In anderen Dimensionen gelten offenbar andere Postlaufzeiten: „En otra dimensión“, das vierte Album von 'Sektor Voltage', ist bereits am 6. Juni 2026 erschienen. Die Nachricht aus Buenos Aires hat sich auf dem Weg zu uns dennoch etwas Zeit gelassen. Wer düstere elektronische Musik gerne abseits perfekt ausgeleuchteter Hochglanzproduktionen sucht, darf trotzdem einen Blick riskieren. Hinter 'Sektor Voltage' steht Nicolás Pomilio, Produzent, Gitarrist und Sänger aus dem Süden des Großraums Buenos Aires. Seit 2020 verbindet er EBM, Darkwave, Industrial, New Beat und Post-Punk. Nach drei Alben zog sich Pomilio nach eigener Aussage in seinen Bunker zurück, machte die Gitarre zum Hauptinstrument und richtete den Sound stärker auf das Zusammenspiel von Elektronik, Stimme und rauen Saiten aus.
Die Presseinformation nennt 'Kraftwerk', 'Depeche Mode', frühe 'Ministry', 'Front 242', 'The Cure', 'Malaria!', 'X-Mal Deutschland' und 'Siekiera' als Einflüsse. Das sollte allerdings eher als grobe musikalische Landkarte denn als unmittelbarer Qualitätsvergleich verstanden werden. „En otra dimensión“ entstand mit überschaubarem Gerätepark und deutlichem Heimstudio-Charakter: Zoom R8, Kawai R50e, Korg Monologue, Volca FM, Microkorg, Yamaha QY10 und ein Casio-SA-Keyboard kamen zum Einsatz. Pomilio programmierte Schlagzeug und Bass über MIDI, spielte die Synthesizer dagegen live ein.
Auch das Video zu „In den Verborgenen Wäldern“ folgt diesem DIY-Ansatz. Es zeigt den Musiker allein in der Landschaft rund um Rafael Calzada und stellt Naturaufnahmen dem maschinellen Rhythmus des Stücks gegenüber. Inszenierung, Schnitt und Performance bleiben dabei ausgesprochen schlicht; die begrenzten Produktionsmittel sind nicht zu übersehen und manche Einstellung wirkt etwas steif. Ob man darin sympathischen Underground-Charme oder unfreiwillige Komik erkennt, dürfte von der persönlichen Toleranz für Do-it-yourself-Ästhetik abhängen. Inhaltlich versteht Pomilio das Album als spirituelle Reise durch Astralräume, Unterbewusstsein und Selbstsuche. Musikalisch soll der Weg weiterhin auf die Tanzfläche führen – nur eben ohne teure Spezialeffekte und gut gefüllte Reisekasse.