Deine Bewertung:
Gib Deine Bewertung zu diesem Artikel ab:

Gast:

Mit gespannter Erwartung und einem unguten Gefühl zugleich begann der erste Amphi-Festival-Tag, denn es sollte nicht nur endlich live und in Farbe das neue und vom Veranstalter hoch gepriesene Gelände zu erleben sein. Der Samstag begann bereits am Morgen stürmisch und die Sonne verabschiedete sich schon nach wenigen Stunden. Das Bändchen war bereits am Vorabend eingeholt worden, so konnte es Samstagmittag auf direktem Wege in Richtung Einlasspforten gehen. Wie Tags zuvor irritierte der U-Bahn-seitige Zugang zum Gelände aufgrund seiner räumlichen Beschränkungen und Unwegsamkeiten in Form von schmalen, hohen Treppen sehr, schließlich sollten Tausende von Menschen diesen Weg an den kommenden zwei Tagen nutzen. In der Hoffnung, dass sich dieser lange, schmale Korridor in den nächsten zwei Tage nicht als Nadelöhr erweisen sollte, marschierte man zwischen dem Deutzer Bürgerhaus und einer Grünfläche neben dem Lanxess-Parkhaus in Richtung Einlass. Vermutlich war es der offiziellen Sturmwarnung an diesem Tag zu verdanken, dass in den Mittagsstunden eine überschaubare Anzahl von Menschen das Gelände besuchte und kein großer Andrang zu bemerken war, denn schon früh wurde bekannt, dass der komplette Außenbereich inklusive beider Bühnenareale aus Sicherheitsgründen gesperrt werden musste.

Im ovalen, rund um die Arena herum verlaufenden Außenbereich, der durch die dortige Ansiedelung der allermeisten Food- und Händler-Stände nicht gerade geräumig war, befand sich unglücklicherweise auch noch in einer Kurve die recht kleine Orbit Stage. Doch dazu mehr im Bericht zum Festival-Sonntag. Die sog. Green Stage war auf dem schon mehr Platz bietenden, meist abschüssigen Rasengelände angesiedelt, das – was in diesem Jahr nicht wirklich relevant war – nur wenig Schatten bot, dafür weitere Food- und Händler-Stände sowie eine Chill-Out-Area. An dieser Stelle sei jedoch gesagt, dass das Amphi-Festival dieses Jahr aufgrund der Wetterkapriolen am Tanzbrunnen gar nicht oder noch wesentlich eingeschränkter stattgefunden hätte, als es jetzt im Amphi Eventpark der Fall war. Trotzdem wünscht man sich im kommenden Jahr eher ein Wiedersehen im Tanzbrunnen. Und mit dieser Meinung stand man an diesem Wochenende nicht allein da, wie man immer wieder in kurzen Gesprächen mit anderen Festivalbesuchern erfahren konnte, vor allem am Ende des Festivalabends in der Arena. Doch dazu später mehr und jetzt endlich zum ersten Festivaltag, Samstag.


Tag 1, Samstag 25. Juli 2015

Nach einem kurzen Rundgang über das Gelände, auf dem am frühen Nachmittag die Absperrungen errichtet wurden, kam ein Abstecher ins Bürgerhaus auf die sog. „Magistrale“ gerade recht, wo sich eine kleine Händlermeile zum Flanieren angesiedelt hatte und auch der Durchgang zum Restaurant (und späteren Party- und Autogrammstunden-Location) „Henkelmännchen“ war.
Da sich das Food-Angebot durch die Sperrung des Außenbereiches auf das recht reizlose Fast- Food-Angebot der Arena beschränkte, tat ein Verlassen des Geländes und ein Abstecher ins Deutzer Zentrum not. Bei gemütlichem Kaffee und Kuchen ließen sich das stürmische Treiben und der teils heftige Regen gut aushalten, doch drängte es einen dann doch irgendwann wieder zur Arena, wo inzwischen der teilweise geänderte Programmablauf zu greifen begonnen hatte. [X]-RX, die für die Green Stage gebucht waren, spielten in der Arena, statt dem verhinderten Alex Wesselsky sprang die Kölner Horror-Punker The Other ein, Songwriting Interaktiv C = 64, ein Welle:Erdball-Seitenprojekt fielen komplett aus, dafür wurden DAF, die eigentlich das Finale auf der Green Stage bestreiten sollten, eingebucht.


