Die Perlen - Wirf Mich Bitte Weg!

Die Perlen - Wirf Mich...

Ferdinand Steinbart (Drunkness) und Katja Heller haben mit „Die Perlen (vor die Säue)“ ein Projekt ins Leben gerufen, dessen Songs mich beim ersten Durchlauf ehrlich gesagt nicht sofort umgehauen haben. Der unmittelbare Eindruck blieb eher verhalten, fast schon nüchtern. Doch da bekanntlich jeder Veröffentlichung – und vielleicht auch jeder Hörende – eine zweite Chance verdient, habe ich mir das Album in Ruhe noch einmal vorgenommen. Und siehe da: Beim erneuten Hören fiel mein Urteil deutlich weniger rigoros aus als zunächst befürchtet.

Was man den Perlen ohne Einschränkung zugutehalten muss, ist ihre angenehm unbeschwerte Herangehensweise. Zu keiner Zeit entsteht der Eindruck, dass Ferdinand und Katja bewusst Klischees bedienen oder sich krampfhaft an gängigen Genre-Konventionen orientieren wollen. Stattdessen wirkt die Musik erstaunlich unbekümmert und frei von kalkulierter Attitüde. Man hört den Aufnahmen an, dass hier zwei Menschen mit sichtbarem – oder besser: hörbarem – Spaß an der Sache gearbeitet haben. Dieses spielerische Element verleiht dem Album stellenweise eine gewisse Leichtigkeit, die im elektronischen Umfeld nicht selbstverständlich ist.

Bleiben wir bei der Musik selbst: Einige Stücke gefallen mir wirklich gut und entfalten mit der Zeit ihren ganz eigenen Charme. Andere Songs hingegen wirken unausgegoren oder schlicht misslungen. Vor allem der Gesang passt an manchen Stellen nicht recht zum musikalischen Unterbau, was einzelne Titel etwas aus dem Gleichgewicht bringt. Hinzu kommt, dass einige Stücke beinahe entrückt wirken, als hätten sie sich von der Grundidee des Albums entfernt. Ein gutes Beispiel dafür ist „A New Day Begins“, ein Song, der problemlos von einer komplett anderen Band stammen könnte und sich nur schwer in den Gesamtkontext einfügt.

Insgesamt hinterlässt die CD dadurch einen etwas unrunden Eindruck. Gleichzeitig sorgt genau diese Uneinheitlichkeit aber auch für Abwechslung und verhindert, dass sich das Album in Monotonie verliert. Die Perlen scheinen bewusst offen für unterschiedliche musikalische Einflüsse zu sein, weshalb ich gar nicht erst den Versuch unternehmen möchte, dieses Album eindeutig einem Genre zuzuordnen. Am ehesten bewegt sich das Ganze irgendwo zwischen Synthiepop und Electro – wobei selbst diese Einordnung nur als grobe Orientierung taugt.

Der Titel „Bitte wirf mich weg!“ steht exemplarisch für den Charakter des Albums: eine Gratwanderung zwischen Experiment und Zugänglichkeit, nah am Risiko, aber stellenweise dennoch clubtauglich. Genau diese Ambivalenz prägt auch meinen Gesamteindruck. Am Ende bleibt ein gemischtes, nicht durchweg überzeugendes, aber durchaus interessantes Album, das von seiner Unangepasstheit lebt. Abschließend noch eine praktische Information: Die CD kann für 10,- DM pro Stück zuzüglich 5,- DM für Porto und Verpackung bestellt werden – ein fairer Preis für ein Projekt, das zwar nicht restlos überzeugt, aber definitiv neugierig macht.

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