Konzertbericht

Bericht:

Front 242

Konzert:

Moments In Germany 2010

Autor:

Ralf

Ort:

Frankfurt, Batschkapp

Vom:

13.04.2010

Forumsbeiträge:

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Bild - Konzertbericht Es sind doch immer die alten Größen, die die Batschkapp ausverkaufen. Auch so bei Front 242, die das erste Mal seit über einem Jahrzehnt eine reguläre Clubtour in Deutschland spielen. Die altgediente Location in Frankfurt bietet Raum für den Auftakt der kleinen Konzertreise. An englische Verhältnisse angeglichen geht es bereits recht früh um kurz vor acht los.



Bild - Konzertbericht Zunächst spielen Soldout, das belgische Electro-Clash-Techno-Trash Duo, das Front 242 persönlich zum Support bestellten. Zwar ist die Batschkapp noch nicht voll, dem Publikum scheint das, was Charlotte Maison und David Baboulis präsentieren, jedoch zu gefallen. Die Songs erinnern an kraftvollen Indie-Techno mit loopenden Elementen. Eine gesunde Mischung zwischen The Whip und Vive La Fete, so könnte man die Musik vielleicht beschreiben, die Soldout aus den Legacy-Synths zaubern.



Bild - Konzertbericht Baboulis dreht hauptsächlich Knöpfchen, schafft es jedoch auch mühelos an DAF erinnernde Staccatos auf dem Korg live zu klimpern. Bei Geräten, deren Baujahr gleichzeitig sein Geburtsjahr sein könnte, bleibt ihm sicherlich auch gar nichts anderes übrig. Charlotte verwendet gleich mehrere Mikrophone um in verschieden modulierten Stimmen gesanglich die kleinen Big-Beat-Monster zu unterstützen und nach einer halben Stunde und dem bekanntesten Song ‚I don’t want to have sex with you’ wünscht man sich, die Belgier müssten die Bühne noch nicht so schnell verlassen.



Bild - Konzertbericht Eine Zugabe gibt es nicht, denn schließlich spendiert der Veranstalter mit ‚Orange Sector’ noch eine weitere Vorband. Gerade haben Lars Felkner und Martin Bodewell mit ‚Krieg und Frieden’ ein neues Album auf Infacted veröffentlicht, was zumindest in Auszügen präsentiert werden will. Der Club hat sich inzwischen gefüllt. Nicht anders als erwartet, ist der Altersdurchschnitt locker über dreißig und dem Outfit nach haben sich an diesem Abend auch nur wenige Zuhörer in die Batschkapp verirrt. Im Gegenteil, ich möchte nicht wissen mit wie vielen der Anwesenden ich bereits beim Live Target in der Offenbacher Stadthalle unbekannterweise bereits in den Neunzigern einen schönen gemeinsamen Abend hatte! Abzusehen ist, dass heute Abend die Stiefel fliegen werden und so dürfte Doc Martens doch mal wieder der Hauptausstatter des Schuhwerks gewesen sein.



Bild - Konzertbericht Sehr innovativ ist das, was Orange Sector bieten, leider nicht. Schon immer hat sich die Band nicht durch die Neuerfindung des elektronischen Rades hervorgetan, doch die Bezüge zu Nitzer Ebb oder DAF sind doch mehr als offensichtlich. Egal, denn einer Rolle werden die beiden Hannoveraner sicherlich gerecht: Anheizer vor dem Herrn! Es dauert nicht lange bis sich in der Mitte vor der Bühne die unvermeidliche Pit bildet und sich die tanzbegeisterte Jugend mit wachsender Begeisterung übers Parkett schubst.



Bild - Konzertbericht ‚Für immer’ und ‚Tanzbefehl’ sind dabei willkommene Bekannte, die offensichtlich das Publikum dazu bewegen in die richtige Feierstimmung für den Hauptact zu kommen. Die vermeintlich bösen Buben sind nach einem Auftritt mit Kunstpause aufgrund springendem CD-Playback ebenfalls nach einer guten halben Stunde durch ihr Programm.