Das war irgendwie suboptimal, denn alles, was DAF-Konzerte in überschaubar großen Locations – so auch dem Staatenhaus – bisher immer so reizvoll machte – mächtiger Sound trotz Minimalismus, die gefühlte Nähe zu Gabi Delgado, das Gefühl des Mittendrin-Seins, ja fast schon Intimität –, ging in dieser monströsen Halle ganz schön verloren. Alte Klassiker und jüngeres Material, von einem herumtobenden Herrn Delgado ins Volk geschmettert, der die riesige Bühne kaum auszufüllen schien, anstatt sie (und auch das Publikum!) wie sonst völlig von sich in Besitz zu nehmen, ließen – zumindest in weiter Ferne – nur schwer Stimmung aufkommen. Mit Krachern wie „Verschwende deine Jugend“, „Tanz den Mussolini“, „Der Sheriff“ oder „Alle gegen Alle“ und „Als wär's das letzte Mal“ waren fast sämtliche Hits und Klassiker vertreten, und nach17 (!) performten Songs neigte sich das Konzert dem Ende zu. Ein Zugabe-Wunsch wurde dem Publikum gewährt, und nach dem Ur-Stück „Der Räuber und der Prinz“ entließ ein sichtlich ausgepowerter Delgado das Publikum in die Pause.

Irritierenderweise durfte/musste man währenddessen im Dunkeln sitzenbleiben. Verfügt diese Flagship-Arena über kein Hallenlicht oder musste gespart werden? Noch irritierender war, dass dies den ganzen Abend und auch den ganzen Sonntag so gehandhabt wurde. Doch schließlich war es Zeit für The Birthday Massacre, einer sympathischen Band aus Kanada, deren teils melodischer, teils sehr heavy-mäßiger Gitarren-Synth-Rock das Volumen der Halle deutlich besser füllte. Das Gesangsspektrum von Sängerin Chibi erstaunt einen jedes Mal aufs Neue, von der „Nettes-Mädchen-Stimme“ bis hin zu Death-Metal-Growls beherrscht sie das komplette Repertoire. Das änderte aber leider auch diesmal nichts an der Tatsache, dass das Songmaterial relativ homogen und auf die Dauer etwas eintönig wirkte. Nett und angenehm, mehr aber auch nicht.


Einer fehlenden Alternative und einsetzender Müdigkeit war es geschuldet, dass man nicht nur die komplette Umbaupause, sondern sogar den nachfolgenden Auftritt von Agonoize über sich ergehen ließ. Ein riesiges Banner mit zugegeben sehr kunstvoller Bedruckung, die das Innere einer gotischen Kathedrale darstellte, wurde an der Bühnenwand entrollt, den vorderen Teil der Bühne deckte man obligatorisch mit Planen ab, und Mark Benecke ließ es sich nicht nehmen, an die Zuschauer in der ersten Reihe 4711-Tücher zu verteilen. Der gute Mann hat Humor! Da sich ein Agonoize-Konzert von Seiten der Schreiberin nur schwer in Worte fassen lässt, die keine Verständnis für das Dargebotene aufbringen kann, springen wir an dieser Stelle sofort zur Umbaupause und zur nachfolgenden Band.


