Es ist dieser eine Satz, der stellvertretend das ganze Album repräsentiert: "Bitte, schalt' mich ab - mein Leben schmerzt" und das, während im Hintergrund eine Beatmungsmaschine zu hören ist. Pein und Todessehnsucht vereint im fatalistischer Konsequenz. Herz Jühnings neues Album beschäftigt sich aber nicht nur mit dem Lebensende, sondern mit dem Kreislauf von Werden und Vergehen, den auch der aus dem Sanskrit stammende Titel des Albums, "Samsara", repräsentiert. Dieser Kreislauf ist in indischen Religionen mit Leid verbunden, im Galakthorrö-Kosmos sowieso. Kein Wunder also, dass wir es im ersten Song "Kreislauf" auch gleich mit der Reinkarnation eines Selbstmörders zu tun bekommen.

So abwegig und skurril geht es weiter, etwa bei der 'Liebeserklärung' an das eigene Krebsgeschwür in "Metastase" oder bei der Beschäftigung mit dem Schwebezustand zwischen Leben und Tod während eines Komas. Doch ganz so trostlos will uns Herz Jühning dann doch nicht zurück lassen, am Ende wird uns in "Wiedereintritt" doch noch ein Hoffnungsschimmer angeboten. Musikalisch ist das Album wieder eindeutig eine Galakthorrö-Platte geworden, wen wundert's. Dennoch klingen die neuen Songs von Herz Jühning düsterer und trostloser als bisher. Das könnte natürlich dem Thema geschuldet sein. Ein analoger Sound aus Brummen, gepaart mit verzerrtem Sprechgesang und metallischen Schlägen, mal langsam vor sich hin mäandernd ("Kreislauf"), mal druckvoll pulsierend mit gespenstischen Tönen im Hintergrund ("Phantom Pain").

Die beiden Koma-Songs in der Mitte des Albums bilden einen eigenen, in sich geschlossenen Kosmos, der durch Geräusche von medizinischen Geräten den Eindruck vermittelt, man wäre direkt in die beschriebene Szenerie einbezogen, stünde neben dem Bett eines komatösen Patienten oder wäre gar selbst der Eingesperrte. Kombiniert mit der anfangs erwähnten Bitte um Abschaltung ein morbides Vergnügen. Dafür wird man mit pulsierenden, knarzigen Beats und Geschrei beim nachfolgenden "Pain Sets In" gleich wieder aus diesem Gefühl heraus gerissen. Interessant ist auch "Dead Air", ein Zusammenschnitt verschiedener Samples zu einer Art Frequenzdurchlauf im Radio, bei dem letztlich Geister zu hören sind, die um Hilfe bitten.

"Samsara" ist eine verstörende und gleichzeitig faszinierende Platte. Genau das will und erwartet man ja auch. Das Album fügt zwar keine neuen Aspekte zum Galakthorrö-Sound hinzu, reizt diesen aber gekonnt aus.