Konzertbericht

Bericht:

M'era Luna 2006

Ort:

Hildesheim

Vom:

12.08.2006

bis:

13.08.2006

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Bild - Konzertbericht Jedes Jahr einmal im Sommer treffen sich Szeneliebhaber aus aller Welt unter dem Zeichen des aufgehenden Mondes in Drispenstedt bei Hildesheim. Der Flughafen wird dann zu einem riesigen Festivalgelände mit Zelt- und Campingplatz. Auf der Fahrbahn rollen keine Kleinflugzeuge, hier ist dann – für den Moment – der größte Laufsteg der Welt. Ein hochkarätiges Line-Up und die familiäre Stimmung verliehen dem M’era Luna von Jahr zu Jahr immer größeren Zuspruch und so ging das Festival diesmal bereits in die siebte Runde.



Bild - Konzertbericht In diesem Jahr schien die Auswahl an Bands alles zu toppen. Mit dabei: Die Szene-Legenden schlechthin. Bauhaus reformierten sich und waren endlich wieder auf einem deutschen Festival zu sehen, Nitzer Ebb fanden ebenfalls nach jahrelanger Abstinenz wieder zueinander und mit den Krupps und Girls Under Glass standen zwei weitere Wegbereiter der aktuellen Gothic-, EBM- und Waveszene auf der Bühne. Auch Bill Leeb traute sich aus Kanada über den großen Teich und nahm den weiten Weg nach Hildesheim auf sich, um den Skandal um die „falsche“ Besetzung von Front Line Assembly vergessen zu machen. Gemischt mit so klangvollen Namen wie Within Temptation, Apoptygma Berzerk oder De/Vision entstand ein Line-Up, das 22.000 Festivalfans nach Hildesheim lockte. Gemeinsam feierte man, genoss das opulente Angebot der Einkaufsstände, beobachtete fasziniert menschliche Kunstwerke und wog sich im Takt der Musik. (sl)



Bild - Konzertbericht Erinnerungen an das WGT werden wach, als ich am Freitag gegen 17.30 h in Hildesheim aus dem Zug steige. Bereits am Bahnsteig sitzen hier und da unverkennbar künftige Festivalbesucher inmitten einem Berg aus Camping-Equipment und persönlichem Hab und Gut. Doch es kommt noch besser. Als ich – von meiner Hildesheimer Freundin in Empfang genommen, die dem M’era Luna leider, leider nichts abgewinnen kann – die Haupthalle des kleinen Bahnhofes betrete, um noch einen Kaffee zu trinken und auf meine Kollegin Susann zu warten, sehe ich nur noch schwarz, mit bunten Tupfern hier und da, und relativ entspannten Passanten, die entweder zum Schauen gekommen sind oder sich völlig unbeeindruckt geben! Nur der ein oder andere Bedienstete der Bahn-Sicherheit meint sich profilieren zu müssen und verlangt nach Ausweisen von den überall herumsitzenden Leuten. Doch es bleibt friedlich, so friedlich, wie man es von solchen Festivals gewohnt ist. Keine Randale, keine Raufereien, keine Exzesse. Man sieht in lachende Gesichter, Leute, die sich begrüßen und umarmen – vielleicht trifft man sich ja nur einmal im Jahr zum M’era Luna? – und möchte selbst am liebsten gleich losfeiern.



Bild - Konzertbericht Inzwischen ist auch Susann nach einer „Goth sei Dank“ entspannten Fahrt aus Cottbus in Hildesheim angekommen und ich verabschiede mich von meiner Freundin (bis Montag!).
Wir bahnen uns den Weg durch Hildesheim nach Drispenstedt und parken ganz bequem direkt vor dem Zelt, in dem wir gleich unsere Akkreditierung in Empfang nehmen dürfen.
Nach nicht einmal 5 Minuten Wartezeit im strahlenden Sonnenschein (der Wetterbericht hatte ja ziemliche Kapriolen für das Festivalwochenende vorausgesagt – wir waren schon leicht entmutigt) bekommen wir unsere Kärtchen an grellen, pinkfarbenen Lanyards eines sehr bekannten Konzernes ausgehändigt (toll, ich habe meine pinkfarbene Strumpfhose dabei, das passt gut!) und scherzen noch ein wenig mit den beiden Mädels von der Ausgabe, die es einfach gut finden, dass wir fast den gleichen Namen haben und uns raten, eine Rechtsanwalts-Kanzlei aufzumachen. Das käme doch gut auf dem Namensschild! Wir denken drüber nach!
(siehe Pic aus den Gelben Seiten „Kanzlei Kuhn&Lemke“)



