Devision Redux - Echoes We Keep

Devision Redux - Echoes We...

Ein Gedankenspiel! Was wäre denn eigentlich, wenn 'De/Vision' nie so geklungen hätten, wie wir sie alle kennen – sondern vielleicht schon immer nach 2 Uhr morgens im Club? Genau dieses Fantasiegebilde ist 'DeVision Redux'. Mit 'Echoes We Keep' öffnen 'Steffen Keth' von 'De/Vision' und 'Daniel Myer', der mit Projekten wie 'Haujobb', 'Architect' oder 'Liebknecht' die elektronische Szene mitgeprägt hat eine Art alternatives Klanguniversum, in dem bekannte Songs ein zweites Leben führen. Gleiche DNA, nur andere Realität. Und genau das macht es in diesem Fall so reizvoll. Und vielleicht noch wichtiger ist: Das hier ist nicht irgendein Nebenbei-Projekt, sondern das erste vollständige Album dieses Paralleluniversums. Also kein loses Experiment – sondern ein ziemlich klar gesetzter Startpunkt.

Und bevor jetzt jemand vorschnell die innere „Das-braucht-doch-kein-Mensch“-Schublade aufzieht: 'DeVision Redux' ist kein Ersatz für 'De/Vision', kein finales Kapitel und schon gar kein nostalgischer Abgesang. Es ist eine zusätzliche Ebene im Bandkosmos. Eine bewusste Erweiterung. Die Idee dahinter ist ebenso simpel wie effektiv: zentrale Songs werden neu interpretiert – clubbiger, moderner, teilweise minimalistisch reduziert, aber konsequent elektronisch gedacht. Und das Entscheidende: Das Ganze ist nicht im Studio entstanden, weil man irgendwann dachte „Ach, wir könnten mal…“, sondern hat seinen Ursprung auf der Bühne. Erst die Live-Shows, dann die konsequente Weiterentwicklung im Studio. Und genau das hört man hier auch. Das ist keine Theorie – das ist echte Praxis mit Puls.

Spätestens seit der ersten Redux-Version von 'Synchronize' war klar, wohin die Reise geht. Hier wird nicht vorsichtig modernisiert – aber eben auch nicht radikal alles eingerissen. Die Songs werden spürbar weiterentwickelt, tanzbarer, klarer, moderner gedacht, ohne ihre Identität zu verlieren. Und genau das ist der entscheidende Punkt: Die Nähe zum Original bleibt erhalten, auch wenn sich das Klangbild deutlich verschiebt. Der klassische, oft angenehm schwelgerische Synthpop-Charme wird zurückgenommen, aber nicht ersetzt. Stattdessen treten klar strukturierte Beats, reduzierte Arrangements und eine stärkere Nähe zur Clubästhetik in den Vordergrund. Weniger warme Fläche, mehr präzise gesetzte Impulse. Weniger Rückblick, mehr Gegenwart. Oder anders gesagt: weniger Sofa, mehr Stroboskop – aber immer noch im selben Raum. Und genau da liegt der Punkt. Diese Anpassung wirkt nicht wie Verzicht, sondern eher wie ein einmal kräftig aufgeräumtes Wohnzimmer – plötzlich sieht man, was da eigentlich die ganze Zeit schon gut war. Alles Überflüssige raus. Übrig bleibt Substanz. Die Songs wirken nicht kleiner, sondern irgendwie präziser. Kühler vielleicht, aber auch direkter. Und ja: Einige dieser Stücke profitieren hier deutlich vom Update. Mehr, als man ihnen vielleicht zugetraut hätte.

Viele sprechen davon, dass neue Details hörbar werden. Stimmt! Dinge, die früher im Klangbild eingebettet waren, treten jetzt klarer hervor. Strukturen werden sichtbarer, Spannungsbögen greifbarer. Das funktioniert. Überraschend gut. Und es zeigt nebenbei etwas, das man leicht vergisst: Diese Songs sind verdammt gut gebaut. Ein ganz entscheidender Faktor ist meiner Meinung nach dabei die Handschrift von 'Daniel Myer'. Das hier ist keine „feat.“-Nummer für die Vita, sondern eine klare gestalterische Ansage. Produktion, Arrangement, Sounddesign – alles wirkt durchdacht, fokussiert und erstaunlich konsequent. Das ist kein Flickenteppich, sondern ein Konzept mit klarer Linie. Genau deshalb kippt das Ganze auch nie in beliebige Clubware ab, sondern bleibt musikalisch interessant. Und trotzdem bleibt die emotionale DNA erhalten. 'Steffen Keth' sorgt weiterhin für diesen melancholischen, eleganten Grundton, der 'De/Vision' seit Jahrzehnten auszeichnet. Nur steht diese Stimme jetzt nicht mehr auf einem weichen Klangteppich, sondern auf einem kühleren, pulsierenden Fundament. Das verändert die Wirkung massiv. Weniger verträumt, mehr direkt. Weniger Rückzug, mehr Moment. Und genau daran wird es sich für manche entscheiden.

Auch der Kontext passt: Veröffentlichung über 'Popgefahr Records', gewachsene Live-Erfahrung, Support-Slots im Umfeld von 'Forced To Mode' und die klare Ansage, dass das hier keine Eintagsfliege bleiben soll. Im Gegenteil: Es fühlt sich eher wie der Aufbau eines zweiten Standbeins an. Und ganz ehrlich – wenn das auf diesem Niveau weitergeht, wäre alles andere verschenkt. 'Echoes We Keep' zeigt, dass diese Songs auch unter anderen Bedingungen funktionieren – und zwar verdammt gut. Für mich ist das ein Release für alle, die Lust auf Perspektivwechsel haben. Für Hörer, die Synthpop mögen, aber auch mit moderner, etwas kühlerer Elektronik etwas anfangen können. Für alle Tänzer, Zweifler und neugierige Nostalgiker.

Ich hatte erwartet, das interessant zu finden. Ich hatte nicht erwartet, dass es mich so überzeugt. Und genau das ist vielleicht das größte Kompliment an 'DeVision Redux': Dieses Paralleluniversum ist kein nettes Experiment. Es ist eine ziemlich starke Idee – und gefährlich nah daran, mehr als nur eine Alternative zu sein. Seit langem mal wieder volle Punktzahl! :-)

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