Die französische Musik verliert eine ihrer eigenwilligsten Stimmen: Catherine Ringer, Sängerin und Mitgründerin von Les Rita Mitsouko, ist im Alter von 68 Jahren gestorben. Ihre Familie teilte mit, dass Ringer am 14. September 2026 an einer aggressiven Krebserkrankung starb. Ringer und der Gitarrist sowie Multiinstrumentalist Fred Chichin lernten sich 1979 kennen. Gemeinsam formten sie ab 1980 ein Duo, das die französische Musikszene gründlich aus dem Takt brachte. Les Rita Mitsouko verbanden New Wave, Punk, Funk, Elektronik, Chanson und Rock zu einem Sound, der sich nicht besonders für Schubladen interessierte.
Ringers Interesse an lateinamerikanischer Musik und Tanz traf dabei auf Chichins Punk-Hintergrund. 1984 erschien der Song „Marcia Baïla“, der im folgenden Jahr zum großen Durchbruch wurde. Der farbenprächtige Videoclip und Ringers unverwechselbare Stimme machten den Song zum Klassiker. Mit „The No Comprendo“ legte das Duo 1986 außerdem ein heute als Klassiker geltendes Album des französischen Rock vor. Les Rita Mitsouko blieben offen für ungewöhnliche Begegnungen. Sparks beziehungsweise Russell Mael wirkten an mehreren gemeinsamen Stücken mit, Iggy Pop sang „My Love Is Bad“ auf dem Album „Système D“. Eine konkrete Nachfolgeband lässt sich zwar nicht eindeutig als direkte Nachwirkung benennen. Ihr Einfluss zeigt sich jedoch in der Haltung, Popmusik gleichzeitig tanzbar, exzentrisch, theatralisch und schwer einzuordnen zu machen.
Nach Fred Chichins Tod im Jahr 2007 setzte Ringer ihre Karriere solo fort und brachte das gemeinsame musikalische Erbe weiter auf die Bühne. Ihre Stimme blieb frei, trotzig, verspielt und manchmal angenehm schräg – genau wie die Musik, die sie mit Chichin geschaffen hatte. Les Rita Mitsouko klangen nie wie eine Band, die um Erlaubnis bat. Genau deshalb bleiben sie unvergessen.