Bild - Konzertbericht Viertel vor zehn, die Bühne wird von allen unnötigen Instrumenten und den Monitor Boxen befreit, um gegen zehn Uhr den alten Herren der elektronischen, belgischen Volksmusik möglichst viel Bewegungsfreiheit zu gewährleisten. Zu viert sind sie unterwegs und wie man das kennt, sind zwar die beiden Synths fest installiert, die Konstellation wer gerade singt und wer die Tasten bearbeitet wechselt jedoch ständig.



Bild - Konzertbericht Es fehlt nicht an Commitment bei den Fans. Sofort sind die bei der Sache und spätestens ‚Moldavia’ als zweiter Song hat das Eis endgültig gebrochen. Auch bei den langsameren Songs wie ‚Circling Overland’ bewegt sich die schwitzende Masse die Rückkehr der Veteranen nach Frankfurt gebührend zu unterstützen.



Bild - Konzertbericht Projektionen unterstützen die mächtigen Lichtkanonen, die Front 242 immer wieder in Wände bunt schillernden Kunstnebels stellen, so wie man das kennt und so wie man sich das wünscht. Ähnlich wie auf dem Amphi im letzten Jahr ist die Songauswahl schlüssig und die Versionen sind nicht allzu zermixt, wie dies bei Live-Auftritten um die Jahrtausendwende der Fall war. Den ersten ekstatischen Höhepunkt bietet ‚Religion’ mit dem Über-Live-Hit ‚Welcome to Paradise’ im Anschluss. Hey poor – you don’t have to be poor anymore! Jesus is here! Warum gibt es heute Abend eigentlich keine ‘No sex until marriage’-T-Shirts. Der Merch-Umsatz wäre sicherlich um nicht unbeträchtliche Summen gestiegen!



Bild - Konzertbericht Echtes Vintage enthält der nächste Block im Hattrick: ‚Funkadahfi’, ‚Commando Mix’ und das ungeheuer schöne, und für die EBM-Band fast balladesk wirkende ‚Don’t Crash’. Gerade letzterer Song ist sicherlich eines der versteckten Highlights des Abends. Lockere 20 Jahre später sind ‚Triple X Girlfriend’ und ‚Loud’ zu verorten, zwei Songs die hervorragend in die Setlist passen auch wenn das Gros der zahlenden Gäste sicherlich wegen der ganz alten Klassiker gekommen ist.



Bild - Konzertbericht Von denen legen De Meyer, Codenys und Daniel B. dann auch noch einmal kräftig nach. ‚Quite Unusual’ mit seinem lässig charmanten Charakter läutete die lange Zielgerade der Hits ein und wurde genauso frenetisch entgegengenommen wie die mit Staccato-Salven angereicherten Songs ‚Tragedy for You’ und vor allem aber natürlich ‚Im Rhythmus bleiben’.



Bild - Konzertbericht ‚Kampfbereit’ als ein weiterer Klassiker der ersten Tage und ‚Headhunter’ als fest vorgegebener letzter Song beenden ein mit ca. achtzig Minuten etwas zu kurzes Konzert. Kaum ist das Quartett von der Bühne drängt sich auch schon das Publikum in Richtung Ausgang; eine zweite Zugabe erwartet man nach Headhunter schon gar nicht mehr.



Bild - Konzertbericht Man muss Front 242 professionelles Entertainment mit Party-Garantie bescheinigen, allerdings bleibt der etwas fade Beigeschmack einer Standard-Show zurück. Andererseits geht man zum Italiener seiner Wahl ja auch nicht um mit dem Cappuccino vollkommen neu überrascht zu werden, sondern um eine qualitativ angemessene Leistung gebührend zu genießen. Und damit bleibt zu hoffen dass die nächste Clubtour nicht wieder so lange auf sich warten lässt!



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