Bild - Konzertbericht Rund um das Festivalgelände wimmelt es nur so von Schwarzen und Dunkelbunten. Manche schleppen große Rucksäcke, prall gefüllt mit Essbarem und Getränken, um Durststrecken zu vermeiden, manche ziehen kleine Leiterwägen oder schieben Karren für Getränkekisten vor sich her – hochgestapelt, versteht sich. Susann und ich beschließen, dass es Zeit wird für ein schönes Abendessen, und lassen uns bei einem Griechen nieder. Von griechischen Speisen ist bei näherer Betrachtung auf der Karte allerdings nicht viel zu lesen, und so bleibt es (nachdem sich die Speisekarte für Vegetarier gleich nochmals ausdünnt) bei Krautsalat und Pommes, denn nicht mal Blattsalat konnte hier aufgetischt werden. Schade.



Bild - Konzertbericht Jetzt mussten wir uns nur noch mit ein paar Snacks und Getränken versorgen und die Suche nach unserem Messe-Hotel konnte losgehen. Ahrbergen war schnell gefunden, die liebe „Veronica“ jedoch nicht. Kein Schild, kein Hinweis auf das Hotel weit und breit. Erst eine freundliche Mannschaft freiwilliger Feuerwehrler, die gerade ein Loch aushoben, konnte uns behilflich sein. Nur wenige Minuten später hieß es: Endstation Veronica! Wir waren da!
Während unsere im Nachbarzimmer beheimateten Münchener Freunde schon auf dem Festivalgeländer herumspazierten, richteten wir uns gemütlich ein und freuten uns auf die kommenden beiden Tage. Obwohl mit Krischan (Rotersand), Terence Fixmer und Andy LaPlegua drei hochkarätige DJs für den ersten Disco-Abend angekündigt waren, konnten wir uns nicht mehr aufraffen, uns in Schale zu werfen und aufs Festivalgelände zu fahren. Denn mit Northern Lite stand am kommenden Morgen bereits um 11.40 h unser erstes „must-see“ auf dem Programm. In diesem Sinne: Gute Nacht! (sku)



Bild - Konzertbericht Dieses M’era Luna bedeutete also auch: das erste Mal ohne Zelten – dafür ein Bett bei „Veronica“. Ein wenig Wehmut begleitete mich bei dem Gedanken schon, aber ab dem Moment, wo ich am Samstag aus einem weichen Bett krabbelte, eine heiße Dusche genossen hatte und an einen gedeckten Frühstückstisch kam, war ich doch richtig zufrieden. Mehrfaches Outfitwechseln war plötzlich kein Problem und ob des merkwürdigen Wetters auch nötig. Nach dem gemütlichen Start in den Tag, drängte dann doch die Zeit. Vom Auftritt von Northern Lite sollte keine Minute verpasst werden, schließlich war anschließend ein Interview mit Sänger Andreas Kubat geplant.



Bild - Konzertbericht Nachdem wir einen Parkplatz in scheinbar schier endloser Entfernung bekommen hatten, wehten bereits die Klänge von Sono über den Flugplatz und leider auch ihre Verabschiedung. Zu meiner Enttäuschung hatten wir damit den Auftritt verpasst. Nachdem ich beim WGT vom Auftritt des Hamburger Trios überraschend beeindruckt war, hätte ich den Gig zu gerne gesehen. Aber durch ihre Rolle als Opener waren Sono mit 20 Minuten sowieso nur ein Set von ca. vier oder fünf Songs gegönnt.



