Ich kann mich noch recht gut an meine erste Begegnung mit Element Of Crime erinnern. Es muss das Zillo Festival 1999 gewesen sein (welches damals auf dem Gelände des heutigen M’era Luna-Festivals gastierte), bei dem ich mich am zweiten Tag nachmittags auf eine Decke knallte und einfach mal der Bühne lauschen wollte. Und plötzlich schallten keine dumpfen Technobeats und keine pseudomittelalterlichen Töne, sondern erdige, handgemachte Musik mit leicht schrägen aber immer sehr offenen Texten – ich schaute in meinem Programmheft nach und lass dort etwas von einer Band namens Element Of Crime. Zehn Jahre sind seit dieser Begegnung vergangen und noch immer fasziniert mich die Rasselbande – nur bekam ich seitdem nie die Chance das Live-Erlebnis zu wiederholen und zu intensivieren. Heute schreiben wir den 29. Januar 2009 und Fotoqueen Tine und ich befinden uns auf der A4 Richtung Dresden. Heute ist es soweit – Element Of Crime spielen im Rahmen ihrer aktuellen Tour im ausverkauften Schlachthof – und wir sind live dabei.
Pünktlich halb 10 gehen die Lichter aus und Sven Regener und seine Kumpanen betreten die Bühne. Man klatscht, pfeift und nimmt einen Schluck aus dem Weinglas. Regener macht es sich vor seinem Mikro bequem und trällert den Opener des aktuellen Albums „Kopf aus dem Fenster“ ins weite Rund. Die Fans singen und singen und singen. Mehr nicht.
Man steht und schaut. Ein Geiger erscheint und lässt liebreizende Töne aus seinem Instrument entsteigen. „Guten Abend – wir sind Element Of Crime. Und jetzt spielen wir noch ein Lied.“ Sie bleiben beim aktuellen Werk „Immer da wo du bist bin ich nie“ und präsentieren mit stoischer Gelassenheit „Am Ende denk ich immer nur an dich“ und „Deborah Müller“ (inklusive einer schicken Trompeteneinlage). Sven ruft laut „Romantik“ hinaus und streckt dabei die Arme in den Himmel. Aha.
Wir gehen zurück in die Vergangenheit und landen bei „Weißes Papier“ im Jahre 1993. Nun gut, ein wenig Rückschau ist sicher nicht verkehrt, doch warum es gleich drei dieser Songs sein müssen, die nur ein kleiner Teil der Fans kennt, ist mir schleierhaft. Die Stimmung sackt auf ein Minimum – nur das Klatschen nach den Songs beweißt mir, dass die Leute noch leben. Besser wird es erst bei „In mondlosen Nächten“, welches erneut zum Mitsingen und Schmunzeln einlädt.
Wo bleiben denn die großartigen Tracks von „Mittelpunkt der Welt“ und „Romantik“? Immerhin ruft Regener dieses Wort in schöner Regelmäßigkeit in sein Mikro. Es geht nun hinter den Mond – somit befinden wir uns im Jahre 1991. Stimmung ade. Nur kurz flackert sie mit dem aktuellen „Bitte bleib bei mir“ wieder auf, bevor sie endgültig zur Hölle geschickt wird. Mit „You Shouldn’t Be Lonely“ und „Don’t You Smile“ präsentieren die Elementis zwei Tracks des 87er Werkes „Try To Be Mensch“. Harter Tobak.
Gerade in den letzten Jahren haben Element Of Crime den richtig fetten Durchbruch feiern können. Doch die neuen Fans werden mit alter Kost auf Distanz gehalten. Das sich die Reihen bereits jetzt leeren und die Besucher es sich in der Lobby bequem machen ist leider verständlich. Auf der Bühne herrscht eine leblose Atmosphäre – sechs Musiker musizieren, doch sie leben nicht. Sie scheinen müde, erschöpft und froh zu sein, wenn die Show irgendwann ein Ende hat. Interaktion ist Mangelware.
Es folgen zwei Tracks des „Albums“ „Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe“, bevor man wenigstens einmal das „Psycho“-Album aufgreift und „Jetzt musst du springen“ intoniert. Es geht wieder aufwärts. Zögerlich kommt beim erneuten „Immer da wo du bist bin ich nie“-Trio so etwas wie Stimmung wieder auf.
Doch als nach dem Titeltrack das reguläre Set beendet ist, verlassen einige Besucher bereits die Location. Entweder leiden sie unter Sauerstoffmangel (verständlich), haben die Hoffnung auf (ihnen) bekannte Songs aufgegeben (etwas verständlich) oder müssen früh ins Bett (unverständlich)? Natürlich kehren Sven und seine Buben zurück – und das nicht nur einmal. Viermal lassen sie sich insgesamt feiern, bevor nach „Der weiße Hai“ und knapp 100 Minuten endgültig Feierabend ist.
Fazit: Was soll man sagen, wenn man eine Band von Platte mag, jedoch das so lang erwartete Live-Erlebnis zum Abgewöhnen ist? Über die Setlist zu diskutieren ist müßig, aber warum nur ein Song von „Mittelpunkt der Welt“ und kein einziger von „Romantik“ gespielt wurde, ist fraglich. Gerade diese Alben haben der Band viele neue Fans beschert. Aber man ignoriert es und verstrickt sich in der Vergangenheit. Schade.