Zu gerne hätte ich an diesem Abend Oswald Henkes Gedanken lesen mögen, der das schwere Los hatte, auf der bis eben noch von Kunstblut besudelten Bühne nach Agonoize spielen zu müssen.
Es ist erschreckend, wie viel Zulauf eine Band bekommt, die keine weitere Message hat als Obszönitäten. Doch wie es sich gehört, waren schon längst Tausende von Fans versammelt, um Goethes Erben für das zu feiern, was sie seit Jahrzehnten grandios beherrschen: feine Poesie mit Tiefgang und Botschaft – und das seit mehr als 25 Jahren. Etliche mit Tüchern verhüllte Holzstatuen auf Sockeln wurden auf der Bühne arrangiert und Henkes 9-köpfiges Orchester – darunter auch Sonja Kraushofer von L'âme Immortelle – rüstete sich für außergewöhnliche optische und akustische Reise. „Was war bleibt“, beklemmend und direkt, machte den Auftakt, gefolgt vom unsterblichen Klassiker „Nichts bleibt wie es war“. Inzwischen hatte Henke die außergewöhnlichen Statuen temperamentvoll enthüllt und das Musiktheater gewann zunehmend an Intensität. Für „Himmelgrau“ verzauberte ein Ballett-Engel in Weiß die Bühne und zog das Publikum in seinen Bann. Es folgten „Tage des Wassers“, „Sie wusste mehr“ und das düstere „Kopfstimme“, währenddessen Henke von einem niedrigen, mit schwarzer Decke verhüllten Tisch etliche Blätter Papier ins Publikum warf, schrie und tobte, und in seiner vollen Dramatik von Sonja Kraushofer und einer weiteren Sängerin unterstützt wurde. „Verboten“ war nicht weniger beklemmend. Eine moderne Tanzperformance ganz in Weiß boten acht Tänzer und Tänzerinnen zum neuen, klassisch-epischen Stück „Die Sonne schmilzt“, an dessen Ende Henke seine Musiker und die Tänzer zur „Hymne“ aufforderte. Dabei legten die Tänzer ihre rechte Hand aufs Herz und sangen fast schon grotesk anmutend im Refrain „Bluten ohne selbst zu schneiden“. Niemals in einem Vierteljahrhundert Bestehen haben es einem Goethes Erben leicht gemacht, so auch diesmal nicht, Stoff zum Nachdenken und Philosophieren war reichlich geboten. Nach „Mensch sein“, ein älteres Stück der Erben, folgte mit „Ironie im Plattenbau“ ein weiterer neuer, nur schwer verdaulicher Titel, der auf dem im Herbst erscheinenden Album „Menschenstille“ veröffentlicht wird. Nach zehn Stücken endete mit „Sitz der Gnade“, dem ergreifenden Nick-Cave-Cover von „Mercy Seat“, im Duo mit der stimmgewaltigen Sonja Kraushofer, ein spektakuläres Musiktheater. Einem sichtlich ausgepowerten Henke und seinem spielfreudigen Ensemble zollten die Fans den höchst verdienten Beifall.


Es folgte wieder eine abgedunkelte Umbaupause, während der man sich nach der schweren Kost über die Kuriosität Running Order des Festivals austauschen konnte. Die RO während der letzten Amphi-Festival-Jahre hatten meist eine bemerkenswerte Disharmonie, sodass man sich über die nun antretenden Front 242 gar nicht mehr wundern musste. Was für ein Kontrastprogramm! Zeit also für die belgischen Heroen des EBM, die wieder mal nichts Neues, dafür aber Altbewährtes im Gepäck hatten, spannende Visuals inklusive. Mit „Commando Mix“ starteten sie ein Set, das kaum Wünsche offen lies: „Punish your machine“, „Im Rhythmus bleiben“, „Kampfbereit“ oder „Happiness (More Angels) und „Welcome to Paradise“ standen ebenso auf der Liste wie „Take One“, „Master Hit“ und „U-Men“. Leider fehlten „Quite unusual“ sowie „Headhunter“, doch „W.Y.H.I.W.Y.G“ - das erste Mal live präsentiert seit 1987 (!) - entschädigte dies. Mit dem legendären „Funkahdafi“ aus '85 beendeten die Belgier eine großartige, etwas zu kurze Show.


Die Headliner-Position dieses Abends blieb wieder einmal den Dauer-Gästen des Amphi-Festivals, And One, vorbehalten, die aufgrund der guten Laune Herrn Naghavis und dank der Spielfreude seiner Mitstreiter diesen Abend doch noch in eine große Party verwandelten. Begann der Auftritt mit Verspätung und ohne Begrüßung, dafür aber mit „An alle Krieger“ aus der aktuellen „Propeller“-VÖ, gab es nach „Steine sind Steine“, „Krieger“ und „Unter meiner Uniform“schließlich eine Ansage vom Chef, und was für eine! 2000 Euro habe er, Steve Naghavi, bezahlt, um das Amphi-Festival zu kaufen. Und da er jetzt der Besitzer sei, beschließe er hiermit, dass das Festival nächstes Jahr wieder auf dem Tanzbrunnen stattfinden solle. Spätestens nach dem sofort einsetzenden tosenden Applaus und den vielen Jubelrufen sollte für die Veranstalter deutlich geworden sein, dass die Amphi-Eventpark-Idee eine für die Zukunft zu überdenkende ist.
Vielmehr war jetzt wieder die Fortsetzung der Setlist dran, weiter ging es mit Hits wie „Für“, einem gelungenen Cure-Cover von „The Walk“, „Männermusik“ – gesungen von Joke Jay – und etlichen weiteren Knallern. „Deutschmaschine“ durfte ebensowenig fehlen wie das geniale „Timekiller“-Cover (das Original von PP ist und bleibt leider nichts dagegen!), „Second Voice“, „High“ (wieder mit Joke Jay), „Back home“ und „Techno Man“. Wer jetzt noch nicht außer Atem war, feierte mit „Military Fashion Show“ und „Sometimes“ weiter, um mit „Shouts of Joy“ als Mega-Finale in die Nacht entlassen zu werden. Die bot immerhin noch eine Aftershow-Party im Henkelmännchen, auf die viele angesichts der fortgeschrittenen Uhrzeit (mittlerweile war es 2 Uhr nachts) allerdings verzichteten.