Bild - Konzertbericht Damit wurde für uns das Festivalwochenende von NORTHERN LITE eingeleitet. Kein schlechter Anfang. Meine Erwartungen an den Auftritt des Erfurter Trios waren hoch. Immerhin eilt der Band ein Ruf als absoluter Live-Geheimtipp voraus und bisher hatten Northern Lite mich nicht enttäuscht. Pünktlich 11:40 Uhr öffnete sich der Vorhang für eine müde wirkende Band. Mit „No Escape“ - von ihrem zweiten Longplayer „Temper“ - begann ein gediegener Auftritt. Es hatte sich bereits eine beträchtliche Fangemeinde vor der Bühne versammelt, die mit ihren Begeisterungsstürmen nicht nur die müden Geister des anwesenden Publikums wach rüttelten, sondern scheinbar auch bei Kubat einen positiven Effekt bewirken konnten. Nach einer gemurmelten Entschuldigung a la „Es ist verdammt früh und ungewöhnlich hell.“ und einem noch etwas verschlafen wirkenden, verschmitzten Lächeln ging es dann daran mit „Reach The Sun“, doch noch die viel gepriesenen Livequalitäten zu beweisen. Immerhin hatten sich trotz der frühen Stunde auch bereits einige Musikerkollegen unter das Publikum gemischt. So genossen auch Tom ([:SITD:]) und Rascal (Rotersand) als Einstieg in den Tag den unvergleichlichen Mix aus rockiger Gitarre, Electro-Pop und dem unverkennbar lässig daherkommenden Gesang Kubats.



Bild - Konzertbericht Nicht ganz in Hochform schien dann bei „Cocaine“ doch endlich der Funke überzuspringen. Bei dem interessantesten und wohl auch provokativsten Stück der neuen Platte „Unisex“ taute nicht nur der letzte Zuschauer, sondern auch die Band auf. Als dann mit „What I Want From You“ erstmals für den Tag das Tempolimit des bisher gebotenen durchbrochen wurde, schien man endlich gemeinsam auf einer rauschenden Woge zu strömen. Als es begann, so richtig Spaß zu machen, war der Auftritt leider schon zu Ende. Mit „Go With The Flow“ wurde noch ein letztes Mal gemeinsam gerockt, dann war der 30-minütige Gig auch schon vorbei. Die nach Zugabe fordernden Rufe wurden leider nicht erhört.



Setlist:
01. No Escape
02. Reacht The Sun
03. My Pain
04. Cocaine (von ihrem kommenden Album „Unisex“)
05. What I Want From You (Hidden Track „Temper“)
06. Go With The Flow

Eine warm gespielte Band kann sich noch in diesem Jahr jeder auf der Northern Lite Tour zu ihrem neuen Album „Unisex“ anschauen.



Bild - Konzertbericht Während auf der Bühne nun Gothminister um die Gunst des Publikums buhlte, führte ich das Interview mit Andreas Kubat . Zum Glück war von Müdigkeit nichts mehr zu spüren und der Erfurter antworte bereitwillig auf all meine Fragen. (sl)



Bild - Konzertbericht Im Anschluss an das Northern Lite-Interview machte ich mich direkt auf den Weg zur Hauptbühne, wo die Hamburger Gothic-Legende GIRLS UNDER GLASS mit einem faszinierenden Auftritt ihr 20jähriges Bestehen feierte. Wie kaum eine andere Band hat das Trio um Volker Zacharias, Hauke Harms und Axel Ermes die Electro-, Wave- und Gothic-Szene beeinflusst und für neue Impulse gesorgt. Gegründet zu einer Zeit, als die Tellerfrisuren noch hingebungsvoll gestylt und gepflegt wurden und in vielen Schränken die geliebten, herrlich bequemen Pikes unter den Walle-Hosen und weiten Umhängen standen, haben die Girls 20 Jahre lang kontinuierlich neue Fans hinzugewonnen. So überraschte es nicht, dass sich nun zur sonnigen Mittagszeit tausende von Fans vor der Hauptbühne versammelten und das Jubiläum frenetisch mitfeierten.



