Donnergrollen, ein Kind, das nach der Mutter schreit. Mit diesem beängstigenden Intro stimmt das Freiberger Projekt Cephalgy den Hörer in seinen zweiten Longplayer „Finde Deinen Dämon“ ein. Folgen wir also dem Aufruf und begeben uns auf die Suche nach demselben. Die Begegnung mit den eigenen Untiefen gestaltet sich dabei überraschend flott und tanzbar. Jörg Göhler, der kreative Kopf und Sänger bei Cephalgy weiß offensichtlich sehr genau, wie man die Hörer an die Boxen fesseln kann. Nahezu alle Tracks sind dominiert von treibenden Beats und Jörgs durchdringender, manchmal monotoner Stimme, die sehr gut zu den Eletronics passt. Für Abwechslung sorgen gezielt eingesetzte Samples, so z.B. aus dem Film Pitch Black, das das dunkle, beinahe nur auf Beats und Gesang reduzierte „From My Hands“ einleitet. Ebenfalls werden religiöse Zitate verwandt. Bei„Vater“ finden sich im Intro Worte aus dem Buch Hiob, bevor kraftvolle EBM-Anleihen den verzweifelten Hilfeschrei begleiten und im Titelsong „Finde Deinen Dämon“ führen lateinische Worte aus einer alten Lithurgie (Sacramentarium Veronense) zum düsteren, von leisen Mönchsgesängen begleiteten Flehen um Erlösung. So gekonnt die Samples auch ausgewählt wurden, die von Cephalgy selbst beigesteuerten Texte wirken manchmal etwas sehr plakativ. Liebe Leute, eine Zeile wie „...wenn mein Tod, selbst gemordet, kein Beweis für Liebe ist...“ (aus „Teile mit mir die Einsamkeit“), das hatten wir doch schon in x-Versionen! Dann lieber ein wirklich melancholischer Song wie „Mein Versprechen“. Hier gibt sich die neue Sängerin bei Blutengel, Ulrike Goldman (ex Say Y) die Ehre und bildet mit ihren Vocals einen harmonischen Gegenpo(h)l zu Jörgs kräftiger Stimme. Die Lyrics gehen gerade noch so durch, wenngleich ich die Sehnsucht am Grab der Geliebten textlich auch schon besser umgesetzt vernommen habe. Also, meinen Dämon habe ich nach mehrmaligem Anhören des Albums nicht gefunden, dafür jedoch eine musikalisch durchweg überzeugende Dark-Elektro-Scheibe, die gleichermaßen für die Tanzfläche wie für die heimische Anlage geeignet ist und im Vergleich zum Vorgänger „Engel sterben nie“ runder und ausgereifter wirkt. Na, und an den Texten kann man ja noch arbeiten...