Tag 2, Sonntag 26. Juli 2015

Der Sonntag startete versöhnlich mit Sonnenschein und regenfrei, sodass auf dem Amphi-Eventpark-Gelände wieder alles nach Plan laufen konnte. Um 11.30 h eröffneten Patenbrigade Wolff die Mainstage, sie hatten nur 30 Minuten Zeit für ihre stets unterhaltsame Show. Wie man es von dem humorvollen Bauarbeiter-Kollektiv gewohnt ist, wurde zu Titeln wie „Feind hört mit“, „Die Brücke“, „Freunde der Techik“, „Volksarmee“, „Voyage“, „Gefahrstoffe“ und „Demokratischer Sektor“ gewerkelt, gesprüht und zerlegt was das Zeug hält. Bei „Der Brigadier trinkt Bier“ war auch Mark Benecke wieder mit von der Partie und half tatkräftig, durch das Baurohr Bier ins Publikum zu gießen, das die Erfrischung begeistert aufnahm. Sängerin Antje und die Jungs führten gewohnt stimmgewaltig und charmant durch das unterhaltsame Set, das nach „Demokratischer Sektor“ mit einem Gruppen-/Publikums-Selfie (der Selfiestick macht's möglich!) sowie kräftigem Applaus ein Ende fand. Die Bühne sollte nun an Stahlmann übergeben werden.


Derweil schickten sich auf der Orbit Stage Inkubus Sukkubus an, ihren gestern aufgrund des Wetters abgesagten Auftritt nachzuholen. Unter strahlendem, aber auch erbarmungslosem Sonnenschein spielten sich Candia Ridley, Tony McKormack und Adam Henderson mit ihrem verzauberten Pagan-Folk-Rock sofort in die Herzen des Publikums. Der überwiegende Teil des Sets bestand dabei aus akustisch vorgetragenen Songs, aber auch elektronischere Stücke präsentierten die drei Briten, die sich so sehr freuten, doch noch auftreten zu können und nicht unverrichteter Dinge wieder zurück nach Cheltenham fahren zu müssen. Allerdings wären sie mit ihren Songs voller Mystik und Magie so viel besser auf der Green Stage zur Geltung gekommen, denn die Platzierung der Orbit Stage (der Name „Orbit“ lies dieses Manko ja bereits erahnen) war maximal unglücklich. In unmittelbarer Nähe donnerten nicht nur die Züge der Deutschen Bahn vorbei, es wurde hinter den Absperrzäunen direkt neben der Stage auch noch mit Kastenwägen ein- und ausgefahren, was das Zeug hielt (was vermutlich bei einem „normal“ verlaufenen Samstag nicht der Fall gewesen wäre, das zur Verteidigung). Doch die liebenswerte Candia Ridley und ihre beiden spielfreudigen Kollegen bemühten sich so sehr um das Publikum und eine wunderbare Stimmung, dass ihre Energie sofort aufs Publikum überging. Schön, dass auch das großartig interpretierte Cover von „Paint it black“ wieder seinen Weg auf die Setlist gefunden hatte, welche keine Wünsche offen lies. Während und am Ende des Konzertes zeigten sich nicht nur Inkubus Sukkubus ausgesprochen dankbar, sondern auch auch das Publikum – es war trotz der mißglückten Stage tatsächlich perfekt!