Bild - Konzertbericht Weil jeder Girls Under Glass-Auftritt etwas ganz besonderes ist, sollte dieses Konzert unvergesslich werden. So hatten sich die Hamburger gesangliche Unterstützung von ihren Kollegen Oswald Henke (Goethes Erben), Eric Burton (Catastrophe Ballet), und Peter Spilles (Project Pitchfork) geholt, wobei es letzterer gerade noch rechtzeitig auf die Bühne geschafft hatte. In rund 40 Minuten spielte sich die Band quer durch ihre Diskografie: Ur-Klassiker wie „Lucky“, „Die Zeit“ oder Stücke wie „Burning Eyes“ sorgten für eine große Party auf und vor der Bühne. Selbst das wunderbare, wenngleich viel diskutierte Madonna-Cover „Frozen“, von der zauberhaften Jenny Kähler gesungen, begeisterte die Massen! Sowohl ganz junge als auch „in die Jahre gekommene“ Fans dankten den Girls under Glass mit viel Applaus.



Bild - Konzertbericht War der Freudentaumel über diesen starken Auftritt noch nicht abgeklungen, standen schon die Jungs von MESH auf der Bühne. Zum ersten Mal auf der Hauptbühne, feierten die sympathischen Synthpopper aus Bristol mit jeder Menge Klassikern und neuen Songs eine rauschende Party. Wie auf der Mesh-Homepage zu lesen ist, stellte das Publikum auf dem diesjährigen Mera Luna sogar das größte, vor dem die Band jemals aufgetreten ist! Wenn das kein Erfolg ist! Nachdem sich Mesh mit meinem Lieblingssong „From this height“ unter tosendem Applaus von der Bühne verabschiedeten, wäre eigentlich dringend eine Pause nötig gewesen. Doch daran war nicht zu denken, denn die Umbaupause für FUNKER VOGT hatte begonnen und es sollte nicht mehr lange dauern, bis die Hamelner „Party-Navigatoren“ (schade, dass die Ansagen von Medusa immer so schrecklich einfallslos waren!) die Bühne enterten.



Bild - Konzertbericht Noch fünf Minuten bis zum Auftritt: Den Zustand vor der Bühne als „brechend voll“ zu beschreiben, ist wohl mehr als untertrieben. Egal in welche Richtung man blickte, vor lauter Besuchern war vom Boden des Festivalgeländes so gut wie nichts mehr zu sehen! Endlich betrat die Hamelner Band, die von allen auf dem Festival auftretenden Künstlern wohl den kürzesten Anreiseweg haben dürfte, die Kampfzone. Da auch die Funker in diesem Jahr ein Jubiläum zu feiern haben – wir gratulieren ganz herzlich zum 10jährigen! – spielten sie sich an diesem Nachmittag extrem professionell, routiniert und mit bester Laune quer durch ihre musikalische Laufbahn. Während sich Gerrit Thomas im Hintergrund hielt, heizten Jens Kästel (stilvoll in schwarzem Hemd mit knallorangefarbner Krawatte), Björn Böttcher – wie immer gut getarnt durch eine aufwändige Maskerade, diesmal in Grün – und Gitarrist Frank Schweigert das johlende und pogende Publikum an. Trotz des unserer Meinung nach schlecht abgemischten Sounds war die Stimmung großartig.



