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Um ganz offen zu sein, ich bin gar nicht darauf gekommen, dass es eine Art Wettbewerb zwischen zwei Veranstaltern gibt um das beste Weihnachtsfestival. Aber eine charmante Idee – Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft. Und Ralf übt auch direkt Druck auf mich aus, indem er seinen Konzertbericht schon gefühlte zwanzig Minuten nach Erstrahlen der Saalbeleuchtung in Köln online hatte. Das schaffe ich niemals, ich hatte ja schon Schwierigkeiten pünktlich beim Festival aufzuschlagen. Denn zeitig ging es in auch Berlin beim Christmas Ball los.


Um 19 Uhr standen Solitary Experiments in Ihrer Heimatstadt als Opener auf der Bühne. Hier kann man fast schon von einer Tradition sprechen, auch auf dem e-tropolis eröffneten die vier Herren ja bekanntermaßen. Das Huxleys war schon sehr gut gefüllt und Großteil der Besucher erinnerte sich bestimmt an die Berliner.


Mit The Klinik folgte eine waschechte Legende. Egal ob Dive, Sonar, Absolute Body Control oder eben The Klinik - Dirk Ivens ist eine Garantie für mitreißende Auftritte. Leider ist Marc Verhaeghen live nicht mehr an Bord und damit auch nicht seine Trompete.


Ansonsten ist alles wie gehabt. Dirk Ivens, Schwarze Mäntel und Mullbinden, dazu Videos. Und ein knochentrockener Sound, der gerade bei Songs wie „Quiet In The Room“ oder „Hours And Hours“ tief in die Gedärme vordringen konnte. Herrlich.


Die vierzig Minuten bestanden aus einem feinen Potpourri von Klinik-Klassikern. „Memories“, „Moving Hands“ oder „Obsession“ sorgten für angemessene Begeisterung in den vorderen Reihen. Dem knappen Zeitrahmen vielen einige Hits wie „Go Back“ zum Opfer und zur Enttäuschung der weiblichen Zuschauer legte Dirk Ivens weder die Mullbinden noch das Hemd ab.


Der sympathische Belgier machte dies im Laufe des Abends aber wieder wett, da er sich aber auch mit jeder Besucherin für ein Erinnerungsfoto ablichten ließ. Dirk Ivens ist eine sympathische Legende ohne Allüren und bewahrt auch die Ruhe, wenn ihn die Security am Eingang zum VIP-Bereich nicht erkennt. Ich bleibe aber dabei, The Klinik behören in einen kleineren Club, mit tiefer Decke und VIEL mehr Nebel.


Es folgten die drei Bands, die für etwa Zweidrittel der Zuschauer (zumindest den getragenen T-Shirts zufolge) Hauptanreisegrund waren. Und da machte es durchaus Sinn, dass der Moderator (Andy von Melotron) einen Wechsel in der Reihenfolge bekannt gab. Es so folgten auf The Klinik somit nicht Hocico sondern Combichrist.


Der Sound der Norweger hat tatsächlich eine rockigere Note bekommen. Nicht geändert hat sich, dass Andy nur wenige Minuten benötigt um einen Konzertsaal zum Kochen zu bringen.


Neuerdings unterstützt von einem Gitarristen (der vermutlich direkt von einem Casting für den neuen Marilyn Manson Gitarristen eingeflogen wurde) wirkten Combichrist noch eine Spur dreckiger. Den Anhänger schien es zu gefallen, das Huxleys bebte und neben neueren Songs wie „Throat Full Of Glass“ waren es die Hits wie „Rain Of Blood“ oder „Blut Royale“ die am meisten Alarm machten.


Andy verabschiedete sich mit dem Hinweis, dass es ihm ein Vergnügen sei, mit seinen zwei Oldschool-EBM Alltime-Heroes an diesem Abend die Bühne zu teilen.


Im Anschluss wurden die „Bite Me“ T-Shirts nach vorne gerufen. Sollte sich jemand gefragt haben, was mit all den ausrangierten Röhrenfernsehern passiert ist – sie stehen bei Hocico auf der Bühne und umringen dort Erk und Racso. Die beiden Mexikaner haben eine treue Fangemeinschaft und auch einen guten Ruf als Liveband. Nicht umsonst steht mit „Blood On The Red Square“ eine weitere Live-CD kurz vor der Veröffentlichung.


Ich muss allerdings gestehen, dass die Brüder mich nicht mitreißen konnten. Ganz im Gegensatz zu Ihren Anhängern, die auf das Geschrei von Erk mit ebensolchem (und ebenso schwer zu verstehendem) Gebrüll antworteten.


Dann war es Zeit für die zweite belgische Legende an diesem Abend. Eine kurze Warnung vorab – ich bin bei Front 242 null objektiv. Wie immer reichten ein paar Sekunden und ich war gefangen.


Nach dem Einstieg mit dem relativ neuen Intro begann das obligatorische Hitfeuerwerk. Jeder konnte sich seine Favoriten rauspicken und die fehlenden Lieblingssongs beklagen. Von „Tragedy For You“ über „Headhunter“ bis „No Sex Until Marriage“ wurde jedes Stück gefeiert. Beim Christmas Ball haben mich mal wieder „Take One“ und natürlich die erste Zugabe „U-Men“ am meisten mitgerissen.


Die 75 Minuten vergingen trotz vorgerückter Stunde und sehr rutschigem Boden wie im Flug. Ein wunderbarer Abschluss für dieses (Konzert-) Jahr. Ob der Tag kommen wird, an dem mich ein Front-Auftritt kalt lassen wird?


Erstaunlich mit welcher Selbstverständlichkeit mittlerweile die großen Bands der 80iger und 90iger live zu erleben sind. Natürlich kann - nein muss - man beklagen, dass immer die gleichen Bands auf den Festivalbühnen stehen, aber solange sie von der Qualität von Front 242 und Nitzer Ebb sind, reden wir von Jammern auf höchstem Niveau. Eine Überraschung in Form eines Newcomers wäre aber wirklich herrlich. Was den Wettbewerb zwischen Neuwerk und protain angeht, kann man nur beiden und damit auch den Besuchern gratulieren. Beide Line-Ups waren vom Feinsten.

Ich muss eingestehen, dass Ralf nicht nur schneller war, sondern wie immer die auch schöneren Fotos hat. Mist verdammter.

Frohes Neues an alle Leser und vielen Dank an Elmar, sowie Andre und Anja für die 242 Fotos!


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