Mittlerweile hat sich ausser dem Wave Gothic Treffen und Mera Luna noch ein drittes relativ großes Festival in Deutschland etabliert: Das Amphi, welches auf einem schön gelegenem Gelände in Köln direkt am Rhein stattfindet. Die Köln-Messe ist auch sehr gut von der Autobahn zu erreichen und bietet genügend Parkplätze, welche allerdings zum großen Teil etwas weiter weg liegen. Daher war auch ein recht langer Fußmarsch angesagt, als wir Samstag gegen Mittag eintrafen. Nachher waren wir aber schlauer und haben das Auto unter einen näher gelegenen Parklatz, schattig unter einer Brücke gelegen, umgeparkt. Denn es war sogar sonnig und viele schwarze Gestalten flanierten am Rhein entlang.
Theaterstage Trial: Nach einer Fährfahrt über den Rhein und kurzem Altstadt Bummel, beschlossen wir als erste Band uns Trial anzusehen. Die Hard Elektroniker sollten noch einigen EBM - und Electro Fans aus früheren Tagen bekannt sein, zumindest das Stück „Blut und Eisen“. Richtig Stimmung wollte hier noch nicht aufkommen, was wohl auch an der eher mäßigen „Gesangesleistung“, d.h. kehliges Gebrülle, sowie den relativ einfach strukturierten Stücken gelegen haben mag. Immerhin waren echte Drums am Start und die rein instrumentalen Parts klangen dann schon besser und insbesondere treibender.
Mainstage Imatem: Wie leicht an der charismatischen Gestalt von Peter Spilles hinter den Synthies zu erkennen war, hatten wir es hier mit einem Nebenprojekt des Projekt Pitchfork Frontmannes zu tun. Da ich neugierig war (als Fan der alten PP) hörte ich schon vorher mal auf dem Myspace von Imatem in 4 Stücke rein. Leider hörte sich das recht enttäuschend an, obwohl einige Gastsänger aufgeboten werden. Die live Darbietung konnte meine Meinung leider auch nicht ändern. Relativ simple Elektronik gepaart mit zumeist treibenden Beats und einfachen Melodien. Auch hier kamen alle 3 Gastsänger zum Zuge: „Der Graf“ (Unheilig), La Casa Del Cid und Falk Lenn. Zwar spendete das Publikum höflichen Beifall, leider aber blieben genauso wie bei Trial Begeisterungstürme aus – zu Recht. Nicht Fisch – nicht Fleisch so kam mir der Auftritt und die gebotene Musik vor. Da muss noch was besseres kommen, Herr Spilles !
Mainstage Funker Vogt: Das muss schon das dritte oder vierte Mal sein, dass ich die Funker live sah. Und es reicht nun wirklich. Im Vergleich zu meiner letzten Audition einer Show der Hameler hat sich nichts – aber auch gar nichts – verändert. Nur, dass diesesmal die Stimmung etwas schlechter war. Denn eines muss man den Funkern ja lassen, Stimmung machen können sie normalerweise. Am Samstag gelang das nicht so besonders. Der Sound sollte altbekannt sein, so dass ich nicht weiter drauf eingehe. Ein bisserl leid tut mir immer der Gitarrist, den man kaum heraushört. Ältere Stücke wurden leider ausgespart :( Immerhin kam aber auch diesesmal Jens Kästel wieder sehr sympathisch rüber.
Mainstage Heimataerde: Eine der größten positiven Überaschungen des Festivals war diese Band, die eine Art “Mittelalter Electro” machen. Zum Glück aber ohne Dudelsäcke, dafür mit einer Art Flöte. Ansonsten war das schon eher elektronisch. Aber mit passenden Texten und - na klar - mit cooler Bühnenshow. Der Sänger mit Schwert und Kettenhemd, dazu gab es noch entsprechende Landsknechte als Standartenträger. Manche werden sagen solche Shows sind albern oder sie sollen Schwächen in der Musik übertünchen. Das mag oftmals stimmen, aber bei Heimataerde empfand ich das nicht so, sondern passend. Und die Musik ging auch überwiegend in Ordnung. Zumeist treibend mit schweren Beats - sicher ein Act der in Zukunft noch von sich reden machen wird.
Mainstage Krypteria: Die Gothicmetaller hatten hier ein Heimspiel und konnten auch im Vorfeld schon viel Lob einheimsen. U.a. mit Titelstories in bekannten deutschen Magazinen. Berechtigt ? Na nicht ganz, denn der Sound könnte doch ´ne Ecke härter und dunkler sein. Ansonsten aber auch hier ein überwiegend guter Auftritt mit der gutgelaunten, hübschen Sängerin und dem spielfreudigem Gitarristen. Der Gesang war zum Glück noch erträglich, d.h. er ging nicht in Richtung Nightwish oder Within Temptation, sondern mehr in die rockige Ecke. Schade, dass kein männlicher Grunzer als Ergänzung dabei war - auch ein paar schnellere, härtere Parts wären gut gekommen.