Bild - Konzertbericht Schade allerdings, dass der ein oder andere Fans schon mal über die Stränge zu schlagen drohte. In unserer Nachbarschaft zumindest war ein noch recht jung aussehender Schwede (natürlich im T-Shirt in Landesfarben!) nicht zu bremsen und bis an den Rand gefüllt mit Alkohol. Da es der Security, die immer ein waches Auge auf die Besucher und ein offenes Ohr für deren Fragen hatte, dann schließlich zu bunt wurde, zog sie den wilden Schwed’ kurzerhand über die Absperrung aus der Menge, damit diese unbeschadet weiterfeiern konnte. Doch leider hatte der gute Junge das entweder gar nicht registriert oder wollte einfach nicht dazulernen – denn nur knappe zehn Minuten war er wieder in der vordersten Reihe und tat, als sei nichts gewesen – das Rempeln und Pogen ging weiter. Nachdem er kurzer Hand ein zweites Mal in den Graben gezogen wurde, ward er schließlich nicht mehr wieder gesehen…Wie schade für ihn, denn er hätte den grandiosen Auftritt von Funker Vogt schließlich ganz sehen können.



Bild - Konzertbericht Währenddessen tobten Funker Vogt weiter auf der Bühne. Bei so viel Zuspruch und Beifall ließ es sich Jens Kästel nicht nehmen, seine Fans zu besuchen und kletterte kurzerhand in den Pressegraben herunter, um sich auf der Absperrung stehend und von der Security gestützt, noch mehr feiern zu lassen. Mit einer Deutschlandfahne durch einen Fan beschenkt, die er sich flugs überhängte, kehrte Kästel auf die Bühne zurück und gab der Fanschar alles, wonach sie verlangte. Auch für diesen Auftritt waren 40 Minuten viel zu kurz, doch der Zeitplan des Mera Luna ist gewohntermaßen eng gesteckt.



Bild - Konzertbericht Mit den nächsten Jubilaren, den KRUPPS, betrat eine der größten Electro-Industrial-Bands der Szene die Bühne. Da wir jedoch dringend eine Pause brauchten und um 18 h zum Interview mit Funker Vogt geladen waren, ist dieser - wie uns berichtet wurde – phänomenale Auftritt leider an uns vorbeigegangen. Lediglich backstage sahen wir Jürgen Engler für einen kurzen Moment, wie er von „TNT-Musik-X“ interviewt wurde. (sku)



Bild - Konzertbericht Auch der Auftritt von BLUTENGEL ging währenddessen über die Bühne. Ich denke, das konnten wir beide ohne große Probleme verschmerzen. Wir haben uns anschließend berichten lassen, dass die aufwändige Bühnenshow wie immer von diversen Damen, anderen Gestalten und Requisiten – vor allem Kunstblut – gestaltet wurde. Eine treue Fanschar verfolgte fasziniert eine gewohnt souveräne Performance von Chris Pohl und seiner schönen Constanze. Dank einer Setlist aus der Hitparade der Blutengel-Erfolge hatte man das Publikum gut im Griff und beendete mit „Children Of The Night“ den gelungenen Festivalauftritt.



Bild - Konzertbericht Auch einen Großteil der Performance von FRONT LINE ASSEMBLY mit dem echten Bill Leeb verpassten wir. Als ich mich für die letzten Songs der Menge vor der Bühne anschloss, war ich recht enttäuscht. Der Auftritt blieb hinter meinen Erwartungen an eine Band, die zu ihren besten Zeiten echte „Mörderscheiben“ (Zitat aus dem Programmheft zum M’era Luna) produziert hat, zurück. Stimmung wollte nicht so recht aufkommen und hinter all dem Nebel und Tarnnetzkonstruktionen ließ sich nur hin und wieder eine spannende Bewegung vermuten. Die Stimme Leebs wirkte farblos und seine Motivation für den Auftritt schien irgendwo zwischen einem Six-Pack und Feierabendstimmung verloren gegangen zu sein. Hier hat eine Band ihre Wiedergutmachung wohl verspielt. Auch sorgte Leebs Kommentar, er sei diesmal auch wirklich der „echte“, nicht gerade für grenzenlose Erheiterung. Zu tief sitzt bei einigen wohl noch der Unmut über den Skandal vom WGT 2002.



