Review

| Of the wand and the moon

| The lone descent

Bild Of the wand and the moon The lone descent

Artist:

Of the wand and the moon

Titel:

The lone descent

Format:

CD

VÖ:

01.09.2011

Label:

Heidrunar/Myrkrunar

Autor:

Horrschd Autorinformationen

Genre:

Ambient / Classical / Folk

Forumsbeiträge:

2

Unsere Wertung:

Bewertung: 6

Leserwertung:

Bewertung: 5.5 von 6 bei 2 abgegebenen Stimmen. (2) Bewerten

Externer Link:

http://www.ofthewandandthemoon.dk/

Tracklist:

01. Sunspot
02. Absence
03. A Pyre Of Black Sunflowers
04. Tear It Apart
05. We Are Dust
06. A Tomb Of Seasoned Dye
07. Is It Out Of Our Hands?
08. Watch The Skyline Catch Fire
09. The Lone Descent
10. Immer Vorwärts
11. A Song For Deaf Ears In Empty Cathedrals
Mein Album des Jahres

Na gut, wenn man eine Rezension mit einem solchen Statement beginnt, dann sollte man sich wirklich sicher sein. Aber nach wochenlanger Dauerrotation, dem Vergleich mit älteren Werken von :of the wand and the moon: und den bisherigen Veröffentlichungen 2011, die es in mein Regal geschafft haben bleibe ich dabei. Aber warum, wenn doch beim Neofolk eigentlich alles bereits abgegrast ist und (fast) nichts Neues kommen kann?

Dazu erstmal der kleine Rückblick in Sachen Kim Larsen, :otwatm: und der Position im Neofolkbereich ansich. Denn der Herr aus Dänemark hat gerade in den letzten Jahren gezeigt, dass der Neofolk nicht vom Stillstand lebt. Die ersten drei Alben zeigten noch minimalistisch aufgenommenen Folk, mystisch geraunte Texte, kein Vorankommen und eine Stimmung zwischen Zauber und Monotonie. Nie würde ich diese Werke in Frage stellen, aber als "Sonnenheim" 2005 eine Kehrwende darstellte und nun wesentlich pompöser und ja, auch poppiger gearbeitet wurde, rettete Larsen damit :otwatm: - denn mag "Sonnenheim" von vielen oft als zu oberflächlich beschrieben worden sein, so war es doch lebendig und zeigte, dass der Mann Spaß an seiner Arbeit hat. Bis "The lone descent" dauerte es dann 6 Jahre. Larsen veröffentlichte eine kleine Liebeserklärung an englischen Folk mit seinem Seitenprojekt Solanaceae und zeigte schon hier einen kleinen Hang hin zu psychodelischen Sounds der 60/70er. Und jetzt, 2011, erschien "The lone descent" und damit ein neues Kapitel. Schon die Verpackung macht einen neuen Schritt voran deutlich: Modern, Kunst statt Runen und den Texten wird sehr viel Raum geboten. Und Herr Larsen ist nur schemenhaft zu erkennen.

Doch auf zum Inhalt: Im Kurzen hat Larsen alle drei eben beschriebenen Abschnitte zusammengeführt und seinem (oder gar dem?) Neofolk damit ein neues Gesicht gegeben. Das Album leitet ein mit einem Ambientpart, rockigen Drums und verhallten Schreien, die Stimmung wird immer intensiver und .... zerbricht dann in einem so wunderschönen Folksong, dass es mich jedesmal vom Hocker haut. Melancholie, eine leichte Aufbruchstimmung und ein Hin-und Hergerissensein zwischen Lachen und Seufzen. Die Instumentierung dabei ähnlich der auf "Sonnenheim", also ein leichter Anflug von Bombast. Hier schafft "The lone descent" aber immer, dem "kleinen und leisen" Folk so zu beleuchten, dass der Bombast fast nicht auffallen will. Leichter E-Gitarreneinsatz, Kirchenglocken, Keyboardwände, Chöre und Geisterlaute... aber im Kern ist "Sunspot" ein herzerweichend schöner Akustikgitarrensong. Und Herr Larsen singt – und es klingt gut. Puh, jetzt muss ich mich erstmal erholen – wie wäre es mit "Abscence", einer Reise in die Vergangenheit des Projektes: Mystisch, fantastisch, mehr Superlative – Herr Larsen raunt auch wieder, aber gerade das, was da so nebenher passiert macht das Lied zu einem der Stärksten im bisherigen Fundus: Verhalltes Atmen, verhalltes Trompetensolo, eine stimmungsvolle Bassgitarre. Mit jedem Hören wird klarer, dass "Absence" doch kein kleiner Standart-Neofolk-Song ist sondern mit viel Liebe und Aufwand vollgepackt wurde mit kleinen Gimmicks.

Puh, erst bei Lied drei und schon so viel Text – aber "The lone descent" ist auch einfach ein Album, dass viel zu bieten hat unter der melancholisch, leicht beschwingten und bisweilen fast schon poppigen Hülle. Anfangs ist es nur ein sehr gutes Album, aber mit jedem Hördurchlauf findet man mehr und mehr heraus, dass es etwas Besonderes ist, was da im Player seine Runden dreht. "A pyre of black sunflowers" zum Beispiel, dass halb Folk und halb Ambient/Neoklassik ist und das mehr Entwicklung und Abwechslung zu bieten hat als ganze Alben anderer Bands. Bevor ich aber einen ganzen Roman schreibe hier nur noch die wichtisten Aufhorcher: "Tear it apart" mit lieblichem Refrain, "We are dust" mit diesem augenzwinkernden Missverhältnis von Text und Musik (wenn zum Beispiel zu einer unglaublich beschwingenden Melodie eine Frau verzweifelt "I wanna die" äußert). Das Cello-Stück "Is it out of our hands?" führt wieder zurück in die Zeit der ersten 3 Alben, "Watch the skyline catch fire" könnte sich so auf dem Solanaceae Album wiederfinden, der Titelsong geht schon fast als epischer Rocksong durch der wieder völlig mitreißt. Und seid euch sicher, die hier nicht erwähnten Lieder sind alles andere als schlecht, sie sind eben "nur" sehr gut!

Und nach solch euphorischer Berichterstattung entlasse ich den Leser gerne in seine Welt zurück, in der er das Album hören und sich selbst eine Meinung bilden soll. Und hoffentlich fällt das Urteil dann ähnlich aus. Alles Gute dabei!

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