Im Anschluss hatten The Creepshow aus Kanada das Vergnügen, ebenfalls ihren Auftritt nachholen zu dürfen, wenngleich ebenfalls unter der erbarmungslos herabbrennenden Sonne, worüber die Band in sympathischer Horrorpunk-Manier ihre Witze machte. Die stimmgewaltige Front- und Powerfrau Kenda und ihre vier Herren an Kontrabass, Gitarre, Keyboard und Schlagzeug drückten vom ersten Song an dermaßen aufs Gas, dass einem schwindelig wurde. Dazwischen wurde jede Menge gescherzt und gelacht, gegen Ende der Show kletterte Kenda sogar das Gestänge des Bühnenaufbaus hinauf und sang eine Zeitlang von dort aus. Als ob die Hitze nicht schon schweißtreibend gewesen wäre, rockte der Fünfer mit seiner explosiven Mischung aus Psychobilly und Horrorpunk derart, als gäbe es kein Morgen. The Creepshow hinterließen ein aufgekratztes und ausgepowertes Publikum, wovon ein Teil nun zur Erholung in Richtung Green Stage pilgerte.

Noch waren dort Darkhaus auf der Bühne, nach und nach fanden sich aber immer mehr Menschen ein, um auf der Rasenfläche und im angrenzenden Chill-Out-Bereich Platz zu nehmen für Qntal, das bayerische Urgestein des elektrisierten Mittelalters – inzwischen im 24. Jahr ihres Bestehens und damit kurz vor dem Vierteljahrhundert-Jubiläum! Die grundsympathische Formation um Michael Popp und Sigrid Hausen entführte in den nachfolgenden 45 Minuten in eine Welt zutiefst bewegender und berührender Klänge und Gesänge, denen man sich nicht zu entziehen vermochte und trotz brütender Hitze und gleißenden Sonnenlichts ins Träumen geriet. Das „Palästinalied“ durfte nicht fehlen, ebensowenig das „Frühlingslied“, „Schnee“ und „Veni“.
Ein Auftritt von Qntal ist immer etwas ganz Besonderes, man wird nur zu gerne bald das Jubliäum mit ihnen feiern.

Noch lange hallte die Magie des Auftritts von Qntal nach, der Goth-Rock von Zeraphine im Anschluss wirkte nun vergleichweise belanglos und wenig fesselnd, kam aber beim Publikum sehr gut an. Weniger gut kamen hingegen die ersten Regentropfen an, die inzwischen aufs Publikum niedergingen. Vielleicht sollte man vorsichtshalber gleich ein Plätzchen in der Arena „reservieren“, für den Fall, dass ein Schauer daraus würde?


Gesagt, getan, und ab nach Drinnen, wo Combichrist sich anschickten, die Lanxess-Arena mit ihrem Brachial-Sound zu zerlegen. Sie sägten sich mit einem soliden Querschnitt durch ihre Diskografie, der für fette Gitarrenriffs, satte Bässe und jede Menge gute Stimmung im Publikum sorgte. So verwunderte es nicht, dass irgendwann das Fell einer Trommel des Schlagzeugs in die Knie ging und im hohen Bogen durch die Luft flog, und eiligst Ersatz herangekarrt werden musste. Titel wie „Throat full of glass“, „Just like me“, „Blut royale“, „Get your body beat“ und „What the fuck is wrong with you“ versetzten die Menge in einen absoluten Rausch, der nach 12 Songs leider enden musste, aber nur, um einer sensationellen Band mit einem noch sensationelleren Auftritt die Bühne frei zu machen.


