Glaubt man dem Flyer der Plattenfirma, so haben wir hier das ‚next big thing’ in der momentan doch so drögen Musiklandschaft! Ihre Veröffentlichungen so zu deklarieren ist natürlich Aufgabe jedes Labels, so dass man die überschwänglichen Worte nicht von vorneherein für bare Münze nahmen darf sondern kritisch nachhören muss. Digital Factor in den 90ern, das ist an mir vorbeigegangen, da mich damals die Noel Gallaghers und Massive Attacks dieser Welt mehr interessiert haben. Und so gehe ich ganz unvorbelastet an diesen Review und beurteile das, was ich jetzt und hier höre. Der erste Durchlauf beschert ein Wechselbad der Gefühle. Einige sehr gute Tracks wechseln sich mit weniger ansprechenden Songs ab. Der angekündigte EBM ist in großen Teilen durchzuhören, man beschränkt sich allerdings keinesfalls auf das Genre, sondern macht bspw. mit ‚Conspiracy’ mit weiblicher Gaststimme einen Ausflug in die Electro-Pop Ecke; und das klappt gut. Es scheint, als wolle man sich aber bewusst von Mode-Erscheinungen wie Future-Pop und Electro-Clash distanzieren und so kommen die meisten Beiträge sehr direkt mit harten Drums daher. Wer die Stärken von Digital Factor2 hören möchte dem seien Tracks wie ‚Revolution’ oder ‚Phase2’ ans Herz gelegt, wer auch die etwas schwächeren Seiten antesten mag sollte sich an ‚The Li(e)ons’ wagen, das mit WM2006-Mitsing-Refrain fast schon ein wenig Angst macht. Nitzer Ebb angelehnte Bass-Läufe auf dem Keyboard bei mittlerem Tempo zeichnet ‚Superlife’ aus, das ebenfalls zu den besseren Tracks gehört, genauso wie ‚Die Liebe’, gesungen auf Deutsch und Englisch. Auf den Greyhound Remix von ‚Die Liebe’ hätte man getrost verzichten können, denn was Jim Thirwell in den 90ern bzgl. des Stilmittels ‚Distortion’ bei 242 und NIN Remixen richtig gemacht hat wird hier völlig breiig und überzogen schlecht kopiert. Schliesslich noch ein Wort zu 'Money' das entspannt und trotzdem spannungsgeladen (ja das geht!) aktuelle Sounds mit klassischen Elementen und Flächensound-geprägten Breaks vereint. Auch reinhörenswert... Was bleibt ist eine Scheibe, die durchaus überzeugende Momente liefert, allerdings nicht als Ganzes überzeugen kann.