Rein von meinem subjektiven Empfinden her steigt die Zahl der interessanten Veröffentlichungen aus dem Bereich Industrial Rock in letzter Zeit erfreulicherweise wieder an. Dabei kommen einige Neuheiten überraschenderweise aus Frankreich. Ziemlich abgefahrene Raketen haben dabei Punish Yourself und Jabberwock abgefeuert und aus diesem Umfeld kommen auch Dexy Corp. Mit „Fragmentation“ schicken die fünf Jungs nach einer EP ihre offizielle Debütscheibe ins Rennen, die sehr amerikanisch rüberkommt. Echter, harter und ungeschminkter Industrial Rock ohne Schnörkel und auch fast ohne Pause. Das Tempo ist eigentlich über die gesamte Albumlänge hoch, aber bei Tracks wie „Anhedonie“ wird das Tempo gut variiert und mit dem Mix aus Elektronik und fetten Gitarren gespielt. Etwas unangenehm ist mir, dass „Fragmentation“ mir zwischendurch klar macht, dass ich älter werde. Rückkopplungen wie am Ende von „Beat Me“ und andere Störsounds begeistern mit nämlich überhaupt nicht mehr und verleiden mir das ein oder andere Stück. Besonders negativ fällt mir dies bei „Proselytes“ auf, denn gerade als der Song sich lange aufgebaut hat und bereit wäre um in ein erlösendes Finale zu münden, wird er über diese Breaks zu schnell abgewürgt. Hier liegt aus meiner Sicht auch ein Grundproblem der Franzosen. Vielen Songs fehlt das gewisse Etwas. Leider sind mehrere Songs trotz aller Intensität einfach zu beliebig um überzeugen zu können. Bei „Faceless“ passt dazu sogar der Songtitel. Mein Favorit ist „A Needle In Each Arm“. Klingt wie ein Gastauftritt von Nivek Ogre (Skinny Puppy) bei einer Unit 187 Nachfolgeband. Gerade live dürften diese zweieinhalb Minuten sehr unterhaltsam sein. „Fragmentation“ ist keine Sensation und eine Vorliebe für diese Genre ist die Grundvoraussetzung um die vierzig Minuten zu überstehen, aber wer früher (oder heute noch) Bands wie die erwähnten oder auch 16Volt geschätzt hat, sollte ein Ohr riskieren und wie ich Dexy Corp im Auge behalten. Zwar fehlt ein richtiger Hit um sich nachhaltig in meinem Gehörgang festzusetzen, aber die Anspieltips „A Needle In Each Arm“ oder „Incandescent World“ und der kleine Weltuntergang den Dexy Corp als Ghosttrack versteckt haben, blasen einem prima die Gehörgänge frei. Aus denen kann noch was werden!