Bild - Konzertbericht Letztlich sollte nun aber mein Highlight – nicht nur des Tages, sondern auch des Wochenendes – folgen. Nachdem mich NITZER EBB auf ihrem Gig beim WGT etwas enttäuscht hatten, war ich gespannt auf ihren Auftritt beim M’era Luna. Und tatsächlich schienen den Urgesteinen der Electronic Body Music die weiteren Auftritte in Europa gut getan zu haben. Alles wirkte viel geschlossener und überzeugender. Wahrscheinlich konnte man in den vergangenen Wochen noch die restlichen Unstimmigkeiten der Vergangenheit ausräumen. Immerhin gibt es entgegen aller vorherigen Beteuerungen, dass es sich um eine lediglich temporäre Wiedervereinigung handelt, aus der weder neue Songs oder gar ein neues Album entstehen würden, nun doch erste Nachrichten, dass man sich auf neues Material von NEP freuen kann.



Bild - Konzertbericht Nachdem mit „Nitzer Ebb“-Rufen bereits lautstark nach der Band verlangt wurde, enterten pünktlich 21:00 Uhr McCarthy und Harris gemeinsam zu „Getting Closer“ die Bühne. Bevor es an die Drums ging, gab es auch von Bon ein paar ordentliche Shouts auf die Ohren. Gastdrummerin Kourtney Klein bearbeitete, wie bereits beim WGT eindrucksvoll bewiesen, wieder in ordentlicher Manier die Drums. Wie immer vom Sound entfesselt, kam die Menge kräftig in Bewegung. Eine beträchtliche Gruppe EBM-Krieger schob und pogte kräftig um dem Namen der Musik eine Berechtigung zu geben. McCarthy machte es vor und tobte in jugendlicher und vor allem äußerst erotischer Art über die Bühne. Lederstiefel bis zum Knie, laszive Bewegungen und ein durchtrainierter, von harter Arbeit gestählter Körper ließen die weibliche Fraktion nervös werden. Da klangen Worte wie „Baby come to Daddy“ plötzlich wie ein Klingeln im Ohr. Davon abgesehen, machte der Song auch nach all den Jahren einmal mehr deutlich, wie einmalig es Nitzer Ebb schaffen, minimalistischen Elektro mit ungewöhnlichen Elementen, hier jazzigen Saxophoneinspielern, zu verknüpfen.



Bild - Konzertbericht Der 75-minütige Auftritt war ein Konzerterlebnis der Superlative. Ein Douglas McCarthy in Höchstform, eine Setlist mit den größten aller Hits und eine Stimmung die Wellen schlug. Das Tripple aus „Control I’m Here“, „Murderous“ und „Join In The Chant“ bildete den furiosen Höhepunkt der Show. Kein Halten mehr möglich. Nur tanzen, schreien, genießen, es nicht glauben können und sich anschließend über die verlorene Stimme wundern. Das war mir DAS unvergleichliche Konzerterlebnis eben wert. Jedem sei empfohlen seine Chance auf einen Livegig von Nitzer Ebb während ihren kommenden Konzerten im Oktober in Deutschland zu nutzen.



Setlist
Getting Closer
Let your body learn
Shame
Hearts & Minds
Captivate
Godhead
Blood Money
For fun
Ascend
Lightning Man
Control I’m here
Murderous
Join in the chant
Fun to be had
Family Man
I give to you



Bild - Konzertbericht Dass zum siebten Mera Luna so viele Besucher wie noch nie gekommen waren, lag mit Sicherheit auch am seit langem angekündigten Auftritt der größten Gothic-Legende aller Zeiten: BAUHAUS. Nach ihrer letzten Tour, die uns unter anderem zwei Auftritte in Köln und in Berlin bescherte, konnten sie als Headliner für Samstagnacht verpflichtet werden. 1978 gegründet, gehören Bauhaus und Sänger Peter Murphy zu den dienstältesten Bands der Gothic-Bewegung, an deren Entwicklung sie maßgeblich beteiligt waren. Nach ihrer Trennung im Jahre 1983 arbeiteten die einzelnen Musiker mit zum Teil beachtlichen Erfolgen an ihren Solo-Projekten oder formierten neue Bands. Ihre Wiederauferstehung im letzten Jahr sorgte für eine grenzenlose Überraschung.



