles ist dort, wo es sein soll. Und genau das ist der erste große Pluspunkt dieses Albums: Es weiß ganz genau, was es ist – und verzichtet dankend auf jede Form von Identitätskrise. Musikalisch bewegen sich 'Inkubus Sukkubus' weiterhin in ihrem ureigenen Spannungsfeld aus Gothic Rock, Pagan-Einflüssen und einer dichten, fast greifbaren Atmosphäre. Die Gitarren sind klar, melodisch und treibend, ohne jemals zu dominant zu werden. Sie funktionieren nicht als Selbstzweck, sondern als tragendes Gerüst, auf dem sich der Rest des Albums entfalten kann. Die Klangflächen legen sich wie ein warmer, leicht unheimlicher Schleier über das gesamte Werk. Es ist diese Mischung aus Klarheit und Nebel, die 'Eternal Monsters' so wirkungsvoll macht. Man hat das Gefühl, sich durch Szenen zu bewegen statt einfach nur Songs zu hören – durch dunkle Wälder, verlassene Gemäuer und ritualhafte Momentaufnahmen. Der Gesang setzt dem Ganzen die Krone auf. Verführerisch, erzählerisch, mit genau der richtigen Portion Pathos, ohne ins Kitschige abzurutschen. Und ja – hier wird es wieder persönlich: Genau so muss das klingen. Alles andere würde in diesem Kontext schlicht nicht funktionieren.
Was dieses Album allerdings besonders auszeichnet, ist seine Energie. Nach so vielen Jahren wirkt hier nichts müde, nichts abgespult, nichts nach „Pflichtübung“. Stattdessen bekommt man ein Werk, das erstaunlich lebendig klingt – fast so, als hätte die Band selbst gerade erst entdeckt, wie gut ihr eigener Sound eigentlich funktioniert. Und trotzdem – und das gehört zur Ehrlichkeit dazu – gibt es einen kleinen Haken: 'Eternal Monsters' ist in seiner Konsequenz manchmal fast zu komfortabel. Die Songs bewegen sich so sicher innerhalb der bekannten Grenzen, dass echte Überraschungsmomente rar bleiben. Es ist ein Album, das lieber vertieft als variiert – was großartig funktioniert, aber eben auch dazu führt, dass sich einzelne Passagen leicht vorhersehbar anfühlen können. Aber – und das ist entscheidend – diese Vorhersehbarkeit kippt nie in Langeweile. Im Gegenteil: Sie wirkt eher wie ein bewusst gewählter Stil. Wie ein Ritual, das gerade deshalb funktioniert, weil jeder Schritt bekannt ist. 'Eternal Monsters' ist kein Album, das dich überrascht – es ist eines, das dich langsam, aber sicher in seinen Bann zieht und dann nicht mehr loslässt. Und genau darin liegt seine Stärke.
Fazit: 'Eternal Monsters' ist ein verdammt starkes Album – nicht, weil es alles anders macht, sondern weil es genau weiß, was es kann, und das auf einem bemerkenswert hohen Niveau ausspielt. 'Inkubus Sukkubus' liefern hier keine Revolution, sondern eine Verfeinerung ihres eigenen Kosmos. Und die ist verdammt gelungen. Für Fans der Band ist das hier sowieso ein Selbstläufer – Pflichtprogramm ohne Diskussion. Punkt. Wer Gothic Rock mit Pagan-Einflüssen, okkulter Ästhetik und einer dichten Atmosphäre liebt, wird dieses Album nicht nur mögen, sondern sich regelrecht darin verlieren. Weniger geeignet ist das Release für Hörer, die nach radikalen Stilwechseln oder überraschenden Wendungen suchen. Wer erwartet, dass sich eine Band nach über drei Jahrzehnten komplett neu erfindet, wird hier nicht fündig – und das ist auch gut so. Denn unterm Strich bleibt ein Album, das zeigt, wie kraftvoll Konstanz sein kann, wenn sie mit Leidenschaft und Können umgesetzt wird. Oder ganz einfach: Wenn das hier Routine ist, dann bitte nie damit aufhören sondern: bitte mehr davon!
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