Abel Autopsy - Uunder

Abel Autopsy - Uunder

Ein „u“ hätte wirklich gereicht. Wirklich! Aber 'Abel Autopsy' entscheidet sich bei 'Uunder' bewusst für eins mehr – und macht damit schon im Titel klar, dass hier nichts nach klassischen Regeln funktioniert. Mehr Wiederholung, mehr Verzerrung, mehr Atmosphäre als eigentlich nötig. Das Ergebnis ist ein Album, das sich nicht korrigieren lassen will. Und genau das macht es so spannend. Hinter dem Projekt steckt ein amerikanischer Vokalist, Sounddesigner und Synthesizer-Spieler, der sein Debüt gleich als Auftakt einer geplanten Trilogie anlegt – mit 'Overr' und 'Outt' bereits am Horizont. Wer hier also auf Nummer sicher gehen will, ist ohnehin falsch. 'Uunder' ist kein Kompromiss. Es ist ein Statement.

Und dieses Statement kommt erstaunlich direkt. 'Uunder' verschwendet keine Zeit mit vorsichtigem Herantasten – es zieht dich rein, sofort, kompromisslos. Tiefe, vibrierende Bass-Drones legen ein Fundament, das man nicht nur hört, sondern körperlich spürt, während darüber scharf konturierte Beats pulsieren, die dem Ganzen einen unerwartet treibenden Charakter verleihen. Das ist kein passives Dahintreiben im Ambient-Nebel – das ist Bewegung, Druck, Energie. Nur eben in dunkel. Was dabei besonders reizvoll ist: 'Abel Autopsy' balanciert permanent zwischen zwei Welten. Auf der einen Seite diese dichten, fast cineastischen Klanglandschaften, die sich wie Nebelschwaden aufbauen und wieder verflüchtigen. Auf der anderen Seite eine subtile, fast schon unterschwellige Songstruktur, die immer wieder durchblitzt. Man hat ständig das Gefühl: Gleich passiert etwas Großes. Gleich bricht es auf. Gleich kippt es. Und genau in diesem Moment zieht sich die Musik wieder zurück, nur um dich Sekunden später erneut anzusetzen. Das ist kein Zufall – das ist Kalkül. Und es funktioniert verdammt gut.

Spannend wird es bei den 'vermeintlichen Vocals'. Im Netz gibt es Usermeinungen, die behaupten, auf 'Uunder' seien welche zu hören. Ich bin mir nicht sicher, ob ich dieselbe Platte gehört habe – oder ob diese Vocals einfach beschlossen haben, sich konsequent vor mir zu verstecken. Falls hier tatsächlich menschliche Stimmen verarbeitet wurden, dann sind sie so weit verfremdet, zerlegt und im Klangbild aufgelöst, dass sie nicht mehr als solche wahrnehmbar sind. Was bleibt, ist kein Gesang, sondern ein diffuses, geisterhaftes Element im Gesamtmix – eher Gefühl als Aussage. Mit dem Wissen um die Entstehungsgeschichte bekommt das Ganze noch eine zusätzliche Ebene: Diese Klangwelt speist sich aus Erinnerungen an nächtliche Streifzüge durch die Wälder der Appalachen, begleitet von dem diffusen Gefühl, nicht allein zu sein. Und genau so klingt 'Uunder'. Wie ein ständiges Wechselspiel aus Faszination und latenter Bedrohung. Schön und unheimlich gleichzeitig. Man will weitergehen – und gleichzeitig lieber stehen bleiben.

Natürlich ist das kein Album, das auf maximale Abwechslung ausgelegt ist. Die Tracks bewegen sich bewusst in einem engen Korridor, Tempo und Dramaturgie variieren eher subtil als drastisch. Das kann man als Einschränkung sehen – oder als Stärke. Denn genau diese Konsequenz sorgt dafür, dass 'Uunder' wie aus einem Guss wirkt. Wie ein einziger, zusammenhängender Trip. Und ja, manchmal greift 'Abel Autopsy' vielleicht etwas zu oft zu ähnlichen dramaturgischen Mitteln. Aber ehrlich? In diesem Kontext fühlt sich das weniger wie Schwäche an, sondern eher wie ein bewusstes Stilmittel. Wiederholung als Verstärker. Wie eben dieses zweite „u“ im Titel.

Nun, 'Abel Autopsy' legt mit 'Uunder' ein Debüt vor, das nicht um Aufmerksamkeit bettelt – es nimmt sie sich einfach. Direkt, intensiv und mit einer Klarheit, die man in diesem Genre nicht allzu oft findet. Für Fans von Dark Ambient, Industrial und experimentellen Klangwelten ist das hier ein echter Treffer – vor allem für diejenigen, die Musik nicht nur hören, sondern erleben wollen. Meine persönliche Meinung? Ich hatte mehr Spaß damit, als ich erwartet hätte. Wirklich. Dieses Album zieht einen rein, lässt einen nicht mehr ganz los und schafft es, trotz seiner Düsternis eine fast schon hypnotische Sogwirkung zu entfalten. Sicher, das wird bei mir kein Dauerläufer für jeden Tag – aber genau die Art von Release, zu der man immer wieder zurückkehrt, wenn man Lust auf etwas hat, das ein kleines bisschen zu viel ist. Oder anders gesagt: Ein „u“ weniger wäre einfacher gewesen. Aber definitiv auch langweiliger.

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