Bild - Konzertbericht Nachdem nun also die wild gefeierten Nitzer Ebb die Bühne verlassen hatten und so mancher sich am Ende seiner Kräfte gen Zelt, Hotel oder Pension aufmachte, kämpfte ich mich tapfer zur Hauptbühne vor und schaffte es immerhin bis zur zweiten Reihe. Weit genug, um viel zu sehen, jedoch leider nicht für gute Bilder. Eine normale Digicam ist auf eine solche Distanz und bei Bauhaus-typischen Licht- und Nebelverhältnissen einfach nicht zu gebrauchen.
Mit leichter Verspätung war es dann endlich soweit: unheilvolle Nebelschwaden ziehen auf, gelbliches Licht erleuchtet die Bühne nur unzureichend, der „Godfather of Goth“ Peter Murphy tritt zusammen mit seinen Musikern auf die Bühne. Sichtlich gealtert, aber mit einer nach wie vor unglaublichen Ausstrahlung zieht Murphy das Publikum sofort in seinen Bann. Es ist ein perfektes Spiel aus Mimik, Gestik, kurz gesagt Theatralik, perfekt untermalt und in Szene gesetzt von durchdachten Lichteffekten. Bauhaus zelebrieren an diesem Abend eine gespenstische, intensive und beeindruckende Show, die einem eine Gänsehaut beschert. Leider habe ich allerdings bis heute nicht herausfinden können, weshalb Peter Murphy während des Konzertes relativ unentspannt Kabel und Kleinteile von der Bühne getreten hatte, was daraufhin nicht nur für das ein oder andere technische Problem sorgte sondern auch beherzte Techniker auf die Bühne springen lies, um retten was zu retten war.



Bild - Konzertbericht Alles in allem war dieses Konzert, bei dem natürlich auch „She’s in parties“ oder „Bela Lugosi’s dead“ nicht fehlten, genau das, was sich Tausende von Festivalbesuchern gewünscht und erhofft hatten: das unbestrittene Highlight des M’era Luna und das Gefühl, einer Ikone und Legende ganz nahe gewesen zu sein. Meine Beine drohten inzwischen komplett wegzubrechen und ich schleppte mich wirklich mit letzter Kraft zum Pressezelt, wo sich Susann mit zwei Pressevertretern aus Rom blendend unterhielt! An dieser Stelle viele Grüße in die ewige Stadt!



Bild - Konzertbericht Wie schon am Freitag abend war auch jetzt die Disco kein Thema für uns, wenngleich das Set von Tom [:SITD:] und Ronan Harris eigentlich genau das Richtige für uns gewesen wäre. Da für Susann der Sonntag morgen um 11.20 h mit Solitary Experiments beginnen sollte und ich pünktlich eine Stunde später zu Clan of Xymox vor Ort sein wollte, war früh aufstehen und damit die Rückfahrt ins Hotel Veronica ausweichlich! Und wieder heißt es: Gute Nacht! (sku)



Bild - Konzertbericht PS: Wenn ihr, liebe Leser, euch jetzt wundert, dass das Wort „Hangar“ bisher kein einziges Mal gefallen ist, müssen wir gestehen, dass wir am Samstag kein einziges Mal im Hangar waren. Da sich dort an jenem Tag die rock- und metallastigen Bands wie „Midnattsol“, „Unheilig“, „Tristania“ oder „The Gathering“ die Ehre gaben, entschieden wir uns für unsere Favoriten, die durchweg für die Hauptbühne gebucht waren. Am Sonntag, den ihr in Kürze auf unserer Seite nachlesen könnt, waren wir für euch jedoch auch im Hangar! Allerdings ließen wir es uns bei dem doch recht sonnigen Wetter – das so ganz und gar nicht nach der Pfeife unentschlossener Wettervorhersagen tanzen wollte – lieber draußen gut gehen! (sku)

Unser Dank für einen Teil der Bilder gilt Marcus Scheidel von http://www.fanfoto.de



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