‚…lass uns endlich Puppen sein, uns soll alles schnuppe sein…!‘. Nachdem DAF nach wie vor einen sehr sparsamen Output haben, legt auch Gabi Delgado erst nach 30 Jahren Pause (in Worten dreissig!) sein zweites Solo-Werk vor. ‚1‘ heisst es, obwohl es nach ‚Misstress‘ eigentlich ‚2‘ heissen müsste. ‚18 Lieder‘ hätte man es auch nennen können, aber irgendwie gab es glaub ich schon mal etwas mit einen ähnlichen Namen. Erkennt man den Frontman der legendären Sequencer-Combo nun wieder? Ja und nein – denn was zählt zu den Kriterien dies zu beurteilen? Zunächst wären da die Texte. Diese sind sehr verspielt, sehr, sehr verspielt, könnte man schon sagen, und in großen Teilen der Neuen Deutschen Welle zuzuschlagen. Beste Beispiele sind ‚Puppen‘ oder ‚Science Fiction Liebe‘. Wer dafür offen ist, das neue Werk von Delgado mit einem Schmunzeln zu betrachten, wird in der Tat ein Zucken in den Mundwinkeln mit Tendenz nach oben spüren. Denn die harte Art die Delgado mit DAF sonst an den Tag legt, weicht er sprachlich aber auch musikalisch auf: zwischen frühem Sven Väth und Andreas Dorau mit seiner Musik ungeklärter Herkunft findet man sich von der Produktion her wieder. Wenig Kanten sind vorhanden, leider, Vieles ist auf Spass-Sound-Maschinerie getrimmt und wummert vor sich hin wie die Technotracks der vergangenen Jahrzehnte. Nicht schlecht aber auch irgendwie irritierend. Acid-Inferno in 'Brutal Tanzen', trancig angefixte House-Beats in 'Nebelmaschine' oder gar ein Hauch von 2Raumwohnung in 'Die Zukunft'. Wo soll das nur hinführen? Siehst so die Zukunft wirklich aus? Cool kommt das minimale und vom Text her auch sehr amüsante 'Strassenloop', das auch eine Hilde Knef hätte singen können; vom Sprechgesang natürlich, nicht vom Text her! ‚Große‘ Lyrik vor bedenklicher Techno-Kulisse *äääähh, ja!*. Ein Song heisst 'Langweilig'. Gerade haben Schwefelgelb neues Material veröffentlicht, nicht schlecht...
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