Mit ‚Imminent‘ dockt ‚Hlad‘ beim bekannten Label ‚Cryo Chamber‘ an – und das fühlt sich ungefähr so logisch an wie ein rostiger Aufzug in einem verlassenen Bunker, der trotzdem noch zuverlässig in den Keller fährt. Hinter dem Projekt steckt Alexander Kuz, ein Musiker, der offensichtlich weiß, wie man mit reduzierten Mitteln maximale Atmosphäre erzeugt. ‚Imminent‘ ist so auch gar kein Album geworden, das sich aufdrängt oder um Aufmerksamkeit buhlt. Es steht einfach da, summt leise vor sich hin – und wartet geduldig darauf, dass man näherkommt. Wer hier nur „ein bisschen Ambient nebenbei“ erwartet, wird freundlich, aber bestimmt eines Besseren belehrt.
Musikalisch bewegt sich ‚Imminent‘ tief im experimentellen Ambient-Kosmos, mit klarer Nähe zu Dark Ambient und mechanischen Drone-Strukturen. Statt klassischer Melodieführung gibt es lange, gehaltene Synth-Flächen, schwer atmende Drones und eine Vielzahl fein dosierter Störgeräusche. Klicks, Knacken, Glitches, leicht flatternde Sounds – alles wirkt, als stamme es aus Maschinen, die eigentlich längst abgeschaltet sein müssten, aber immer noch tapfer ihren Dienst verrichten. Besonders spannend ist, wie bewusst auf große dramatische Momente verzichtet wird. Es gibt keine lauten Ausbrüche, keine plötzlichen Wendungen. Die Spannung entsteht schleichend, fast hinterhältig. Je länger man zuhört, desto deutlicher merkt man: Hier passiert mehr, als man auf den ersten Blick – oder besser: auf das erste Hören – vermutet. Kleine Verschiebungen im Klangbild, subtile Veränderungen in der Textur, minimale rhythmische Impulse sorgen dafür, dass das Album ständig in Bewegung bleibt, ohne je hektisch zu wirken.
‚Imminent‘ spielt auch sehr bewusst mit dem Begriff „Ambient“. Das ist keine beruhigende Hintergrundmusik für den Sonntagnachmittag. Diese Klänge wollen Aufmerksamkeit. Sie fordern Konzentration und eine gewisse Offenheit ein. Für mich liegt genau hier eine der größten Stärken des Albums: Es zwingt einen dazu, wirklich zuzuhören. Wer abschweift, verpasst Details – und davon gibt es reichlich. Trotz der durchgehenden Atmosphäre wirkt das Album nicht monoton. Vielmehr entfaltet sich über die Laufzeit eine Art unterschwellige Dramaturgie. Die Klangräume verändern sich langsam, werden dichter, dann wieder offener, ohne den roten Faden zu verlieren. Alles fühlt sich sorgfältig gebaut und sehr kontrolliert an – kein Sound wirkt zufällig oder überflüssig.
‚Imminent‘ ist damit ein Album für Menschen mit Geduld, Neugier und einer gewissen Liebe für das Unbequeme. Wer Dark Ambient, experimentellen Drone und mechanische Klangarchitektur schätzt, wird hier tief eintauchen können. Persönlich hat mich ‚Imminent‘ genau wegen seiner Zurückhaltung überzeugt: Es schreit nicht, es flüstert – und manchmal ist das deutlich eindrucksvoller.
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HLAD - Imminent
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