Wenn eine deutsche Band es – wie eben Combichrist – schafft, eine so große Halle wie die Lanxess-Arena soundmäßig komplett auszufüllen und einem das Gefühl zu geben, gerade etwas ganz Großes zu erleben, dann sind es Oomph! Sie gehören, wie Goethes Erben, inzwischen zu den Veteranen der Szene und können dementsprechend auf eine umfangreiche Diskografie zurückblicken. Aus aktuellem Anlass, nämlich ihrem 25-jährigem Jubiläum, zu dem sie Ende Juli auch das Album „XXV“auf den Markt brachten, starteten sie ihre Show mit der Single-Auskopplung „Alles aus Liebe“, die mit schweren Gitarren aufwartete, aber sofort ins Ohr gint. Hochprofessionell, in allerbester Laune, perfekt abgemischt und mit einem Licht vom Feinsten ausgestattet – noch dazu alles live & handmade, wie Sänger Dero glaubhaft versicherte –, rockte sich das Trio mit seiner vierköpfigen Live-Crew phänomenal durch seine größten Hits: „Labyrinth“, „Träumst du“, „Das weiße Licht“, „Mein Herz“, „Der neue Gott“, „Gekreuzigt“ und „Augen auf“ waren nur ein paar davon, bei „Mitten ins Herz“ rief Dero schließlich zur bei Konzert- und Festivalbesuchern stets sehr beliebten „Wall of Death“ auf, bei der sich die Menge für einen mittigen Korridor teilt. Diesem Aufruf folgte das Publikum nur zu gerne. Als bei „Niemand“ schließlich die Order erging, hochzuspringen, war die Party in vollem Gange. Das Publikum genoss eine Riesenshow, während Oomph! sich über Tausende begeistert feiernde, singende, klatschende und tanzende Geburtstagsgäste freuen konnte.Dero, Flux und Crap wären nicht sie selbst, wüssten sie nicht, wie man eine solche Show standesgemäß ins Finale bringt: Mit dem fabelhaft interpretierten „Always look on the bright side of life“ von Monthy Python schunkelte sich die Masse fröhlich und schweißgebadet in den Ausklang.


Noch völlig in Hochstimmung, freute man sich auf die nächste Band, die weniger als Veteranen, denn als Titanen der Szene gelten, „The Mission“. Da Wayne Hussey, tapfer und seit jeher dem Publikum treu verpflichtet, mit Stimmproblemen zu kämpfen hatte, musste gesangliche Unterstützung her, und zwar von Eve und Nana von Lolita KompleX, die ihre Sache gut machten. Hussey, seine Band sowie der „stimmliche Support“ bemühten sich nach Kräften, mit Songs wie „Naked and savage“, „Tower of strength“, „Butterfly on a wheel“, „Wasteland“ und „Deliverance“ eine Show zu bieten, doch so richtig wollte der Funke nicht überspringen. Allerdings muss man Wayne Hussey wirklich zugute halten, dass er die Show nicht abgesagt hatte. Fast hätte man ihn ja nicht erkannt, in grauen Jeans, hellem T-Shirt und klassischem Sakko. Wo sind nur die alten Mission-Zeiten hin …


Am Headliner, der – wenig überraschend – VNV Nation war, werden sich die Geister scheiden.
Womöglich war es dem schlechten Seitenplatz hoch oben auf der Tribüne geschuldet, aber die grenzenlose Euphorie des Publikums, die man vom ersten Song an spüren konnte, war einfach nicht nachvollziehbar. Die Lichttechniker gaben sich alle Mühe, den wie immer rastlos auf der Bühne hin- und herrennenden Ronan Harris in Szene zu setzen, stimmlich war bei ihm aber (wie inzwischen gewohnt) spätestens ab dem vierten Lied nicht mehr viel zu holen, der Sound von drei Leuten = die Arbeit von früher einer Person musste es richten. Tausende von Handy-Lichtern bei „Illusion“ und ein reines Lichtermeer bei „Nova“ waren am Schluss zu viel des Kitsch, und das Mitmach- und Motivationsgeschrei von Ronan Harris einfach zuviel des Guten. Zeit also, um das Festival vorzeitig zu beenden und dabei zu hoffen, dass der Amphi Eventpark 2016 – selbst bei allerbestem Wetter – Geschichte ist. Laut der ersten Vorankündigung ist dies für 2016 wohl nicht der Fall. Offenbar ist auch schon das Kontingent der Early-Bird-Tickets ausverkauft. Es lohnt sich auf jeden Fall, auf der Amphi-Website das Nachwort zu lesen. Die Kritik der Besucher ist ganz offenbar bei den Veranstaltern angekommen, an der Arena an sich als ungeeigneter Festival-Location ist und bleibt aber leider nichts zu rütteln. Es sei denn, das wahre und einzige Ziel sind immer noch mehr Besucher. Dann geht die Rechnung auf.


(c) Medienkonverter Online - Alle Rechte vorbehalten Vervielfaeltigung nur mit Genehmigung - Alle Angaben erfolgen ohne Gewaehr Page Impressions diese Seite: 1.769 Statistiken